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Aus dem Landkreis Das bedeutet das Nein zum Naturschutz
Celler Land Aus dem Landkreis Das bedeutet das Nein zum Naturschutz
15:32 09.05.2019
Von Simon Ziegler
Das Allerufer in Winsen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Am Aller-Ufer im Kreis Celle soll ein Landschaftsschutzgebiet (LSG) ausgewiesen werden. Der Umweltausschuss des Kreistags stimmte am Mittwoch nach intensiver Debatte mit 10 zu 6 Stimmen für ein Landschaftsschutz- und gegen ein Naturschutzgebiet (NSG). Das letzte Wort hat der Kreistag. Er wird im Juni eine Grundsatz-Entscheidung treffen.

Knapp 100 Bürger verfolgen Debatte

Selten war das Interesse an einer Sitzung des Umweltausschusses so groß wie am Mittwoch. Die Sitzung der Politiker verfolgten knapp 100 Bürger. Darunter waren viele Landwirte, aber auch Gemeindevertreter aus Winsen und der Samtgemeinde Flotwedel.

Grüne und SPD für Naturschutzgebiet

Die politischen Linien in der Diskussion wurden schnell klar: Grüne und SPD unterstützen das Vorgehen des Landkreises Celle, der entlang der Aller im gesamten Kreis ein Naturschutzgebiet ausweisen will. CDU, FDP, WG und AfD sind dagegen. Sie halten ein Landschaftsschutzgebiet für ausreichend.

Rund um die Aller in Winsen soll ein Landschaftsschutzgebiet entstehen. Quelle: Oliver Knoblich

Landkreis hat nachgebessert

Eingangs der Debatte führte Jan Bergengruen vom Landkreis aus, warum die Verwaltung ein NSG für den richtigen Schritt hält. So habe man in den vergangenen Monaten im Bereich Fischerei, Jagd, Freizeitnutzung sowie Forst- und Landwirtschaft nachgebessert und damit auf die Kritik reagiert, wonach bei den Aller-Plänen zu viele Einschränkungen drohten – für Spaziergänger, Wassersportfreunde und die Landwirte.

Konservativen gehen Pläne zu weit

Doch bei der Mehrheit im Ausschuss konnte die Kreisverwaltung damit nicht punkten. "Müssen wir die Latte wirklich so hoch legen?", fragte Ernst-Ingolf Angermann (CDU). "Naturschutz ist wichtig, aber nur so viel, um EU-Konformität zu erreichen", sagte er. "Wir haben uns in letzter Zeit viel mit Ökologie beschäftigt, aber wenig mit dem ländlichen Raum. Wer die Landschaft schützen will, stellt sie unter Landschaftsschutz", argumentierte Harten Voss (FDP). "Lassen Sie die Verantwortung für die Flächen in den Händen der Landwirte und Eigentümer und nicht in den Büros von Ministerien und Landkreis-Verwaltungen", erklärte Hans-Günter Grunke.

Engagierte Diskussion im Ausschuss

Das produzierte den Widerspruch von SPD-Fraktionschef Mathias Pauls. Ein verantwortungsvoller Umgang der Eigentümer sei eben nicht immer gegeben, sagte er und verwies auf die Nitratbelastung des Grundwassers. Die Haltung der SPD machte Manuela von Butler klar: "Das kulturelle Leben an der Aller kann bei einem Naturschutzgebiet weiter stattfinden", sagte sie, ein NSG sei der beste Weg.

Grüne verweisen aufs Artensterben

Gerald Sommer (Grüne) verwies darauf, dass in den kommenden Jahrzehnten Millionen von Tier- und Pflanzenarten verschwinden werden. Dafür verantwortlich seien die Landwirtschaft, die Fischerei, der Klimawandel. "Es spricht alles dafür, an der Aller ein Naturschutzgebiet auszuweisen", so Sommer.

Einfluss von Lobby-Verband

Inwiefern sich LSG und NSG in der Praxis tatsächlich unterscheiden, bleibt abzuwarten. Denn es wird darauf ankommen, was inhaltlich in der Verordnung konkret drinsteht. Grundsätzlich gilt: Im NSG ist alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist. Im LSG ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Die konservative Ausschuss-Mehrheit setzte durch, dass jetzt eine LSG-Verordnung auf Basis eines Entwurfs erarbeitet werden soll, den der "Verband zum Schutz der Kulturlandschaften im Aller-Urstromtal" erarbeitet hat. Mit anderen Worten: Es sieht so aus, als ob ein Lobby-Verein massiven Einfluss auf das weitere Vorgehen nimmt. Über das Thema dürfte auch in Zukunft hitzig gestritten werden.

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