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Celle Stadt Hilfsmittel werden vorgestellt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hilfsmittel werden vorgestellt
14:00 13.10.2019
Von Svenja Gajek
Viele Hilfsmittel erleichtern Sehbehinderten den Alltag: David Klepsch erklärt einer Besucherin einen Vergrößerungsbildschirm. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Sehbehinderte Menschen nehmen ihre Einschränkung oft mit Humor. Die Celler Gruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen hat sich am Freitag mit einem „Hilfsmitteltag“ an der bundesweiten Aktion zur 18. Woche des Sehens beteiligt. Das Motto heißt ausgerechnet: „Nach vorne schauen“. Dutzende Interessierte – Blinde wie Sehende – informierten sich über die neuesten Helfer für den Alltag.

„Die Selbstständigkeit beim Zubereiten von Mahlzeiten zu behalten, ist vielen Menschen sehr wichtig“

Zwei Mitarbeiter des Deutschen Hilfsmittelvertriebes Hannover (DHV) hatten eine Auswahl von Küchenutensilien mitgebracht. Aufmerksamkeit erregte ein Eierkocher mit Sprachfunktion. „Der sagt Ihnen genau, welchen Härtegrad die Eier haben“, erklärte Simone Meyer. Außerdem bestaunten die Besucher verschiedene Messhilfen. „Die Selbstständigkeit beim Zubereiten von Mahlzeiten zu behalten, ist vielen Menschen sehr wichtig“, so Meyer. Zudem wurden Blinden-Versionen bekannter Gesellschaftsspiele, wie „Mensch ärgere dich nicht!“ präsentiert.

Einige Kassen übernehmen zumindest einen Teil der Kosten

David Klepsch von „Die Optik“ in Celle stellte verschiedene Brillen und Leselupen vor. Unter anderem konnten Kantenfilterbrillen ausprobiert werden. „Ein Kantenfilter absorbiert bestimmte Bereiche des Lichtspektrums und kann daher ein sinnvolles Zusatz-Feature sein“, erklärte der Augenoptiker. Direkt nebenan hatte Daniel Haberkamp größere Lesehilfen aufgebaut, die wie Laptops aussehen. Mit diesen Helfern sind Menschen mit einem Restsehvermögen in der Lage, Zeitungen zu lesen oder Körperpflege zu betreiben. „So etwas kann schon mehrere tausend Euro kosten“, sagte der Berater. „Bei privater Benutzung übernehmen manche Krankenkassen zumindest einen Teil der Kosten.“

Ali Savas präsentiert eine Braille-Tastatur. Quelle: Oliver Knoblich

„Manchmal muss man es einfach hinnehmen, wenn die Augen schwächer werden“

Hanna Müller trägt zwar eine Brille, kann sonst aber noch gut sehen. Sie will sich einfach nur informieren, damit sie für die Zukunft gerüstet ist. „Manchmal muss man es einfach hinnehmen, wenn die Augen schwächer werden“, so die 72-Jährige. „Da kann dann auch kein Augenarzt helfen.“

Orcam ist der große Hit

Besonders beliebt war die Orcam. Es handelt sich um ein am Körper getragenes Computersystem, das auf den Nutzer oder dessen Umwelt bezogene Daten registriert und verarbeitet. Das etwas sechs Zentimeter lange, kastenförmige Gerät wird an einen Brillenbügel geklemmt. Die Kamera erfasst die Blickrichtung des Nutzers, um ihm dank künstlicher Intelligenz und Sprachausgabe Informationen zu übermitteln. Damit ist es möglich, trotz Sehbehinderung Texte, Zahlen, Geldscheine, Farben und sogar Gesichter zu erkennen.

Nicht alles machen, was Sehende können

Christel Holz ist zwar fasziniert von dem Gerät, bleibt aber skeptisch. Sie ist seit frühester Kindheit blind und nutzt bereits sehr viele Hilfsmittel, wie sprechende Uhren und Waagen, diverse Apps für ihr Smartphone und einen elektronischen Stift. Mit dem können beispielsweise Einweckgläser markiert und später wiedergefunden werden. „Ich suche ein handliches Hilfsmittel, aber die Orcam scheint mir noch nicht ausgereift zu sein.“ Die 65-Jährige kommt gut im Alltag zurecht. Sie ist davon überzeugt: „Ich muss nicht unbedingt alles machen, was Sehende können. Dafür bräuchte ich Hilfe, und das würde meine Selbstständigkeit schmälern.“

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