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Celle Stadt Worte mit hypnotischer Wirkung in Celles Halle 19
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Worte mit hypnotischer Wirkung in Celles Halle 19
00:25 13.02.2018
Irene Benedict, Ralph Blase, Christoph Schulenberger und Bernd Rauschenbach (von links) setzten die Arno-Schmidt-Lesung „Der Waldbrand“ gekonnt in Szene. Quelle: Fotocredit
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In seinen Funk-Essays tritt Schmidt immer wieder „für das Schaffen der Guten Meister zweiten Ranges“ ein, „die sonst oft, ungeachtet, durch die Dünung der Jahrzehnte an die Ränder des Literaturmeers gespült werden“ – so auch im 1961 entstandenen Rundfunkdialog „Der Waldbrand“ über den Dichter und Komponisten Leopold Schefer (1784–1862).

In Kooperation mit der Arno-Schmidt-Stiftung lud das Schlosstheater Celle am Sonntag zu einer Lesung von Schmidts Dialog über einen völlig in Vergessenheit geratenen Autor ein: Bernd Rauschenbach (Sprecher A), Christoph Schulenberger (Sprecher B), Ralph Blase (Zitate) und Irene Benedict (Zitate) setzten das literarische Zwiegespräch in der gut besuchten Halle 19 der CD-Kaserne stimmlich gekonnt in Szene.

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Dass Arno Schmidt in „Der Waldbrand“ ausgerechnet Leopold Schefer – Gutsverwalter und Renn-Jockey, Kompositionsschüler Salieris in Wien und Herausgeber zahlreicher literarischer Almanache in einem – aus der literarischen Versenkung holt, mag wohl auch daran liegen, dass sich Schmidt in diesem Naturphilosophen aus der Lausitz selbst wiedererkannt haben dürfte.

Und Parallelen sind durchaus vorhanden: Beide ziehen das Leben auf dem Lande vor, meiden gesellschaftliche Kontakte, wehren sich gegen jedwede Form von Autorität und Diktat. „Sie haben Vorurteile gegen Soldaten?“ „Ich würde mich schämen, wenn ich keine hätte.“ Spätestens an dieser Stelle des Funk-Essays liegt die Vermutung nahe, dass Schmidt dem Zuhörer wohl auch ein gutes Stück der eigenen Lebensauffassung näher zu bringen beabsichtigt.

Ein schwarzer Vorhang, ein mit rotem Samt bedeckter Tisch, dazu vier in einheitliches Schwarz gekleidete Vorlesende, die sich selbst hinter der Literatur zurücknahmen – mehr brauchte es am Sonntagabend in der Halle 19 nicht, um „Den Waldbrand“ zu einer gelungenen Lesung werden zu lassen. Arno Schmidts Wortgewalt hat bis heute nichts von ihrer nahezu hypnotischen Wirkung verloren.

Von Christina Matthies