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Celle Stadt Unpathetisch und feinsinnig heiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Unpathetisch und feinsinnig heiter
13:37 13.06.2010
Das um ein zweites Cello erweiterte Flensburger Streichquartett mit (von links) Marcus Honegger (1. Violine), Thorsten Mahnkopf (2. Violine), Beate Pflüger (Viola) und Andreas Deindörfer (1. Violoncello) sowie Almut Hendess (2. Violoncello) beim Konzert im Beckmannsaal. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Frenetischen Beifall erhielt das Flensburger Streichquartett – erweitert um ein zweites Cello – nach seinem Konzert im Beckmann­saal, zu dem der Künstlerverein Celle eingeladen hatte. Auf dem Programm standen das Streichquintett op. 25 Nr. 5 von Luigi Boccherini sowie das Streichquintett DV 956 von Franz Schubert.

In einer wohldosierten Mischung aus zarter Anmut und federndem Drive bewies das Ensemble eine exzellente Klangkultur. Ohne jeglichen Kitsch und ohne jede „pseudo“-Emotionalität enthüllte es all die Schönheiten von Boccherinis Tonsprache mit seiner weichen, lyrischen Melodieführung und der durchgängigen rhythmischen Belebung. In gedämpfter Stimmung verflochten sich kunstvoll Motive und Stimmen. Besonders virtuos zeigten sich die konzertierenden Celli, deren feinperlige Figurationen in großartiger Plastizität erklangen. Vor allem das Minuetto bestach durch eine feinsinnig ausgelebte Heiterkeit, welche nicht zuletzt den trefflich ausgeführten Pizzicati zu verdanken war.

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Demgegenüber erwies sich das Streichquintett von Franz Schubert als weitaus „härterer Brocken“. Es gilt zwar als das „schlechthinnige“ Streichquintett, das ein jeder liebt und zu kennen glaubt. Doch die Musiker fanden auch hier ihren sehr eigenen und ganz und gar unpathetischen, von falscher Sentimentalität befreiten Ton. Mit ihrem Gespür für Farbschattierungen – in den Einzelstimmen wie auch im dynamisch höchst ausgefeilten Mit- und Gegeneinander – zeigten sie sich förmlich prädestiniert für Schuberts Seelenanalytik, für das Intime, Zerbrechliche, Melancholische. Etwa im himmlischen zweiten Satz, den sie so zauberhaft schlicht und bescheiden vortrugen, wie man ihn nur sehr selten zu hören bekommt. Gerade hier zeigte sich des Ensembles hohe Kunst, denn kaum etwas ist schwieriger als „Ohrwürmer“ so zu interpretieren, dass sie nicht fad und gefällig erscheinen, sondern immer wieder aufs Neue ihre poetische Tiefe zu ergründen und dem Publikum zu vermitteln. Das ist den fünf Musikern mit Bravour gelungen.

Von Rolf-Dieter Diehl