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Celle Stadt Historischer Fehlkauf oder Chance?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Historischer Fehlkauf oder Chance?
18:00 23.04.2019
Von Michael Ende
Zukunft im Dunklen: Seit zehn Jahren besitzt die Stadt nun schon die Rathsmühle. Was sie damit anfangen soll, weiß sie immer noch nicht. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

An eine "historische Fehlentscheidung" erinnern die Freien Demokraten im Celler Stadtrat. Vor zehn Jahren hat der Rat den Ankauf der Rathsmühle vom Land Niedersachsen beschlossen. FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen hatte 2009 vor dem Ankauf gewarnt und ihm nicht zugestimmt. Heute sprechen auch manche, die damals zugestimmt haben, von einem Fehler. Was aus der Mühle werden soll, ist ungewiss.

Ohne Konzept und Kostenberechnung

Rund 2,6 Millionen Euro hatte die Stadt für die Mühle ausgegeben. Die Instandsetzung der Wasserkraftanlage, die so laut ist, dass eine Nutzung des Gebäudes vielen unmöglich erscheint, kostete weitere 600.000 Euro. Mögliche Umnutzungen hätten nach Auskunft der Verwaltung Kosten von bis zu 9 Millionen Euro erfordert, sagt Falkenhagen: "In den hinter uns liegenden Jahren hat uns dieses Gebäude nur Geld gekostet: Hätten wir nicht gekauft, wäre das klüger gewesen, weil das Land dann für Pflege und Unterhaltung verantwortlich gewesen wäre." Der Fehler sei gewesen, dass die Anlage ohne jegliche tragbare Nutzungsüberlegungen und ohne Folgekostenabschätzung gekauft worden sei.

"Hinterher ist man immer schlauer"

Das räumt heute auch CDU-Fraktionschef Heiko Gevers ein: "Hinterher ist man immer schlauer als vorher – diese alte Weisheit trifft natürlich auch für den Erwerb der Rathsmühle und die zu erwartende positive Entwicklung zu." Die positive Einschätzung des Deals seitens der Verwaltung habe 2009 zum Kauf geführt, gegen den es im Rat übrigens keine Gegenstimme gegeben habe, so Gevers. Heute wolle man die Mühle loswerden: "Im April 2016 erkundigte sich die CDU nach dem Stand der Verhandlungen zum Verkauf der Rathsmühle und erhielt von der Verwaltung die Auskunft, dass im Sommer des Jahres 2016 ein Vorschlag für die zukünftige eigene Nutzung oder für einen Verkauf unterbreitet werden solle." Gevers: "Dem Wechsel an der Verwaltungsspitze fiel dann auch der angekündigte Vorschlag zum Opfer."

Stadtwerke oder WBG einschalten

SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer verweist auf die Chancen, die die Mühle biete: "Da wir als Stadt mit der WBG und den Stadtwerken zwei starke Partner an unserer Seite haben, lässt sich sicherlich sehr viel Sinnvolles mit der Liegenschaft entwickeln. Es bietet sich an, zu prüfen, ob Stadtwerke und WBG im Rahmen eines Kooperationsprojektes hier nicht gemeinsam in die Bewirtschaftung gehen. Er denke an Praxen, Büros und Cafés, so Brammer: "Es wäre ein zukunftsträchtiger Schritt, diesen Stadteingangsbereich neu zu organisieren. Der Verkauf an einen privaten Investor würde uns als Stadt die Möglichkeit nehmen, hier selbst im Rahmen des Umbaus der Allerinsel und des Neumarktes gestalterisch tätig zu sein."

Verkauf an Stadtwerke als Option

Auch Grünen-Fraktionsspitze Bernd Zobel erinnert daran, dass die Rats-FDP seinerzeit nicht für, aber auch nicht gegen den Kauf gestimmt habe. Die Grünen hätten bereits 2012 für einen Verkauf der Mühle an die Stadtwerke plädiert: "An dieser Empfehlung hält die grüne Fraktion auch 2019 noch fest." Es sei Sache der Verwaltung, Vorschläge zu machen. Das findet auch Unabhängigen -Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann: "Vielleicht wäre das etwas für die Stadtwerke."

Findet Nigge einen Investor?

„Wenn sich ein Interessent nicht findet, dann muss über kurz oder lang in das Gebäude investiert werden, um es nicht verkommen zu lassen. Zumindest Fenster und Außenhaut müssten erneuert werden – und das kostet wieder viel Geld. Geld, das wir nicht haben“, so Falkenhagen, dessen Verkaufs-Forderung von der AfD unterstützt wird. Er würde es "großartig" finden, wenn Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) ähnlich wie beim Haus "Goldene Sonne" auch für diese "Altlast" einen Investor finden würde.

Galliger Witz über Dauer-Fehlerparty

Auf das zehnjährige Mühlen-"Trauerspiel" reagiert Torsten Schoeps (WG) mit galligem Humor: "Wo kommen wir den hin, wenn wir jetzt auch noch dazu übergehen, Jubiläumsfeierlichkeiten zu historischen Fehlentscheidungen auszurichten?" Das liefe auf ein ganzjähriges Volksfest hinaus, so Schoeps: " Und das wäre doch allein aus Marketing- und Tourismusgründen schon wieder eine hervorragende Idee."

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