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Celle Stadt So stoppten drei Garßener den Serieneinbrecher
Celle Aus der Stadt Celle Stadt So stoppten drei Garßener den Serieneinbrecher
16:22 13.09.2019
Von Svenja Gajek
Die drei Garßener Nachbarn Frank Bessel, Dirk Hemmrich und Detlev Schumann (von links) stellen zusammen mit Salhattin "Hatti" Kizilyel die Festnahme des Einbrechers nach. Die Situation hätte gefährlich werden können. Quelle: Benjamin Behrens
Celle

Im Nachhinein erscheint den drei Nachbarn die Situation fast schon komisch. "Was erwarte ich denn bitte, wenn ich sage: Ich habe Müll in deinem Garten entsorgt", sagt Frank Bessel und grinst. Er hat kürzlich zusammen mit seinen Nachbarn Dirk Hemmrich und Detlev Schumann einen Serieneinbrecher in Garßen festgehalten und bis zum Eintreffen der Polizei bewacht.

Alles begann mit seltsamen Geräuschen

Alles begann relativ harmlos: Bessel saß abends gegen halb zehn gemütlich mit seiner Frau auf der Terrasse hinter dem Haus. Plötzlich hörten die beiden Geräusche, die offensichtlich aus Richtung des Grundstückeinganges kamen. "Meine Frau hat mich zum Nachsehen geschickt", erzählt Bessel. Als er um das Haus herum kam, bemerkte er einen Mann, der sein Fahrrad auf dem Grundstück der Bessels abgestellt hatte. "Als ich ihn fragte, was er da macht, behauptete er, er entsorgt Müll", so Bessel. Der Anwohner forderte den Fremden auf, sofort seinen Grund und Boden zu verlassen. Der Mann schien sich zu fügen, sammelte den vermeintlichen Müll wieder auf und schob sein Fahrrad etwas weiter die Straße entlang.

Der Fremde wollte sich rausreden

Kurz darauf war ein weiteres Scheppern zu hören. Bessel kam das jetzt sehr merkwürdig vor und er rief seine beiden Nachbarn hinzu. Sie gingen zu der Stelle des neuen Geräusches und entdeckten den "Müll". Dieser war in Wirklichkeit ein Safe etwa in der Größe eines Bierkastens. Der Fremde wollte gerade die Flucht ergreifen. "Der Kerl hat noch behauptet, er will in fünf Minuten mit dem Auto wiederkommen", sagt Hemmrich. "Warum sollte einer ein Auto holen, wenn er gerade mit dem Fahrrad unterwegs ist." Der mutige Nachbar hielt ihn geistesgegenwärtig am Rucksack fest. Dann ging alles ganz schnell: Eine der Ehefrauen rief die Polizei, die wenige Minuten später eintraf. "Der junge Mann war nicht besonders kräftig", sagt Hemmrich schmunzelnd. "Deswegen war das relativ einfach, ihn in Gewahrsam zu nehmen."

Vier Männer sollen 30 Einbruchsdiebstähle begangen haben

Bei dem Fremden handelte es sich tatsächlich um einen Einbrecher, der den Safe zuvor bei einem Einbruch in ein Einfamilienhaus ein paar Straßen weiter gestohlen hatte. Er ist 33 Jahre alt und ohne festen Wohnsitz. Der Mann steht im Verdacht, unter anderem für diverse Einbruchdiebstähle im Umkreis verantwortlich zu sein. Bei der Durchsuchung fanden die Polizisten Betäubungsmittel und weiteres mutmaßliches Diebesgut. Der Einbrecher sitzt nun in Untersuchungshaft. Bereits einige Tage vorher war sein 22-jähriger Komplize gefasst worden. Die beiden Männer und zwei weitere Mittäter werden verdächtigt, seit Anfang dieses Jahres zirka 30 Einbruchsdiebstähle in Celle und Umgebung begangen zu haben.

"Wenn einer ruft, dann ist man da"

Für die drei Nachbarn ist es selbstverständlich, seinen Mitmenschen beizustehen. "Wenn einer ruft, dann ist man da", sagt Schumann voller Überzeugung. "Man kennt sich hier. Und wir wollen in unserer Gegend schließlich Ruhe und Sicherheit haben. Ich hoffe, dass in dieser Straße zukünftig nichts mehr passieren wird."

Jeder darf Menschen, die auf frischer Tat betroffen wurden, kurzzeitig festhalten

Übrigens ist jeder nach Paragraf 127, Absatz 1, Satz 1 der Strafprozessordnung befugt, eine Person ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen, wenn diese Person auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird und wenn sie der Flucht verdächtig ist oder ihre Identität nicht sofort festgestellt werden kann.

Salhattin „Hatti“ Kizilyel hat die drei Nachbarn für unsere Online-Serie „Hattis Woche“ interviewt.

Tipps für Zivilcourage

Bei allem Lob für die Zivilcourage der Männer darf die Gefahr bei einer solchen Aktion nicht unterschätzt werden. Die Bundespolizei verweist auf sechs Regeln, die zu beachten sind, wenn jemand eine ähnliche Situation beobachtet: 1. Helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. 2. Andere direkt und aktiv zur Mithilfe auffordern. 3. Genau beobachten 4. Die Polizei unter der Nummer 110 rufen. 5. Sich um Opfer kümmern. 6. Sich als Zeuge zur Verfügung stellen.

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