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Aus dem Landkreis Musikblockade bei Rheinmetall
Celler Land Aus dem Landkreis

98 Musiker blockieren Haupteingang bei Rheinmetall in Unterlüß

13:40 17.08.2020
Mit Musik: Vor dem Rheinmetall-Gelände in Unterlüß wurde am Montag demonstriert. Quelle: Oliver Knoblich
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Unterlüß

Früh aufstehen hieß es am Montag für die Musiker des bundesweiten Aktionsnetzwerkes Lebenslaute. Bereits ab 5.40 Uhr blockierten die 98 Musikaktivisten die Zufahrten der Rheinmetall Landsysteme GmbH in Unterlüß. Kein Fahrzeug konnte das Gelände verlassen oder auf das Gelände fahren. Während der Blockade erklang auf allen Zufahrten klassische und populäre Chor- und Instrumentalmusik. Gegen 7 Uhr wurden die Arbeitenden über einen Feldweg durch den Wald zu einem der vielen Nebentore geschleust. Wiederholte, spontane Musikblockaden der Feldwegzufahrt wurden von Polizeikräften geräumt. "Die Produktion war durch die Demonstration zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt", sagte Rheinmetall-Pressesprecher Oliver Hoffmann auf CZ-Anfrage.

Mit Musik: Vor dem Rheinmetall-Gelände in Unterlüß wurde am Montag demonstriert. Quelle: Oliver Knoblich

Zum Abschluss zweistündiges Aktionskonzert

Um 10.30 Uhr fanden sich alle Musiker in der Nähe des Haupteingangs ein, wo Lebenslaute ab 11 Uhr seine diesjährige Protestaktion mit einem zweistündigen Aktionskonzert beendete. Aufgeführt wurden unter anderem Bob Dylans „Masters of War“ und „Darthulas Grabgesang“ von Johannes Brahms, das die Musizierenden den während der Nazizeit inhaftierten 900 jüdischen Frauen im Außenlager Tannenberg des KZ Bergen-Belsen widmeten. „Die Zwangsarbeiterinnen bei Rheinmetall wurden misshandelt und getötet. Wir unterstützen Initiativen, die eine ungeschminkte Erinnerungskultur erschaffen wollen“, sagte Markus Beyer von Lebenslaute. Zum Abschluss des Konzerts vor einem der Tore von Rheinmetall spielte Lebenslaute auch Versöhnliches, Georg Friedrich Händels Friedensode sowie einen Walzer von Aram Chatschaturjan, der in einem Theater in Moskau uraufgeführt wurde, welches von den Nazis später zerbombt wurde.

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Gegen den Waffenkonzern Rheinmetall ist in Unterlüß demonstriert worden. Quelle: Oliver Knoblich

Rund 100 Zuhörer in Unterlüß

In sorgfältig auf die Musik abgestimmten Redebeiträgen erfuhren die rund 100 Zuhörer, was die Musikaktivisten dazu bewogen hatte, sich gegen Rheinmetall in Unterlüß zu wenden: „In Unterlüß liegt die Hauptproduktionsstätte der Militärsparte Rheinmetall Defence. Hier produziert der Rüstungsriese Waffen und Munition sowie Komponenten für Panzer. Hier betreibt er Europas größtes privates Waffentestgelände und macht Milliardengeschäfte mit dem Tod“, sagte Cornelia Weigel von der Pressegruppe Lebenslaute.

Mit Musik: Vor dem Rheinmetall-Gelände in Unterlüß wurde am Montag demonstriert. Quelle: Oliver Knoblich

Bereits am Samstag hatte Lebenslaute eine Variante seines diesjährigen Programms als Vorkonzert im Unterlüßer Bürgerpark gespielt. Dort erfuhren die 80 Zuhörer, dass ein in der Heide aufgehängtes Veranstaltungsplakat der Musikaktivisten mit folgendem Spruch überklebt worden war: „Es kann der Bravste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Deshalb: Willst du in Frieden leben, sei bestmöglich auf einen Krieg vorbereitet. Und dafür brauchen wir Rheinmetall.“ Lebenslaute hofft, sein diesjähriges Publikum vom Gegenteil überzeugt zu haben. Rheinmetall diene nicht unserer Verteidigung.

Rüstungskonzern wehrt sich gegen Vorwürfe

Dem widerspricht Rheinmetall-Pressesprecher Oliver Hoffmann allerdings entschieden. "Die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit sind wichtige Grundrechte in unserer Demokratie. Mit Produkten für die Sicherheitsvorsorge leistet Rheinmetall auch in Deutschland einen relevanten Beitrag dazu, unsere freiheitliche Grundordnung zu schützen, die unsere Werte und Grundrechte garantiert", sagte er.

Er bat in der Diskussion um Fairness. "Illegale Aktionen lehnen wir entschieden ab. Wir verwahren uns eindeutig gegen falsche Behauptungen und unsachliche Parolen, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema verhindern", so Hoffmann. "Mit unseren Produkten, zum Beispiel für die Bundeswehr, schützen wir diejenigen, die sich in gefährlichen Regionen der Welt für Frieden und Sicherheit engagieren. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, diesen Soldaten die bestmögliche Ausrüstung mit auf den Weg zu geben, damit sie wohlbehalten wieder aus dem Einsatz zurückkehren können." In diesem Sinne würden die Rheinmetall-Mitarbeiter täglich ihr Bestes geben.

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