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Celle Stadt Tränenreicher Abschied an der Tiefkühltruhe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tränenreicher Abschied an der Tiefkühltruhe
13:57 13.06.2010
Karstadt-Lebensmittel macht dicht Roland Hönicke im leeren Geschäft Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

So auch Brigitte Knobb. Wie oft sie hier in der Vergangenheit ihre Einkäufe erledigt hat, kann die rüstige Dame nicht mehr zählen. Seit die heute 82-Jährige 1952 nach Celle gekommen ist, kauft sie im Untergeschoss des Warenhauses ein – gestern zum letzten Mal: „Wir sind alle sehr traurig“, sagt Knobb namens ihrer zahlreichen Altersgenossen, für die Karstadt über Jahrzehnte die erste Adresse in Celles Innenstadt war, wenn es um den Kauf von Lebensmitteln ging. „Man bekam hier einfach alles und das in guter Qualität“, fügt die Seniorin an.

Es ist eine Mischung aus Ärger und Ratlosigkeit, mit der die vorwiegend älteren Kunden am Freitagmorgen an den überwiegend leergefegten Warenregalen im Untergeschoss des Karstadthauses vorbeigehen.

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„Wo sollen wir jetzt einkaufen?“, fragt etwa Ilse Wulkop. Zu Fuß hat die 83-Jährige bisher ihre Einkäufe erledigen können. Wo sie zukünftig ihre kleine Umhängetasche bestücken soll, weiß sie noch nicht. Der Penny-Markt in der Schuhstraße, so sagt die Rentnerin wie viele andere auch, sei „zu eng“ und verfüge zudem längst nicht über das ehemalige Karstadt-Sortiment. „Für uns alten Leute ist das ein Schlag, eine echte Katastrophe.“

Vom dem kulinarischen Vollsortiment ist indes nichts mehr zu erkennen, die Lebensmittelabteilung ähnelt einer Resterampe. „Schleichend“ wurde das Sortiment in den vergangenen Wochen geschrumpft, Stellwände sollten die Blicke auf verwaiste Frischtheken verhindern, „damit den Kunden kein Schlag versetzt wird“, wie Abteilungsleiter Roland Hönicke sagt. Mit vier von einst 20 Mitarbeitern wickelt Hönicke seit September die Lebensmittelabteilung ab – begleitet vom Mit- und Beileid der langjährigen Kunden, die häufig nur mit der Rolltreppe hinabgefahren wären, „um ein Gespräch mit uns zu führen“, wie Hönicke erklärt. Drei der Mitarbeiter seien im „rentennahen“ Alter. Für die 45-jährige Kollegin, die seit 30 Jahren bei Karstadt arbeitet, sieht es hingegen auf dem Arbeitsmarkt düster aus. Alles muss raus. – Damit künftig die Haushaltswaren-Abteilung aus dem Living-Haus im Keller ihren Platz findet. Zu hoch sei Karstadt die geforderte Miete im Nachbarhaus gewesen, Kochtöpfe und Küchenzubehör müssen aus betriebswirtschaftlichen Gründen ihren Standort wechseln.

Längst sind daher die Lager der Lebensmittelabteilung leer, die Köstlichkeiten – etwa das Weinarsenal – auf 15 Filialen verteilt. Um das Inventar wird sich schon in den nächsten Tagen ein Entsorger kümmern: Regale, Theken und Aufsteller werden abgerissen, vier Tage seien für die „Entkernung“ der Lebensmittelabteilung eingeplant. Was am Montag an Waren noch übrig ist, soll der Celler Tafel gespendet werden, wie Hönicke sagt.

●Vollsortiment: Mit der Ansiedlung eines Lebensmittelgeschäfts mit Vollsortiment in der voraussichtlich Ende des Jahres fertig gestellten „Markthalle Celle“ befasst sich der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing während seiner Sitzung am Donnerstag, 24. September, 17 Uhr, Neues Rathaus.

Von Eike Frenzel