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Celle Stadt „Wenn Ihr Spaß habt, teilt’s Eurem Gesicht mit“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Wenn Ihr Spaß habt, teilt’s Eurem Gesicht mit“
13:41 13.06.2010
Etwas viel Macho-Gedöns: Obwohl viele von Heinz Grönings Gags nicht mehr taufrisch waren, kam der Kölner Comedian beim Celler Publikum bestens an. Quelle: Peter Bierschwale
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Heinz Grönings neues Programm „Manche Mögen’s Heinz“ wirkte von Beginn an recht professionell gestaltet und bot reichlich Abwechslung. Der Comedian ist auch ein ganz ordentlicher Gitarrist mit einer guten Stimme, so dass er phasenweise auch den „Liedermacher“ mit eigenen Stücken gab.

Die Halle 16 der CD-Kaserne war praktisch ausverkauft, und Gröning gelang es mit einigen geschickten Gesten sogleich, dem Publikum die Tränen vor Lachen in die Augen zu treiben. Manchmal säßen in den ersten Reihen Leute mit recht griesgrämigen Gesichtern, meinte der Kölner Comedian, das passe doch aber nicht zu so einer Veranstaltung. Deshalb forderte er das Publikum auf: „Wenn Ihr Spaß habt, dann teilt das Eurem Gesicht mit.“ Er selbst sei ja schließlich auch gut gelaunt, denn: „Ein Komiker mit schlechter Laune ist wie tierischer Hunger auf Salat.“

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Nicht ohne Selbstironie, aber auch etwas kokett bezeichnet sich Gröning als „sensiblen Poeten im Körper eines Lkw-Fahrers“, aber die von ihm vorgetragenen Gedichte hatten eher weniger mit „Poesie“ zu tun als mit Knittelversen, deren Erheiterungseffekt darin bestand, sämtliche Zeilen mit „-ocke“ oder „-atte“ enden zu lassen, was beim Publikum nicht zu Unrecht die Erwartung erzeugte, zotige Verse zu hören. Geschickt spielte Gröning mit diesen Erwartungen und ließ sein Publikum hier und da gekonnt ins Leere laufen.

Gröning zeigte handwerklich gut gemachte Comedy, doch Themen und Gags können nicht mehr wirklich mitreißen: Die Welt des „Heinz“ besteht aus der Männer-Schublade „fleischgewordenes Testosteron“ und den hübsch-blöden Kassiererinnen auf der anderen Seite, die partout ihre Telefonnummer nicht rausrücken wollen. Oder über reifere Frauen: „Familie aufgebaut, Figur versaut: Orangenhaut.“ Dieses Macho-Gedöns ist längst ausgereizt. Und der gockelige Gang zu Gitarre oder die Aufforderung ans Publikum, lustvoll „Heeiinz“ zu hauchen wirkten etwas breitgetreten, nachdem sie Gröning schon in früheren Programmen gebracht hatte.

Von Peter Bierschwale