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Blaulicht Praxisbrand in Celle: Freispruch für Zahnmedizinerin und ihren Ehemann
Celle Blaulicht Praxisbrand in Celle: Freispruch für Zahnmedizinerin und ihren Ehemann
06:17 26.04.2018
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Celle Stadt

Am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 gegen zwei Uhr morgens hatte es in einer in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus untergebrachten Zahnarztpraxis in Celle gebrannt. Durch Sauerstoffmangel erloschen die Flammen von allein. Der Ruß richtete allerdings großen Schaden an. Ein Motiv für die Brandlegung hätten nur die beiden Beschuldigten, hieß es noch in der Anklageschrift. Eine Medizinerin sollte demnach ihren Gatten angestiftet haben, die Behandlungsräume anzuzünden, um von der Versicherung eine fünfstellige Summe zu kassieren. Schließlich war sie dabei, in neue Praxisräume zu ziehen. Doch im Verfahren tauchten viele Widersprüche auf. "Der geklärte Fall wurde zu einem Ungeklärten", brachte es Verteidiger Ralf Neuhaus auf den Punkt. Steckt womöglich ein Immobiliendeal hinter dem Verbrechen?

Das Gebäude hatte am 21. Dezember 2015 den Versicherungsschutz verloren, nachdem die Versicherung kurz zuvor gekündigt worden war. Kurz danach kam es zum Feuer. "Uns wurde etwas verkauft, was formal nicht der Wirklichkeit entsprach", sagte einer der Investoren vor Gericht. Über Stunden dauerte seine Befragung. Der 39-Jährige blieb viele Antworten schuldig. Das Anwesen wird derzeit auf einer Internetseite für rund 600.000 Euro angeboten, mit dem Zusatz versehen: "2016 saniert".

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Während des langen Prozesses hinterfragte der Verteidiger auch die Arbeit der Ermittlungsbehörden, denn nach den ersten Untersuchungen am Tatort endeten die Ermittlungen der Polizei vor zwei Jahren abrupt. Bis Mitte Februar geschah nichts. Der leitende Kommissar schied plötzlich aus dem Amt und liegt seit Monaten im Krankenhaus. Auch eine andere mysteriöse Spur interessierte das zuständige Fachkommissariat wenig. Am 22. Dezember 2015 hatte ein Mann namens "Waldemar" per EC-Karte in einem Supermarkt in Nienhagen eine Flasche Grillanzünder gekauft. Besaß der Kunde einen russischen Hintergrund? Hat er zu den Käufern der historischen Immobilie, die selbst aus der Ukraine und Kirgisien stammen, eine Verbindung? Bis heute liegen keine näheren Erkenntnisse vor.

In seinem Plädoyer stufte der Oberstaatsanwalt die beiden Erwerber aus Hannover als "glaubhafte Zeugen" ein, die die "Situation falsch einschätzten" und forderte für den Ehemann der Zahnmedizinerin wegen schwerer Brandstiftung eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten sowie Freispruch aus Mangel an Beweisen für die Ärztin. Auf die Personalrochaden innerhalb der Anklagebehörde ging er nicht weiter ein. Richterin Philipp wirkte in ihrem Statement vorsichtiger: "Die Identität der Brandstifter blieb offen. Wir wissen nicht, wer dahinter steckte."

Die Entscheidung des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Von Benjamin Reimers