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Celle Stadt Service im Schneckentempo
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Service im Schneckentempo
08:00 18.05.2019
Von Michael Ende
Die Zeit, in der es beim Bürgerservice im Neuen Celler Rathaus im Schneckentempo voran ging, soll bald vorbei sein. Eine Entspannung der Lage sei "in Sicht", heißt es. Quelle: Kay Nietfeld
Celle

Mal eben "einfach so" ohne Voranmeldung etwas im Celler Rathaus erledigen – das konnte man jahrzehntelang. Seit 15 Monaten nicht mehr. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde nämlich die Online-Terminvergabe im Bürgerbüro des Neuen Rathauses eingeführt. Seitdem gucken Bürger, die spontan etwa einen Pass verlängern wollen, in die Röhre. Stattdessen ist Warten angesagt. Zum Teil monatelanges Warten. Wer als Bürger nicht so viel Zeit hat oder mit den neuen Terminvergabe-Modalitäten nicht zurechtkommt, ist sauer – verständlicherweise: Wenn es schnell gehen muss, kann einen Schneckentempo zur Weißglut bringen. Das hat nach vielen Protesten nun auch die Stadt Celle eingesehen: Sie will ihren Service beschleunigen. Das dauert aber noch. Und ob dann alles so fix wie früher geht, muss sich erst noch zeigen.

"Soll das so sein?"

Friedrich Krull hat versucht, einen Termin zu bekommen, um einen Reisepass zu beantragen. Er kann kaum fassen, wie lange das dauern soll: "Der nächste mögliche Termin ist in zehn Wochen. Soll das so ist sein?"

Zweieinhalb Monate Wartezeit

Houschang Safai wollte seinen Reisepass verlängern lassen. "Ich habe für diese an sich schnell zu erledigende Mini-Formalität einen Termin in zweieinhalb Monaten bekommen", staunt er: "Das kann doch nicht sein." Safai wollte im September in ein Land reisen, das von Touristen einen mindestens drei Monate gültigen Pass verlangt: "Da wollte ich rechtzeitig ins Rathaus – aber das kann ich nun wohl abhaken." Safai war früher Arzt: "Damals hatte ich täglich eine Stunde Sprechzeit für Menschen ohne Vorabmeldung. Etwas Ähnliches müsste doch auch im Rathaus möglich sein."

Spontan geht gar nichts

Thomas Potempa hatte festgestellt, dass sein alter Personalausweis seit einiger Zeit abgelaufen ist. "Na gut, kann passieren, sollte natürlich nicht. Also nichts wie los, um einen neuen zu beantragen." Doch im Bürgerbüro ging gar nichts: "Denn ich hatte ja keinen Termin. Also bin ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause, um einen Termin online zu vereinbaren." Per Internet hatte Potempa Erfolg – zufrieden ist er nicht: "Der erste freie Termin ist erst Ende Juli zu finden. Das fühlt sich echt krank an." Der Bürger wünscht sich die alten Zeiten zurück: "Wenn ich bedenke, wie das früher war: Zum Rathaus gehen, ins Bürgerbüro setzen, vielleicht etwas warten, wenn man zur falschen Zeit kam, und schließlich den Antrag mit einen freundlichen Mitarbeiter des Rathauses fertigstellen. Und heute? Da ist wirklich ein qualitativer Unterschied zu sehen, aber keine Verbesserung zu mehr Service am Bürger." Das heutige Verfahren sei vielleicht aus Sicht der Verwaltung effektiver und kostengünstiger, aber mehr „Dienst am Bürger und für den Bürger“ sehe Potempa nicht: "Eher das Gegenteil scheint mir hier eingetreten zu sein."

Zwei Warte-Wochen als Ziel

Soll es wirklich so sein, dass Bürger zehn Wochen auf Termine warten, um dann Dinge zu erledigen, die in fünf Minuten durch sind? Ist das so gewollt? Soll das jetzt immer so bleiben? Im Celler Rathaus schüttelt Pressesprecherin Myriam Meißner den Kopf. Sie verweist darauf, dass man auch in Hannovers Bürgerämtern einen Monat auf einen Termin warten müsse: "Leider ist auch in Celle die Vorlaufzeit für einen Termin im Bürgerbüro derzeit unbefriedigend lang. Es ist aber eine Aufstockung des Personals in Sicht und damit wird sich die Lage auch hier wieder etwas entspannen." Ziel ist es, den Terminvorlauf auf zwei Wochen zu reduzieren, so Meißner: "Wenn es denn aber doch ganz dringend ist und die Ummeldung oder der Personalausweis schnellstmöglich erledigt werden muss, dann reagieren wir im Bürgerbüro auch sofort. Im Notfall geht es auch ohne Termin, dann ist allerdings mit Wartezeit im Neuen Rathaus zu rechnen."

Bürger hoffen auf Verbesserungen

Thomas Potempa hofft jetzt nur, dass er nicht auch noch für das Abholen des Personalausweises einen Termin vereinbaren muss: "Denn dann hätte das Erneuern meines Personalausweises noch einmal drei Monate Wartezeit zur Folge und ich wäre erst im November 2019 stolzer Besitzer eines neuen Ausweises."

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