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Hehlentor So hat die Bäckerei Schiano Nachfolger gefunden
Celle Aus der Stadt Hehlentor So hat die Bäckerei Schiano Nachfolger gefunden
16:15 13.09.2019
Von Dagny Siebke
Nach fast 30 Jahren ist jetzt Schluss: Am 28. September laden Detlef und Marianne Schiano von 8 bis 11 Uhr zu einem kleinen Abschieds-Umtrunk ein. Beide schlagen nun beruflich neue Wege ein. Quelle: David Borghoff
Celle

Mit Leib und Seele sind Schianos Bäcker. "Bei uns wird noch jede Backware mit der Hand angefasst", erzählt Marianne Schiano. Seit fast 30 Jahren versorgt die Bäckerei den Stadtteil Hehlentor mit leckerem Streuselkuchen und Roggenbrot.

Doch Ende September wird Detlef Schiano seinen Ofen zum letzten Mal ausschalten, weil es immer schwieriger wird, Fachkräfte zu finden. Doch die gute Nachricht: Ihr "täglich Brot" erhalten die Celler weiterhin an der Wittinger Straße 77, denn die Bäckerei Leifert aus Gifhorn übernimmt ab 1. Oktober die Geschäftsräume.

Fachkräftemangel ausschlaggebend

Schianos haben sich die Entscheidung nicht einfach gemacht. Detlef Schiano erzählt: "Als unser Geselle 2018 krank war, standen wir plötzlich alleine da. Während dieser acht Wochen ist uns bewusst geworden, wie dünn die Luft ist. Teilweise haben wir sieben Tage in der Woche nur geschlafen und gearbeitet."

Beim Kleinkaliber-Schießen um den Titel des Rathauskönigs: Marianne Schiano ist Ortsbürgermeisterin im Stadtteil Hehlentor und CDU-Ratsfrau im Celler Stadtrat. Quelle: Oliver Knoblich

Zum Glück erhielt Marianne Schiano als Ortsbürgermeisterin im Stadtteil Hehlentor Rückendeckung von ihren Vertretern und der CDU-Fraktion im Celler Stadtrat. "Während dieser schweren Zeit haben wir uns gefragt, was sein könnte, wenn einer von uns ausfallen würde. Wie könnten wir dann noch die Qualität halten? Wie sollen wir mit so wenig Leuten noch kreativ sein?" Schließlich ist Detlef Schiano 60 Jahre alt.

Kinder haben in Backstube geholfen

"Unseren Kindern haben wir das Backtalent nicht in die Wiege gelegt", verrät Marianne Schiano. Auch wenn die drei Kinder immer in der Backstube geholfen haben, gehen sie nun ihre eigenen Wege. Eine Tochter arbeitet bei VW, die zweite Tochter als Kinderkrankenschwester und der Sohn als Bau- und Landmaschinen-Mechaniker.

Jetzt gibt es selbstgebackene Kekse – in der Grundschule Hehlentor. Der altertümliche Backofen, den die Schüler mit Hilfe des erfahrenen Ofenbauers Matthias Habermann innerhalb einer Woche selbst bauten, ist endlich in Betrieb. Bäckermeister Detlef Schiano (rechts), der selbst Vater eines Kindes in der Schule ist, weihte mit der Klasse 4b den Ofen ein.  Quelle: nicht zugewiesen

"Zudem ist es in den vergangenen zehn Jahren immer schwieriger geworden, Lehrlinge zu finden", so Schiano. Auch zwei Flüchtlinge sammelten in der Backstube Erfahrungen. "Doch da muss alles zack, zack gehen. Es bleibt nicht die Zeit, grundlegende Dinge wie Kopfrechnen beizubringen."

Vom Chef zum "normalen" Arbeitnehmer

Um einen Nachfolger zu finden, haben Schianos erst einmal bei anderen Bäckereien geguckt und probiert. Marianne Schiano: "Uns war auch wichtig, dass es genug Nachwuchs im Betrieb gibt. Nicht dass unsere Kunden sich alle paar Jahre umgewöhnen müssen." Die Bäckerei Leifert kommt auf mehr als 50 Filialen und 300 Mitarbeiter in Gifhorn, Wolfsburg, Hannover und Braunschweig. In der Backstube arbeiten allein 85 Mitarbeiter. Der 27-jährige Nils Leifert führt das Unternehmen in dritter Generation.

Celler Schützenfest 2018: Bürgerkönig Detlef Schiano Quelle: Oliver Knoblich

Fünf Mitarbeiter übernimmt die Bäckerei Leifert, zwei Kollegen kommen anderweitig unter. Marianne Schiano hat mit Mitte 50 eine Umschulung gemacht und will künftig als Schulassistentin arbeiten. Detlef Schiano überlegt, künftig als "normaler Arbeitnehmer" im Drei-Schicht-System nach Gifhorn zu pendeln: "Ich stelle mir das ganz entspannt vor, wie jeder andere geregelte Arbeitszeiten zu haben."

Brötchen, Gebäck und Kuchen der Bäckerei Schiano in der Wittinger Straße in Celle gehören bald der Vergangenheit an. Ein Nachfolger steht bereits fest.

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