Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Wladimir Kaminer hinterlässt Fragezeichen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wladimir Kaminer hinterlässt Fragezeichen
16:51 06.12.2018
Wladimir Kaminer stellte Auszüge aus seinem neuen Buch vor. Quelle: David Borghoff
Celle

Hat er zu viele Kreuzfahrten unternommen? Immerhin waren es vier an der Zahl. Ist die Trägheit solcher Puschen-Events auf ihn abgefärbt? Sind die Kinder zu erwachsen, um noch Stoff für lustige Wortbeiträge zu bieten? Für Fragen im Kopf ist viel Raum während der Lesung von Wladimir Kaminer am vergangenen Mittwochabend in der CD-Kaserne.

Viele alte Geschichten

Die Geschichten, ob gelesen oder frei erzählt, die der Schriftsteller seinen 274 neugierigen Zuhörern vorträgt, erfordern nicht deren volle Aufmerksamkeit. Wer die Karriere des Autors und Kolumnisten ein wenig verfolgt hat, kennt einen Großteil seiner Schilderungen bereits. Von dieser Art der Zusammensetzung des Publikums geht er aus. „Wo waren wir stehengeblieben? Vor zwei Jahren war ich zuletzt hier. Waren Sie auch da?“, bedient er sich fast aufs Wort des gleichen Auftakts wie bei jener Gelegenheit. Und weil’s so schön war, schreibt er die Story nicht fort, sondern liefert bekannte Inhalte mit Verweis auf die Bücher, denen sie entnommen sind, noch einmal: der Garten, der aufgrund spontaner Vegetation abgegeben werden musste, die Flüchtlinge, die alles Gewohnte an seinem Zweitwohnsitz, einem Dorf in Brandenburg, durcheinanderwirbelten, um sich anschließend in die große Kleinstadt Cottbus zu verabschieden, seine beiden Kinder, die schon als Schüler mit dem Thema Zuwanderung in Berührung kamen. Von längst der Vergangenheit angehörenden Zuständen, als Berliner Turnhallen Menschen aus aller Welt beherbergten, berichtet der Bestseller-Autor.

Abenteuer auf dem Kreuzfahrtschiff

Und dann überließ Wladimir Kaminer die deutsche Gesellschaft ihrem Schicksal und ging samt Ehefrau Olga auf Kreuzfahrt, hat es beim Hören seiner Geschichten den Anschein. Vielleicht um sich an Wind und Wellen zu gewöhnen, legte das Ehepaar vorher noch einen Kurztrip nach Teneriffa ein. In der dortigen Lebensweise erkennt der Autor mit russischen Wurzeln ein Abbild der Welt. Führt er diesen Eindruck aus, wird es interessant, dann kommt seine entlarvende Beobachtungsgabe zum Tragen. Diese knipst er auch auf Kreuzfahrt nicht aus, wenn er z.B. von Unmassen schnorchelnder Brandenburger irgendwo in karibischen Paradiesen erzählt oder die Stimmung auf den Riesenschiffen als Mischung aus Weltuntergang und Party beschreibt.

Ungewöhnlicher Abgang

Sein neues Buch „Die Kreuzfahrer“ mag zwar mehr davon bereithalten, bei seinem Celler Auftritt blitzen satirische Seitenhiebe aber nur kurz auf. Anlass für die bereits erwähnten Fragen im Kopf bietet das etwas müde Medley jedoch bis zum Schluss: Der Star des Abends verabschiedet sich bereits vor dem letzten Beitrag. „Deutsche Stollen russischer Prägung“ hat er die kleine Weihnachtsgeschichte ohne große Pointe überschrieben. Möchte der Berliner keine Zugabe geben, will das Publikum dieses überhaupt? Eine gute Frage. Der Beifall ist deswegen nur schwer zu deuten. Fest steht, dass all jene, die den Autor etwas länger erleben möchten, Gelegenheit dazu haben: Sie finden ihn hinter seinem reichlich gedeckten Büchertisch.

Von Anke Schlicht

Haben Menschen mit Behinderungen weniger Rechte als andere? Dürfen sie wählen? Und wenn ja: Was und wen dürfen sie wählen?

Andreas Babel 06.12.2018

Mitarbeiter der CZ haben Autofahrer und Passanten am Nikolaus mit einem Geschenk überrascht. Das kam gut an.

Christopher Menge 06.12.2018

Die BigBand Celle bot eine abendfüllende Veranstaltung mit hoher musikalischer Vielfalt im Kreistagssaal.

06.12.2018