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Celle Stadt Zu Weihnachten gab es Gänse und Münzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zu Weihnachten gab es Gänse und Münzen
15:09 13.06.2010
Alte Postkarte Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Nichts sieht mehr so aus, wie es einst Anfang der 50er Jahre in der Celler Erichsgasse war. Trostlos wirkt der ehemalige Hinterhof der Celler Eierverwertungsgenossenschaft. Und trotzdem ist die Erinnerung an die Vergangenheit noch immer präsent – zumindest bei vielen Lesern der CZ, die halfen das veröffentlichte Foto der Serie „Wer erkennt sich wieder?“ einzuordnen. Sie alle verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Bild.

Das Foto ist vermutlich 1953 oder 1954 aufgenommen worden. Der Anlass dazu lässt sich nicht mehr rekonstruieren. 1945 ist die Celler Eierverwertungsgenossenschaft gegründet worden, 1966 übernahm die Genossenschaft aus Uelzen den Celler Betrieb. Bis 1984 hatte Uelzen den Betrieb geleitet. Kurz darauf wurde das Gebäude abgerissen und Raum für neue Baugrundstücke geschaffen.

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Heidrun Rauch, die Tochter es ehemaligen Geschäftsführers Erich Wilke, kann sich noch gut daran erinnern, wie sie ihren Vater öfters im Büro besucht und den Arbeits-Ablauf beobachtet hat. Die Mitarbeiter fuhren die einzelnen Eier-Bauern im Landkreis an. In Celle ist die zerbrechliche Ware dann sortiert, durchleuchtet und nach Größe gestempelt worden und schließlich zu den einzelnen Abnehmern transportiert. „Ein paar Mal bin ich in den Goliath-Dreirad mitgefahren. Das war eine ganz schöne Schaukelei und Hüpferei“, so Rauch.

Auf den Gemeinschaftssinn wurde Wert gelegt. „Bei den Weihnachtsfeiern mit der ganzen Belegschaft sind immer zwei Gänse verspeist worden“, so Rauch. „Dazu gab es eine kaiserliche Goldmünze und 50 DM als Weihnachtsgeld“, fügt Ulrich Reinke hinzu, der als Kind im Betrieb ab und zu mitgeholfen hat.

Hans-Jürgen Schnappat hat seine Lehrjahre in der Eierverwertungsgenossenschaft verbracht. Er lernte den Außendienst, Einkauf und Verkauf kennen. Waren die Eier in der Region rar, ging es zum Frachthafen nach Hamburg. Schnappat war mit von der Partie, als das Team Eier unter anderem aus China, Holland und Dänemark abholte.

Die Liebe ihres Lebens hat Rita Gottschalk im Betrieb entdeckt. Wilhelm Gottschalk hieß der Auserwählte. Als Fräulein Schmidt hat sie dort angefangen, als Frau Gottschalk ist sie bis 1960 als Kontoristin geblieben. „Es war alles sehr spannend damals, da wir uns heimlich treffen mussten“, erinnert sich Gottschalk an die aufkeimende Liebe zwischen den beiden Angestellten. „Am Ende haben sich alle für uns gefreut.“

Sehr beliebt bei den Kunden war der Eier-Verkäufer Alfons Reimann. „Er war ein lieber, netter, höflicher Mann – einfach zu schade für diese Welt“, kommentiert Hans-Joachim Schwarm, dessen Lebensmittelgeschäft in Hambühren von Reimann beliefert wurde.

Von Rebekka Schrimpf