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Celle Stadt Verborgene Faltenwürfe der Musik aufgespürt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Verborgene Faltenwürfe der Musik aufgespürt
16:51 14.06.2010
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Die einleitenden Suiten-Sätze des mährischen Komponisten Leos Janácek (1854-1928) erwiesen sich als gelungener Einstieg in das Sommerkonzert des CKO. Von Beginn an mussten die Streicher emotional Farbe bekennen. Und mit beachtlicher Klangkultur folgten sie Pohls Bestreben, hochexpressive Stimmungen noch in den verborgensten Faltenwürfen der Musik aufzuspüren, die Emotionen herauszumodellieren und Janácek so bei seinen romantischen Wurzeln zu packen.

Eine neue Art der Virtuosität erlebte das Publikum dann beim Fagott-Concerto in B-Dur von Antonio Rosetti (1750-1792). Dieser entwickelte seinerzeit mit seinem innovativen musikalischen Stil einen interessanten Kontrast zu den klingenden Sprudelbädern des Barock. Und diese wie vom Silberstift gezogene Eleganz schien dem Solisten auf den Leib geschneidert zu sein. Müller baute sogar in die sonst so „nudelnden“ Läufe winzige Artikulationsunterschiede ein und faszinierte mit spielerischen Verzögerungen ebenso wie mit aufgedrehten Tempi. Vital und atmosphärisch dicht klang das und entwickelte sich zu einem tänzerisch inspirierten musikalischen Dialog mit dem Orchester. Dieses untermalte mit geschmeidigen Farben den ausgeglichenen Bariton des singenden Fagotts: filigran feinzeichnend, in dynamischen Extremen piano verhauchend, dann wieder unvermittelt explosiv – man saß auf der Stuhlkante mit gespitzten Ohren, um nur keine Feinheit zu verpassen.

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Schuberts fünfte Sinfonie in B-Dur beschloss das Konzert genauso gefühlvoll wie es begonnen hatte: Zurückhaltend leise, zart im Gestus entfalteten die Violinen das Hauptthema im „Allegro“, warm und weich fließend umschmeichelte das „Andante con moto“ die Ohren des Publikums. Doch Pohl präsentierte dieses „Jugendwerk“ Schuberts keinesfalls als harmloses Probieren eines Jugendlichen, der in gehörigem Respekt zu den „Großen“ sich damals noch nicht richtig traute, sondern als ernstes aufwühlendes Ringen des jungen Komponisten um den persönlichen, symphonischen Ausdruck. Bezeichnend dafür war die Vehemenz, mit der die CKO-Musiker jedes „forte“ angingen, wobei auch noch die kleinste Begleitfigur dreiklangbrechender Violinen atmend dynamisiert wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl