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Westercelle Aktion gegen Eltern-Taxis vor Schulen
Celle Aus der Stadt Westercelle Aktion gegen Eltern-Taxis vor Schulen
17:25 15.05.2019
Von Benjamin Behrens
Paul Stern vom ACE-Kreisvorstand Südheide notiert sich Fehlverhalten der Fahrer. Quelle: Benjamin Behrens
Westercelle

Es hätte so schön sein können, Paul Stern vom Auto-Club Europa (ACE) wollte dem Fahrer schon die Bewertung „fehlerfrei“ geben. Doch dann lässt der Vater sein Kind auf der Fahrbahnseite aussteigen. Die restlichen Meter der Schulstraße bis zur Oberschule Westercelle legt der Junge doch noch zu Fuß zurück. Stern macht einen Strich auf seinem Kontrollbogen: Ausstieg Kinder – Fahrbahnseite: ein symbolischer Daumen runter.

Aktions-Bündnis für selbstständigen Schulweg

Für die Initiative „Goodbye, Eltern-Taxi“ haben sich gestern morgen ACE-Mitglieder und Polizei gemeinsam vor der Grundschule Nadelberg und der Oberschule Westercelle positioniert. Ihr Augenmerk richteten die Verkehrsbeobachter genau auf das, was eigentlich aus Elternsicht den Schulweg sicherer machen soll. Doch sogenannte „Elterntaxis“ tragen nicht dazu bei, auch wenn sie bei den beiden Schulen zum allmorgendlichen Ritual gehören. Das gute Wetter dürfte manch ein Kind schon freiwillig zum Fahrrad greifen lassen, ist sich Stern sicher. Eine größere Gruppe Radler schiebt ihre Gefährte aufs Schulgelände, vorbei an Claus Stahl, der neben dem ACE auch beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Celle engagiert ist. Dass Verkehrssicherheitsbeamter Karsten Wiechmann die Aktion unterstützt, freut Stahl. Dass der weithin sichtbare Beamte in Uniform, Warnjacke und mit Dienstwagen gekommen ist, eher weniger. „Das war eigentlich anders abgesprochen“, sagt Stahl und grinst.

Ausgestattet mit Klemmbrettern achten die Aktivisten auf jeden Verstoß. 

Verkehrssituation unübersichtlich

Verkehrstechnisch ist die Schulstraße eine Herausforderung. Die Durchfahrt in die Hannoversche Heerstraße ist nicht erlaubt, mehrere Halteverbotszonen ab der Einmündung aus der Mittelstraße sollen die als Feuerwehrzufahrt definierte Straße frei halten. Schulleiter Ulf Krüger kennt die Verkehrssituation kurz vor Unterrichtsbeginn. „Was glauben Sie, was hier gleich los ist? Wir haben schon überlegt, einen Drive-in zu machen“, sagt der Pädagoge scherzhaft.

Daten werden bundesweit erhoben

„Wir machen jedes Jahr eine Schwerpunktaktion, die Daten kommen dann in einen Pool, der bundesweit ausgewertet wird“, erläutert Stern das Konzept. In den kommenden Tagen werden er und seine Mitstreiter sich vor drei weiteren Schulen positionieren. Welche das sind und wann das sein wird, wird nicht mitgeteilt. „Wir hoffen natürlich, dass alle Akteure durch die Daten sensibilisiert werden“, hofft Stern. Halten im Halteverbot oder auf dem Gehweg, Aussteigen auf Fahrbahnseite, Parken auf dem Radweg oder auch einwandfreies Verhalten – für fast alle Eventualitäten ist vorgesorgt bei der Datenerfassung. Auch an Kombinationen ist gedacht. Fehlerfrei angehalten, das Kind korrekt in Richtung Gehweg abgesetzt doch dann beim Wenden zum Verkehrshindernis geworden? Das lässt sich aus den Daten ablesen.

„Im Großen und Ganzen haben sich die Eltern sehr vorbildlich verhalten“, sagt Matthias Cordts, Regionalbeauftragter Niedersachsen-Bremen des ACE. In seinem Bereich vor der Grundschule waren 13 Fahrer fehlerfrei unterwegs. Fünf hatten kein geeignetes Sitzsystem für das Kind im Auto, dreimal stiegen außerdem Kinder zur Fahrbahn aus.

Kinder sollen selbstständig werden

Doch warum kommen überhaupt so viele Kinder nicht mit Rad, Roller, Bus oder zu Fuß? Denn es spricht viel für mehr Selbstständigkeit. „So ein Schulweg ist ja auch ein Ort für Kommunikation. Das wird dann im Unterricht nachgeholt“, glaubt Polizeihauptkommissar Wiechmann. Thomas Kiesewetter hat seine 14 und 17 Jahre alten Söhne gebracht und dafür eine einleuchtende Erklärung. „Der eine hat schon ein Fahrrad, das ich heute verkehrssicher mache. Der andere kriegt noch eines“, sagt der 57-Jährige. Bushrean Tabatobais Sohn radelte bis Anfang Mai noch. „Wir wohnen jetzt in Altenhagen, das ist zu weit. Sonst kommt er sehr gerne mit dem Fahrrad.“

Als erster Sportverein beteiligt sich der VfL Westercelle an der Aktion „Celle blüht auf“.

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