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Celle Stadt Vom Kopf auf die Füße
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Kopf auf die Füße
13:21 13.06.2010
Von Klaus Frieling
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Celle Stadt

Lange erschien es den politischen Akteuren in Deutschland nicht opportun, von einem „Krieg“ zu reden, wenn es um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ging. Zu stark war bei der Suche nach den erforderlichen Mehrheiten die Anti-Kriegs-Fraktion. Für Brückenbau und Brunnenbohren aber braucht es keine schweren Waffen, heißt die sich daraus ergebende fatale Logik: Während dänische und kanadische Truppen mit dem deutschen „Leopard“ vor Ort über eine schlagkräftige Waffe verfügen, hat die Bundeswehr am Hindukusch keine Kampfpanzer stationiert. Auch der von den Franzosen bereits eingesetzte Kampfhubschrauber Tiger wird auf deutscher Seite bislang nur in der Lüneburger Heide geflogen.

Und fehlt damit den Einsatzkräften in der Region, die gemäß offiziellem Vokabular noch immer nicht als Kriegsgebiet bezeichnet werden darf. Opfer dieser schwerwiegenden Selbsttäuschung sind die Soldaten, die mit der Realität am Hindukusch konfrontiert sind. Wer aber Militärangehörige auf lebensgefährliche Mission schickt, muss sie optimal ausbilden und bestmöglich ausstatten – alles andere wäre verantwortungsloses Handeln.

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Der Tod der drei am Karfreitag gefallenen deutschen Soldaten ließ Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von „Krieg“ reden. Er hat damit ein Tabu gebrochen. Haben sich Regierung und Bundestag bislang verbal gewunden, so muss die politische Diskussion um das deutsche Engagement am Hindukusch nun vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Ja oder Nein zum Kriegseinsatz? Die deutschen Soldaten jedenfalls dürfen nicht länger Figuren in einem unwürdigen Eiertanz sein. Sie haben ein Recht auf gute Ausrüstung.