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Celle Stadt Vom Leben und Plattsnacken
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Leben und Plattsnacken
16:46 14.09.2018
Quelle: Doris Hennies
Celle

CELLE. „Eigentlich sollte ich jetzt mal was aus meinem Buch vorlesen“ – ein Satz, den die zahlreichen Fans von Yared Dibaba am Mittwochabend in der Buchhandlung Decius beinahe ein Dutzend Mal zu hören bekamen (natürlich auf Platt, denn der bekennende Plattdeutsch-Liebhaber hat die gesamte Veranstaltung hindurch Platt geschnackt). Aber irgendwie ist er dann immer wieder von den Zeilen aus „Ünnerwegens“ abgekommen. Stattdessen gab es Fragen, Antworten und viele Geschichten über persönliche und gehörte Erlebnisse. Die Fans im übervollen Obergeschoss – die Lesung war seit Wochen schon ausverkauft – nahmen es mit Humor. So dicht dran am Leben des Entertainers, Moderators und Autors Yared Dibaba kommt man durch bloßes Vorlesen nicht.

Nicht jeder der Anwesenden, die glücklich eine Karte ergattert hatten, spricht tatsächlich auch Platt. Von denen, die es können, nutzten viele die Gelegenheit mit diesem Mann, der – ein bisschen exotisch – aus Äthiopien kam, um im Norden seine Liebe zu dieser vom Aussterben bedrohten Sprachen zu entdecken – solidarische Nähe aufzubauen – zumindest verbal. Tatsächlich hat es kaum eines ersten Satzes bedurft und schon war man beim verbindenden Du. Is halt so auf Platt. Und einer gefühlten Massenverbrüderung – wir halt aus dem Norden.

Nur kurz ist dabei aufgefallen, der der sympathische, so locker und selbstbewusst auftretende Mann da vorne am Pult anderer Hautfarbe ist. Damit hat auch er kein Problem: „Ich bin schwarz“ klärt er auf – das sei nicht zu übersehen und hindere ihn daran weder rot noch blass zu werden. Das mit dem „maximalpigmentiert“ halte er für Quatsch und bei „farbig“ denke er eher an Kriegsbemalung. Also das wäre das. Und weil man mal schon bei Definitionsproblemen war, schob Dibaba gleich noch seinen grundsätzlichen Unmut gegen die anwachsenden Anglizismen in der deutschen Sprache nach.

Allerdings: „Plattdeutsch ist international!“ – und wird das nicht gleich glaubt, dem erzählt er Geschichten über seinen Urgroßvater aus dem Omotal und den unglaublichen Begegnungen auf seinen Reisen für den NDR, auf Suche nach „Plattsnackern“ rund um die Welt. Nach einem Exkurs über „Flüchtlinge“ (den Begriff mag er nicht – den ordnet er eher Zechprellern, Karnevalmuffeln und Steueroasennutzern zu – und ersetzt ihn durch Vertriebene) und besserwissernde „Klogschieter“ kommt er auf sein Uranliegen zurück: Die Rettung und Ehrerbietung der plattdeutschen Sprache. „Ich liebe diese Sprache – die beste der Welt“. Lesen könnten die Menschen ja selbst – und zu hören gibt’s jetzt die erste CD.

Von Doris Hennies

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