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Celle Stadt Vergiftungsgefahr für Celler Kinder lauert im Alltag
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vergiftungsgefahr für Celler Kinder lauert im Alltag
17:39 26.07.2016
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Arzneimittel, Flaschen, Zigarettenstummel, Tuben, Beeren, Pflanzen und Pilze sind beliebte Fundstücke, die die Kleinen gern mit dem Mund erkunden. Potenziell gefährliche Substanzen sollten deshalb außerhalb der Reichweite der Schützlinge aufbewahrt und mit kindersicheren Verschlüssen versehen werden. Zahnpasta, Zigaretten und Paracetamol können, für Kinder in großen Mengen zu sich genommen, hochgefährlich sein, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen.

Auch in der Kinderklinik des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle werden jedes Jahr Vergiftungsfälle stationär behandelt. Im ersten Quartal 2016 wurden neun Fälle, im Jahr 2015 insgesamt 14 und im Jahr 2014 sogar 30 behandelt, berichtet Daphne Ravens von der Pressestelle des AKH.

Die behandelten Vergiftungen hatten unter anderem nicht näher bezeichnete Arzneimittel oder Drogen wie Ecstasy zur Ursache, aber auch 4-Aminophenol-Derivate wie Paracetamol seien Ursache für auftretende Vergiftungen, teilt Sven Engel vom Fachbereich Kodierung/Medizincontrolling des AKH mit.

Paracetamol ist ein gängiges Arzneimittel, das Kindern bei Schmerzen und Fieber verabreicht wird. Bei einer Überdosierung kann es für Kinder lebensbedrohliche Folgen haben. Eltern sollten Paracetamolzäpfchen genau dosieren und aufpassen, dass nicht versehentlich ein Zäpfchen doppelt, in zu kurzen Dosierungsabständen gegeben oder ein höher dosiertes Zäpfchen genommen wird, sagt die Apothekerkammer Niedersachsen. Das Vergiftungsbild entwickelt sich schleichend, mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Doch bei einer zu hohen Paracetamoldosis nimmt die Leber Schaden, in schweren Fällen kann sogar ein Leberversagen drohen. Bei Verdacht auf eine Paracetamolvergiftung muss das Kind unbedingt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Auch Zahnpasta ist nicht zu unterschätzen, problematisch ist ihr Fluoridgehalt. Das Spurenelement Fluor benötigt der Organismus zum Aufbau von Knochen und Zähnen. Wer zu viel Fluorid zu sich genommen hat, wird schnell Vergiftungserscheinungen verspüren. Bereits bei 100 Milligramm reagiert der Körper mit Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen, aber auch Herz-Kreislauf-Symptome können auftreten. Kleinkind-Zahnpasta hat einen geringeren Fluoridanteil und verursacht meist nur Bauchschmerzen, wenn eine große Portion aus der Tube zu sich genommen wurde. Ebenso können sich Kinder an Zigarettenstummeln vergreifen, die Übelkeit, Erbrechen, Zittern, Unruhe, Blässe und Durchfall auslösen. Vergiftungen äußern sich meist unspezifisch durch Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder Kopfschmerzen bis hin zu Bewusstseinstrübungen. Zeigen Kinder trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Vergiftungsanzeichen, sollte der Giftnotruf unter Telefon (0551) 19240 verständigt werden.

Ein Großteil der Vergiftungsunfälle lässt sich verhindern, wenn Kinder die gefährlichen Substanzen erst gar nicht in die Hände bekommen. Eltern und Haushalte, in denen häufiger Kinder zu Besuch sind, sollten Medikamente und Chemikalien verschließen und sie dort aufbewahren, wo Kinder auf keinen Fall hinreichen können. Giftiges sollte nie neben Nahrungsmitteln aufbewahrt oder in Lebensmittelbehälter abgefüllt werden. Einkaufs- und Handtaschen, in denen sich Zigaretten, Parfüm, Medikamente oder Haushaltschemikalien befinden, sollten nie unbeaufsichtigt in Reichweite von Kleinkindern stehen.

Von Jessica Poszwa