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Celle Stadt Wann kommen die Spinner zu uns nach Celle?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wann kommen die Spinner zu uns nach Celle?
17:04 12.06.2018
Von Michael Ottinger
Quelle: dpa/Montage: CZ
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Celle Stadt

Wie im vergangenen Jahr tritt er besonders häufig im Raum Gifhorn auf. Weiterhin sind die Insekten deutlich häufiger als noch 2017 in den Landkreisen Braunschweig, Wolfsburg und Peine gesichtet worden. Im Celler Land sind sie bisher nur vereinzelt aufgetaucht. Aber: "Überall, wo Eichen sind, kann auch der Eichenprozessionsspinner sein", sagt Mathias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten (NLF).

Dass der Landkreis Celle bislang von einer größeren Invasion der giftigen Plagegeister verschont blieb, stellt den NLF-Sprecher vor ein Rätsel. "Das ist Glück oder Zufall", sagt er. Denn eigentlich spräche zurzeit alles dafür, dass die Raupen vom Kreis Gifhorn aus auch den Weg ins Celler Land finden.

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Denn die kleinen Kriecher mögen es warm. „Der Eichenprozessionsspinner ist eindeutig ein Gewinner des Klimawandels“, sagt Aßmann. Die anhaltende, frühsommerliche Wärme sorgt derzeit für ideale Lebensbedingungen und eine starke Verbreitung. "Somit sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Raupen auch in größerer Stückzahl nach Celle kommen", ist sich der Forstexperte sicher. Bis dahin bleibt das Bild von kahlen Baumkronen und gespensterhaft verhangenen Ästen, durch Raupenbefall, vorerst die Ausnahme.

Der Landkreis Celle hat das Thema angesichts der Entwicklung in den umliegenden Kreisen auf der Agenda, erklärt Landkreissprecher Tore Haremening. Doch auch bei der Behörde sind bisher nur vereinzelte Meldungen über gefundene Nester eingegangen. "So wurde zuletzt am 5. Juni an einer Kreisstraße ein Gespinstnest gesichtet und bei genauerer Betrachtung auch die Raupen mit den Brennhaaren darin gefunden", so Harmening.

Der Fund wurde durch die Kreisstraßenmeisterei auf einer Eiche an einem freien Streckenabschnitt zwischen den Orten Hohne und Spechtshorn gemacht. „Einen Radweg gibt es dort nicht, sodass eine direkte Gefahr für einzelne Personen gering war. Es wurden aber trotzdem Warnschilder aufgestellt und das Nest wurde an diesem Montag entfernt“, berichtet Harmening.

Die Raupen ernähren sich vom Laub der Eichenbäume. Knabbern sie zu häufig an einem Baum herum, ohne dass zwischendurch frisches Grün nachwachsen kann, sterben die Eichen ab. Doch nicht nur für Bäume ist das Tier eine Gefahr. Die feinen Gifthärchen der Raupen können bei Kontakt zu Hautjucken, Atemnot oder einem allergischen Schock führen.

Um dem zu entgehen, sei es wichtig, sich von den Raupen und ihren Nestern fernzuhalten, rät Amtsarzt Carsten Bauer. "In der Nähe von befallenen Bäumen sollte man sich nicht ins Gras oder auf den Boden setzen. Auch das Mähen der Wiese unterhalb der Baumkrone oder das Laubharken sollte vermieden werden."

Kommt man dennoch mit Raupenhaaren in Kontakt, sollte man sofort die Kleidung wechseln und sich gründlich waschen. "Die Reinigung der kontaminierten Kleidung sollte in der Waschmaschine bei mindestens 60 Grad erfolgen", so Bauer. Dies führe zur Zerstörung des in den Haaren enthaltenen Gifts. Im Notfall sollte man aber einen Arzt aufsuchen. Vor allem, wenn Haare in die Augen gelangt sind.

Eichenprozessionsspinner schlüpfen im April und Mai. Auf der Nahrungssuche bewegen sie sich hinter- oder nebeneinander her und bilden so die namensgebende Prozession.