Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Vielseitig, aber wenig innovativ
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vielseitig, aber wenig innovativ
14:37 13.06.2010
40 Jahre Amateurmalkreis Celle – anlässlich dieses Jubiläums werden in der Alten Exerzierhalle am Neuen Rathaus Arbeiten von 23 Mitgliedern gezeigt. Quelle: Aneka Schult
Anzeige
Celle Stadt

Lobend sprach Celles erster Bürgermeister Udo Hörstmann vom Miteinander von Kultur und Stadt. Wolfgang Richter, Vorsitzender des Amateurmalkreises Celle rekapitulierte ein wenig die Historie, erinnerte an die Gründungsmitglieder, an Aufs und Abs vergangener Jahre und an mittlerweile 30 Gemeinschaftsausstellungen, so im Clemens-Kassel-Haus, in der Ross’schen Villa oder wie aktuell in der Alten Exerzierhalle am Neuen Rathaus.

Insgesamt kommt die Jubiläumsausstellung „40 Jahre Amateurmalkreis Celle“ relativ unspektakulär daher. Viele der 23 gezeigten Positionen – seien sie künstlerischer, experimenteller oder disziplinierter Art – ziehen Besucher nur bedingt aufgrund aufregender Statements an. Zwischen Blumen- und Landschaftsaquarellen, die in ihrer handwerklichen Qualität variieren, Porträts, abstrakten Annäherungen, Materialbildern oder etwa den wenig innovativen Motiven beispielsweise nach Franz Marc – fordern fast nur die Werke von Ilsabé Prinzhorn als der jüngsten Teilnehmerin zu einer Bildbefragung auf. Dies liegt am gesellschaftskritischen Gehalt ihrer Präsentationen, die teilweise im Rahmen von Ausschreibungen entstanden sind, wie das anspielungsreiche Acrylbild „gutes Amerika, böses Amerika“, das Ölbild „vom allgemeinen wirklich wissen“ oder „Ikon“. In künstlerisch-handwerklicher Hinsicht dürfen auch sie noch einige Wege gehen. Die künstlerische Professionalität kann natürlich in einem Amateurmalkreis kaum maßgebend sein. Wie Richter einleitend erklärte, stecke jedoch im Begriff „Amateur“, der erst im 19. Jahrhundert seine Negativkonnotation erfuhr, durchaus das Wörtchen „Amore“, und eine Tat aus Liebhaberei sei auch eine ehrlich erbrachte.

Anzeige

Den einen faszinieren nun Naturimpressionen wie Herta Wollesen, die sich in unaufdringlichen Aquarellen mitteilt oder detailaufwendige Collagen wie Martin Hock. Dietrich Ungerer liebt die narrative Genauigkeit und das illustrative Moment, während sich Esperanza Ungerer im großen Gestus verliert und RoseMarie Siegmund sehr weiblich das Medium ausprobiert. Christa Schröder nähert sich mit „Veränderung Obama“ verhalten der Politik, zieht ansonsten aber südländische Blumenidyllen vor. Naturgefühle wecken die Ölbilder „Es dunkelt schon in der Heide“ und die Acryl-„Winter-Romantik“ von Karin Schmolke. Auch ihre kleine Barockkirche, ein Aquarell, kommt anrührend daher. Asiatisch flüchtig wirken die Mischtechniken von Tala Wiechers-Stallbaum. Humorvoll nimmt sich Waltraud Nopper der Motive an, wie allein die Titel „Abgefahrene Federkleider“, „Der schöne Renato“ oder „König der Misthaufen Pierre“ beweisen. Lotti Fischers „Dschungel“ in Encausting oder die „Komposition mit Klöppelspitze“ zeugen von Experimentierfreude. Still aber äußert sich ihr Aquarell „Am Strand“. Andere Ausstellungspositionen erzählen von coolen Männern und großer Kunst – Kleineres aber kommt meist heraus.

Dem im Frühjahr verstorbenen Otto Freese wird ebenfalls gedacht. Markant sind seine individuelle Farb- und Formensprache. Erlebtes Gefühl spiegeln Wolfgang Richters Aquarellstudien, seine „Unstrut bei Laucha“, Frauenkirchenaquarelle oder eine Federzeichnung, auch Ewald Juretzkis „Land-Geschichten“ sowie Rolf Schapers „Herbstliches Moor“ oder die Ölbilder „Weg mit Birken“ und „Italien“.

●Öffnungszeiten: Zu sehen in der Alten Exerzierhalle am Neuen Rathaus bis zum 26. Juli, montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr. Das Künstlerge-

spräch findet am Sonntag, 19. Juli, von 14.30 bis 16.30 Uhr statt.

Von Aneka Schult