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Celle Stadt Aller-Fackelschwimmer trotzen Sturm und Regen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Aller-Fackelschwimmer trotzen Sturm und Regen
16:55 10.02.2019
Von Marie Nehrenberg
Sobald es dämmert, bekommt jeder Teilnehmer eine Fackel, mit der er in Richtung Ziel schwimmt. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Auf den ersten Blick ist am Samstag irgendwie alles anders: Flamingos und Heidschnucken treiben die Aller hinunter, werden links von einem Wikingerboot und rechts von einem Schwarm Quallen überholt. Hin und wieder explodiert buntes Feuerwerk am Himmel und ein strahlender Leuchtturm leitet der merkwürdigen Gruppe den Weg. Als nach einiger Zeit auch noch brennende Fackeln dazukommen, ist wohl auch dem letzten Unwissenden klar, dass das traditionelle Aller-Fackelschwimmen in vollem Gange ist.

Sturm und Regen beim Start

Strömender Regen, heftige Sturmböen und eisige Kälte stellen sich pünktlich zum Start ein. Ein Großteil der Celler könnte sich bei diesen Wetterbedingungen sicherlich schönere Dinge vorstellen, als in die eiskalte Aller zu hüpfen. Nicht so die rund 200 unerschrockenen und mutigen Teilnehmer, die den Start herbeisehnen. „Nass werden wir doch sowieso, da stört das Wetter überhaupt nicht“, meint Christine Müller. Sie hat gerade ihren pinkfarbenen Neoprenanzug angezogen. „Ich bin zum zweiten Mal dabei, langsam steigt die Aufregung.“ Ein paar Meter weiter tragen zwei Männer gerade ein Gefährt zum Ufer, welches verdächtig nach einem Grill aussieht. „Ja, es ist das wonach es aussieht, wir müssen ja zwischendurch was essen“, erklären sie lachend. Lediglich das Entzünden der Kohle gestaltet sich bei dem anhaltenden Regen schwierig. Doch nur wenige Minuten, nachdem die ersten Teilnehmer den Sprung ins kühle Nass gewagt haben, hört es auf zu regnen. Gut für die Holzkohle, aber vorallem gut für das Publikum, dass sich nun auch auf den Weg zum Zielort macht.

Traditionsveranstaltung schon zum 51. Mal

Seit 1966 gibt es das Winterschwimmen. Ursprünglich wollte die damalige DLRG-Tauchergruppe eigentlich nur ihre Kondition trainieren und die Ausrüstung erproben. Zunächst lediglich als interne Trainingseinheit gedacht, beteiligten sich bald auch Feuerwehr, britisches Militär und die örtlichen Tauchsportvereine am Sprung ins kalte Wasser. Das war die Geburtsstunde des Fackelschwimmens, wie es die Celler heute kennen. „Einmal war es so kalt, da mussten wir vor dem Start das Eis aufschlagen. Da konnte sich dann jeder an einer Eisscholle festhalten und treiben lassen“, erinnert sich Initiator Karl Ströher. „Was aus der ganzen Sache geworden ist, ist toll. Da klopf ich mir mal selber auf die Schulter.“ Er wartete bei der 51. Ausgabe der Traditionsveranstaltung im Ziel auf die Teilnehmer. „Mir blutet das Herz“, sagt er. „Ich bin immer mitgeschwommen, da kommen mir bald die Tränen, wenn ich nur hier stehe und zugucke.“ Neben ihm steht seine Enkelin Pia. Sie hat die Begeisterung für das Winterschwimmen von ihrem Großvater geerbt. „Nächstes Jahr schwimmen wir beide zusammen mit, Opa“, verspricht sie und erntet ein zufriedenes Lächeln von Ströher.

Neoprenanzüge schützen vor Kälte

Währenddessen versammeln sich an der Pfennigbrücke immer mehr Zuschauer. Hanna Zimmerer hat sich gerade einen dampfenden, heißen Glühwein geholt. „Es ist so kalt, ich spüre kaum noch meine Füße“, klagt sie. „Aber mein Bruder schwimmt mit, ich hab ihm versprochen, dass ich hier bin.“ Sie selbst könne sich nicht vorstellen, jemals freiwillig bei diesen Temperaturen schwimmen zu gehen. „Nein, niemals. Mich kriegen da keine zehn Pferde rein“, sagt die Cellerin lachend. Ihre Freundin, die neben ihr steht nickt zustimmend. „Ein bisschen verrückt ist das hier ja schon alles.“ Anders als die frierenden Zuschauer, müssen die Teilnehmer sich nicht vor der Kälte fürchten. „Sie tragen alle Neoprenanzüge mit mindestens sieben Millimeter Dicke“, erklärt Mathias Dannenberg, Pressesprecher der DLRG-Ortsgruppe Celle. „Denen ist wahrscheinlich sogar wärmer als den Menschen, die hier am Ufer warten.“

Frank Schwarz erreicht Ziel zuerst

Als es langsam dämmert, steigt im Ziel allmählich die Spannung. Doch die Ankunft der Schwimmer verzögert sich. Der starke Gegenwind sei wohl der Auslöser, wird unter den Zuschauern gemunkelt. Es ist bereits kurz vor halb sieben, als hinter den Bäumen ein einzelnes Licht auftaucht. Es ist Frank Schwarz aus Lachendorf. Er ist in diesem Jahr der Erste, der am Ziel aus dem Wasser steigt. Die Strapazen der vergangenen eineinhalb Stunden sieht man ihm nicht an. „Ich fühle mich super, es hat großen Spaß gemacht“, sagt er strahlend. „Dann auch noch als Erstes anzukommen, ist natürlich großartig.“ Nach und nach trudeln nicht weniger zufrieden, all die anderen Teilnehmer ein. Unter begeistertem Applaus wird das Wikingerschiff mit tatkräftiger Unterstützung von einigen DLRG-Mitgliedern an Land transportiert. Die dazugehörigen Wikinger freuen sich nun erst mal auf ein heißes Getränk und eine warme Dusche. „Insgesamt mussten nur sechs Teilnehmer vorzeitig aufgeben“, berichtet Mathias Dannenberg. „Das ist doch eine gute Quote.“

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