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Celle Stadt Zuschuss für Essen für arme Kinder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zuschuss für Essen für arme Kinder
14:18 13.06.2010
Von Michael Ende
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Celle Stadt

Wie klein die Brötchen sind, die die Stadt Celle angesichts ihrer desolaten Haushaltslage zu backen noch in der Lage ist, wurde in der jüngsten Stadtratssitzung klar, als es um Brötchen für die Jüngsten ging. Stadtkämmerin Susanne Schmitt wertete es als ein „gutes Zeichen, dass wir auch in Zeiten der Finanznot bereit sind, einen Fonds zur Finanzierung des Mittagessens für bedürftige Kinder in unseren Kitas bereit zu stellen.“ Das Volumen dieses vom Rat einstimmig beschlossenen „Zeichens“ umfasst pro Jahr 5000 Euro – ein winziger Lichtblick im tiefen Dunkel des Etats 2010 mit seinem Defizit von 20 Millionen Euro.

Gerhard Vasterling (CDU) sagte, seine Fraktion habe diesen Fonds gefordert, weil man sich so zielgerichtet eines Kernproblems annehme: „Immer wieder können oder wollen Eltern für ihre Kinder das Kindergarten essen nicht bezahlen – sollen diese Kinder deshalb vom Kindergartenbesuch ausgeschlossen werden?“ Besonders für Kinder aus „bildungsfernen Familien“ sei es wichtig, dass ihre Eltern sie nicht aus dem Kindergarten abmeldeten, weil sie das Essengeld nicht aufbrächten, so Vasterling: „Hier müssen wir etwas tun – wir werden ja sehen, wie es angenommen wird.“

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Im Vorfeld der Entscheidung hatte die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass grundsätzlich keinen Bedarf für den Zuschuss geben könnte, da am Kindergarten-Mittagessen in erster Linie Kinder von berufstätigen Eltern teilnähmen – und die müssten sich das Essen für ihre Jüngsten doch wohl selbst leisten können. Problemgruppen wie etwa Alleinerziehenden oder Familien in einer anerkannt „belasteten Situation“ werde das Essengeld nach einer Prüfung erlassen.

Mit dem Hinweis darauf, dass es doch Familien geben könnte, die durch dieses Netz fielen, blieb die CDU bei ihrem Antrag. Sie habe ähnliche Anträge der Opposition „abgekupfert“, sagte Torsten Schoeps (WG): „Das soziale Gewissen der CDU ist offenbar nach der verlorenen OB-Wahl erwacht.“ Juliane Schrader (Grüne) erinnerte ebenfalls daran, dass die CDU einen entsprechenden Antrag der Grünen noch vor zwei Jahren „vehement abgelehnt“ habe: „Aber wir müssen noch weiter gehen: Wir fordern gebührenfreie Kitas von Anfang an.“ Andreas Hauptmeyer (BSG) zeigte sich immerhin „positiv überrascht“ von der CDU, und Eva von Groddeck (SPD) bezeichnete den Fonds als einen „kleinen Schritt in die richtige Richtung“: „Investitionen wie auf der Allerinsel oder im Nordwall können wir in die Zukunft verschieben – Investitionen in unsere Kinder nicht.“