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Celle Stadt Weniger könnten mehr sein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weniger könnten mehr sein
14:58 13.06.2010
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Celle Stadt

Den Titel „Exportweltmeister“ haben wir zwar an China verloren. Wenn es jedoch darum geht, einen Arzt aufzusuchen, macht uns Deutschen so schnell niemand etwas vor – koste es, was es wolle. Alle Gesundheitsreformen und selbst die umstrittene Praxisgebühr vermochten nicht zu verhindern, dass es wegen der Vielzahl der Patienten in immer mehr Praxen zunehmend stressig wird für den Doktor und seine Mitarbeiterinnen. Sicher sind viele Besuche beim Arzt gar nicht nötig. Der Friseurstuhl wäre erheblich günstiger, wenn es vor allem darum geht, Neues zu erfahren oder selbst Neuigkeiten zu verbreiten. Im Lichte dieser Entwicklung die Patienten einfach mit einer noch höheren Praxisgebühr über den Geldbeutel zu disziplinieren, wäre aber zu einfach. Denn das träfe einmal mehr auch jene unter den Patienten, die wirklich richtig krank sind.

Appelle an Vernunft und Verantwortung des Einzelnen sind zwar oft fruchtlos, sollten aber dennoch nicht unversucht bleiben. Einsicht beim Patienten kann aber nur dann wachsen, wenn er erfährt, was sein Besuch beim Arzt die Krankenkasse tatsächlich kostet. Auch an diesem Punkt lässt sich die Zweiklassen-Medizin in unserem Land festmachen: Der Privatpatient erhält vom Arzt eine Rechnung, bezahlt sie und bekommt das Geld dann von seiner Krankenkasse zurück. Er weiß also am Ende, welche Kosten er verursacht hat. Die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen erfahren dies in der Regel nicht oder nur bedingt, wenn sie privat dazubezahlen müssen. Allein dieses Verfahren zu ändern, könnte sich lohnen, wenn als Folge die Patienten sich vorher dreimal überlegen, ob ein Besuch beim Arzt wirklich nötig ist oder nicht.

Von Hans-Jürgen Galisch