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Aus dem Landkreis Celle für 2,38 Milliarden vollgedämmt
Celler Land Aus dem Landkreis Celle für 2,38 Milliarden vollgedämmt
17:30 25.07.2011
Foto-Unterzeile - Sanieren, damit die Heizkosten bezahlbar bleiben: Hausbesitzer sollen bessere Anreize für die „Gebäude-Energiewende“ bekommen, fordert die Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“. Quelle: nicht zugewiesen
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Landkreis Celle

„Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?“ Schöner hätte es der Sänger Jupp Schmitz wohl nicht zusammenfassen können für das Thema „Energetische Sanierung von Wohneigentum.“

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Das Pestel-Institut aus Hannover hat dazu jetzt eine Studie für den Landkreis Celle veröffentlicht. „Ziel ist es, das enorme Potenzial, das der Wohnungsbau beim Energiesparen bietet, zu nutzen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Immerhin gingen rund 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf das Konto von Gebäuden.

Die Aussage, dass energetisch gut gedämmte Häuser sinnvoll für alle Verbraucher sind und auch noch der Umwelt nutzen, würde in einer Umfrage wohl 100 Prozent Zustimmung ernten. Interessanter wird das Meinungsbild aber wohl bei der Frage, wer übernimmt die Kosten. Die hat das Pestel-Institut nämlich auch errechnet. 2,38 Milliarden Euro sind demnach notwendig, um die Altbauten im Landkreis Celle auf das „Wärmespar-Niveau“ zu bringen, das nach der Energieeinsparverordnung für Neubauten („Effizienzhaus 100“) vorgeschrieben ist. „Das ist Geld, von dem in erster Linie die heimische Bauwirtschaft profitieren würde“, wirbt Günther. Er rechnet mit mehr als 700 zusätzlichen Jobs im Handwerk.

Was ein wenig unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass die Sanierungen überwiegend von den Hausbesitzern beziehungsweise Mietern bezahlt werden müssen. Und das ist teuer. Der Deutsche Mieterbund Hannover, der die Studie unterstützt hat, ist, wenn es um das Bezahlen geht, auf jeden Fall dagegen, dass Mieter über Gebühr belastet werden. Vier bis sieben Prozent Mieterhöhung hält Geschäftsführer Randolph Fries für das Äußerste. Er fordert mehr Möglichkeiten der Steuerabschreibungen und eine deutliche Aufstockung der Hilfen. Kurzfristig seien mindestens zwei Milliarden Euro an KfW-Fördermitteln jährlich für die energetische Gebäudesanierung notwendig. Mittelfristig sogar fünf Milliarden Euro, so die Initiative, die von Mieterbund, IG BAU, Mauerwerks- und Wohnungsbau-Dachverband sowie Baustoff-Fachhandel getragen wird.

Kreisrat Gerald Höhl, zuständig für den Bereich Bauen, sieht die Studie skeptisch. „Wenn alles saniert würde, wäre das natürlich schön, aber so eine Investition muss sich auch rechnen und nicht erst nach Jahrzehnten für den Hausbesitzer amortisieren“, meinte Höhl.

Verpflichtend solche Sanierungen vorzuschreiben wäre für die Politik heikel und juristisch fragwürdig. Zwar gibt es für Altbauten auch jetzt schon zwingende Vorschriften, doch die sind nicht mit Investitionen von mehreren 10.000 Euro verbunden. Bei einer vollenergetischen Sanierung wäre das aber der Fall. Es würde aus Sicht von Höhl einen „Enteignungsgleichen Eingriff“ stellen, weil viele Hausbesitzer an den Rand des Ruins getrieben würden und ihre Immobilie wohl verkaufen müssten. Es bleibt also bei dem Lied: Wer soll das bezahlen...

Von Tore Harmening