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Blaulicht Vater aus Celler Ostkreis muss nach Tod der Tochter Strafe zahlen
Celle Blaulicht Vater aus Celler Ostkreis muss nach Tod der Tochter Strafe zahlen
10:23 07.08.2018
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Celle-Landkreis

Als wäre er nicht schon genug bestraft worden: Ein Vater aus dem östlichen Celler Landkreis musste sich vor der Amtsrichterin zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung verantworten. Seine zweijährige Tochter ist durch einen tragischen Unfall im abgedeckten Pool im Garten der Familie ertrunken. Die Staatsanwaltschaft hat – wie das immer in ähnlichen Fällen geschieht – die Ermittlungen aufgenommen und eine Mitschuld des Vaters festgestellt. Daraufhin erging im April dieses Jahres ein Strafbefehl mit der Forderung, 5000 Euro zu zahlen. Dies wollte der Vater so nicht akzeptieren, legte Widerspruch gegen diesen Strafbefehl des Amtsgerichts Celle ein und holte sich anwaltliche Hilfe. So kam es dann zur Gerichtsverhandlung im Amtsgericht vor der Strafrichterin.

Der Gerichtssaal war besetzt mit der Vorsitzenden Richterin, dem Angeklagten, dessen Verteidiger, der Staatsanwältin und einem Sachverständigen aus Hannover. Geladen waren fünf Zeugen.

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Nach Aufforderung der Richterin schilderte der Angeklagte und Vater des zweijährigen Mädchens den Unfallhergang. Es war im Mai des vergangenen Jahres. Die Familie mit sieben Kindern und die Eltern waren zusammen im Haus. Der mit einer dicken Folie abgedeckte Pool war in dem Jahr noch unbenutzt und in der Abdeckfolie stand noch ein wenig Regenwasser durch die Niederschläge am Vortag. Den Pool konnte man vom Wohnzimmer aus, in dem sich die Familie aufhielt, sehen. Plötzlich hörte man die Geschwisterkinder schreien: „Papa – Melina – Melina!“ Der Vater lief sofort in den Garten zum Pool und sah, wie das kleine Kind auf der Poolabdeckung lag und sich nicht rührte. Sofort sprang der Vater auf die Folienabdeckung und barg das leblose Mädchen.

Sofort wurde ein Notruf veranlasst. Vater, Mutter und Bruder unternahmen Wiederbelebungsversuche durch Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Als dann der Rettungswagen kam, setzte der Notarzt die Reanimation fort – mit Erfolg! Das kleine Mädchen atmete wieder und wurde ins AKH Celle gefahren. Dort gelang es den Ärzten leider nicht, den Zustand zu stabilisieren und es wurde dann zur Medizinischen Hochschule (MHH) nach Hannover geflogen. Auch dort war die ärztliche Hilfe erfolglos. Das zweijährige Mädchen hatte aufgehört zu atmen und war nicht mehr zu reanimieren. Die Ärzte dort konnten dann nur noch den Tod des Kindes feststellen – zum Entsetzen der Familie.

Sowohl die Richterin als auch die Staatsanwaltschaft bestätigten aufgrund der Aktenlage den Hergang. In ihrem Plädoyer stellte die Staatsanwältin dann auch heraus, dass eine Mitschuld des Vaters nachweislich ist und eine Einstellung des Verfahrens wegen fahrlässiger Tötung nicht in Frage käme. Allerdings wäre aus ihrer Sicht eine Herabsetzung des Strafmaßes aufgrund der geringen Mitschuld denkbar.

Die Vorsitzende Richterin schlug dann eine Halbierung der Strafe auf insgesamt 2500 Euro vor. Diese sollte in monatlichen Raten zu je 50 Euro beglichen werden. Aufgrund des Hergangs ist nur eine geringe Mitschuld erkennbar, außerdem ist die Höhe aufgrund des geringen Familieneinkommens zu halbieren.

Der Angeklagte und sein Verteidiger erklärten, mit diesem Strafmaß einverstanden zu sein und akzeptierten das Urteil: 100 Tagessätze zu je 25 Euro und Übernahme der Gerichtskosten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Günther Borchers