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Celle Stadt Vom Landwirt zum Schulleiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Landwirt zum Schulleiter
19:50 04.07.2011
Von Gunther Meinrenken
Hans-Heinrich Thies Schulleiter RS Burgstraße geht in Ruhestand Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

1967 hatte Thies den elterlichen Hof in Höfer übernommen. Zu einer Zeit, als sich die Landwirtschaft rapide hin zur Industrialisierung veränderte. „Ich habe durchgerechnet, was mit dem Hof wird." Ergebnis: Entweder massiv investieren oder aufhören. Dass Thies sich am Ende für letzteres entschieden hat und die Flächen verpachtete, lag auch an den bewegten Zeiten. „Es waren die 68er, das bekam ich jeden Abend in den Nachrichten mit, doch ich saß auf meinem Trecker. Ich hatte das Gefühl, da geht etwas an mir vorbei", meinte Thies.

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Hinzu kam der Wissensdurst. „Ich hatte den Drang zur Fortbildung. Gelesen habe ich immer schon sehr viel. Mein Traumberuf war Astro- oder Teilchenphysiker", sagte Thies. Doch da gab es ein kleines Problem. Der Landwirt Thies hatte kein Abitur. Glücklicherweise wurde ihm die Möglichkeit eröffnet, an der Pädagogischen Hochschule Niedersachsen eine Aufnahmeprüfung für Nichtabiturienten zu machen, die Thies, bei dem eine Hochbegabung festgestellt wurde, ohne Mühe meisterte.

„Damals war mein Ziel, nach dem Abschluss Physik studieren zu können. Doch nach zwei, drei Semestern habe ich gemerkt, dass der Lehrerberuf unheimlich spannend und genau mein Ding ist", sagte Thies in der Rückschau. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden, ohne jede Einschränkung. Der Umgang mit Menschen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist das, was mein Leben prägt."

In Nienhagen trat Thies 1975 in den Schuldienst ein. Weitere Stationen in Lachendorf, Westercelle und Eschede, wo er die Leitung der Orientierungsstufe übernahm, folgten. Von 1985 bis 1989 war Thies Rektor der OS Bergen. Dann kam er als Schulleiter an die Realschule Burgstraße und wirkte dort bis heute.

Als größte schulische Besonderheit in dieser Zeit bezeichnet Thies die Umwandlung der Realschule in eine teilgebundene Ganztagsschule. „Wir haben früh angefangen, programmatisch zu arbeiten. Der Ansatz, den ich dabei verfolgt habe, war: Schule heißt, Miteinander leben", meinte Thies. Erstaunlich: Neben der Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter fand Thies auch noch Zeit, sich anderweitig zu engagieren. So arbeitete er von 1994 bis 2009 im Vorstand des Schulleitungsverbandes Niedersachsen als Geschäftsführer, ab 2005 auch als stellvertretender Vorsitzender.

Im Ruhestand will Thies, der zwei Töchter hat, mit seiner Frau Johanna, die auch in den Ruhestand geht, reisen. Am meisten freut ihn allerdings, dass er wieder mehr Zeit finden wird, seinen Wissensdurst zu stillen. „Ich werde ganz viel lesen", meinte er.