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Celle Stadt Von Indianern und Insekten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von Indianern und Insekten
06:00 17.06.2019
Von Benjamin Behrens
Werner von der Ohe im Gespräch mit der Geschäftsführerin der Volkshochschule Celle, Liliane Steinke. Quelle: Benjamin Behrens
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Celle

Menschen mit einem interessanten Lebensweg und einer Funktion, die immer auch ein Teil Celles sein sollen – so beschreibt VHS-Geschäftsführerin Liliane Steinke die Kriterien für einen Gast im VHS-Talk. „Wir haben als Bildungseinrichtung gemerkt, dass das Wissen zwar eine ganz wichtige Sache ist, aber das die Bindung zu Menschen eine noch wichtigere Rolle spielt“, sagte Steinke.

Im jüngsten VHS-Talk war Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde Celle zu Gast. Die Idee, Wissensvermittlung mit einem persönlichen Bezug zu verbinden, passt von der Ohe perfekt ins Konzept. Neben der Leitung des Instituts in Celle lehrt der 64-Jährige als Honorarprofessor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

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Besucher sind willkommen

Doch die meisten Celler dürften ihn mit dem in einem Fachwerkhaus am Französischen Garten untergebrachten Institut verbinden. „Manch einer denkt bestimmt, ich bin der Pförtner“, sagt der Institutsleiter und grinst. „Das Fenster steht bis auf die kalten Wintermonate immer offen, man kann gerne kommen und mich ansprechen“, sagte Von der Ohe. Nahbar, offen und für Besucher zugänglich, so soll sein Institut sein. Das gilt nicht nur für menschliche Gäste. „Wir haben Rehe im Institutsgarten, die immer frecher werden“, berichtet von der Ohe.

Bienen-Beobachtung wie in der Quantenphysik

Ausdrücklich auf dem Gelände tummeln sollen sich Bienen. Sie stehen unter Observation durch einen exakten Wissenschaftler: „Wenn ich die Tiere an einen Bienenstock beobachte, weiß ich ja nicht, welchen Einfluss ich selbst dadurch ausübe“, sagt von der Ohe. „Das Phänomen haben wir ja auch in der Quantenphysik: Ich verändere durch meine Messung das ganze System“, so der Naturwissenschaftler.

Köngiginnen-Zucht läuft hervorragend

Manchmal ist Beeinflussung durchaus das Ziel. So zieht die Königinnen-Zucht am Institut Imker auch von jenseits der norddeutschen Grenzen an. „Wir produzieren etwa 3000 Königinnen im Jahr.“ Je nach Nahrung und Versorgung durch die Arbeiterbienen könne sich eine Larve unterschiedlich entwickeln. „In jedem Ei steckt das Potenzial für eine Königin.“ Trotz seiner Ausbildung und Erfahrung, seien solche Vorgänge „bis heute faszinierend.“

Diese Faszination versteht der Honorarprofessor auf seine Zuhörer zu übertragen. Etwa wenn er spontan aufspringt, um unter Einsatz aller Gliedmaßen zu demonstrieren, wie Bienen Waben bauen.

Indianerschmuck besiegelt die Ehe

Vor seinen Studenten rundet meist ein lockerer Spruch den Unterricht ab. Über seinen Namen oder den Schmuck an seinen Händen spricht der Bienen-Kenner seltener. Der Siegelring am Finger ist ein Erbstück des Vaters und verschließt längst keine Dokumente mehr. „Sie können mich gerne aufschneiden, ich habe kein blaues Blut“, so von der Ohe. „Der Schmuck ist von Navajo-Indianern. Ich bin mit meiner Frau viel in der Welt herum gekommen.“ Auch der Ehering ist von Indianern gefertigt, geheiratet wurde in Las Vegas.

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