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Blaulicht Insolvenz im Celler Westkreis verschleppt: 2400 Euro Geldstrafe
Celle Blaulicht Insolvenz im Celler Westkreis verschleppt: 2400 Euro Geldstrafe
03:50 23.02.2018
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Celle

Er soll geleaste Baustellenfahrzeuge verkauft haben, einen Radlader, einen Baustellensicherungsanhänger und eine fahrbare Absperrtafel. So lauteten die ersten drei Punkte der Anklage. Viertens soll er das Insolvenzverfahren verschleppt und fünftens den Kaufbetrag für eine Kupplung nebst Zubehör nicht bezahlt haben.

Da der Angeklagte alles verloren habe, vertrete er ihn „aus alter Verbundenheit“und ohne Honorar, so Waldraff. Sein Mandant hätte aus heutiger Sicht eher in die Insolvenz gehen müssen, habe dies jedoch aus zwei Gründen nicht getan. Zum einen habe er noch 900.000 Euro aus einem Auftrag von einer Landesbehörde zu erwarten gehabt, die im Übrigen bis heute nicht gezahlt worden seien. Zum anderen habe ihm sein Geldinstitut zur „Unzeit“ gekündigt, trotz Sanierungsgesprächen und dem Einsatz des Privatvermögens.

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Der Insolvenzverwalter hatte eine Firma mit der Auflistung und Bewertung des beweglichen Anlagevermögens beauftragt. Dabei war festgestellt worden, dass die drei genannten Fahrzeuge fehlten. Die Auflistung habe rund 1000 Positionen umfasst, davon 150 bis 200 Fahrzeuge. „Wir reden von einem richtig großen Unternehmen“, sagte der Zeuge. Der Verbleib der Fahrzeuge sei nach wie vor ungeklärt.

Rechtsanwalt Waldraff verwies auf seinen früheren Fall der Osteroder Spedition Ricö. Dort seien 100 Lastwagen verschwunden, unter anderen zwei von Fahrern „mitgenommen“ worden. Die Schlussfolgerung, was nicht aufgefunden wurde, sei verkauft worden, stimme nicht.

Nachdem sechs Zeugen gehört worden waren, beantragte der Staatsanwalt, den Angeklagten wegen fahrlässiger Insolvenzverschleppung zu verurteilen. Zum Vorwurf der Unterschlagungen beantragte er Freispruch. Er sei überzeugt von den Ausführungen Waldraffs. Es sei denkbar, dass Mitarbeiter oder Dritte die Fahrzeuge beiseite geschafft hätten.

Die Anträge des Staatsanwalts seien sachgerecht und fair, dennoch solle über eine alternative Form der Sanktionierung nachgedacht werden, meinte der Anwalt. Sein Mandant habe sein ganzes Geld zur Verfügung gestellt, um das Unternehmen und die 57 Arbeitsplätze zu retten. Er habe „keine eiskalte Insolvenz gefahren wie andere“, plädierte Waldraff.

Die Richterin folgte dem Antrag des Staatsanwalts und verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Insolvenzverschleppung zu 60 Tagessätzen a 40 Euro, die er in monatlichen Raten von 100 Euro zahlen kann. Der Angeklagte habe verkannt, dass die Finanzen im Argen lagen, so die Richterin. Zugute gehalten werde ihm seine Einsicht und seine Mitwirkung. Vom Vorwurf der Unterschlagung sei er freizusprechen, denn diese habe sich nicht nachweisen lassen.

Das Verfahren zu Punkt fünf, der Kupplung, war schon im Verlaufe der Verhandlung eingestellt worden.

Von cz

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