Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Aus dem Landkreis Was Senioren gegen die Einsamkeit hilft
Celler Land Aus dem Landkreis Was Senioren gegen die Einsamkeit hilft
17:11 13.05.2019
Von Carsten Richter
Beratungsstellen wie die Seniorenservicebüros im Landkreis Celle werden künftig noch stärker gefragt sein.  Quelle: Britta Pedersen
Celle

Die Menschen werden immer älter. Diese Tatsache, der demografische Wandel, hat auch Auswirkungen auf die Arbeit des Senioren- und Pflegestützpunkts Celle und die Seniorenservicebüros. Die Beratungsstellen im Landkreis haben viel mehr zu tun als noch vor Jahren – neue Angebote sind gefragt. Über die aktuelle Situation und künftige Herausforderungen haben sich die Servicebüros bei einem gemeinsamen Treffen ausgetauscht. CZ-Redakteur Carsten Richter hat sich darüber mit Silvia Nitsche vom Familien-und Seniorenservicebüro Bergen und Sabine Hantzko vom Seniorenstützpunkt Celle unterhalten.

Bei dem Treffen der Servicebüros wurde deutlich, dass die Beratungs- und Kontaktzahlen zugenommen haben. Worum geht es bei den Gesprächen mit Senioren am häufigsten?

Hantzko: Einsamkeit, mangelnde Mobilität und die Suche nach Freizeitangeboten werden häufig angesprochen. Außerdem geht es oft um Hilfestellungen in Haushalt und Garten. Auch die Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie Wohnberatung spielen eine Rolle.

Silvia Nitsche vom Familien- und Seniorenservicebüro der Stadt Bergen. Quelle: Katharina Hoopmann

Wer wendet sich überwiegend an Sie: die Senioren selbst oder ihre Angehörigen?

Nitsche: Die nach Hilfe suchenden Senioren kommen eher selten persönlich in die Sprechstunden, sondern meist die Angehörigen. Oft sind das die erwachsenen Kinder der älteren Menschen, die selbst noch berufstätig sind und meist auch nicht mehr in der Nähe der Eltern wohnen. Oftmals mehren sich Anfragen nach Feiertagen. Sie melden sich, weil sie bemerkt haben, dass die Eltern einfach mehr Unterstützung bei den alltäglichen Verrichtungen wie Einkaufen, Kochen oder Reinigung der eigenen Wohnung benötigen.

Woran liegt es, dass der Beratungsbedarf zugenommen hat?

Nitsche: Es gibt immer mehr ältere Menschen – und diese werden immer älter. Auch sind die vielfältigen Beratungsangebote bereits einer immer breiter werdenden Öffentlichkeit bekannt und werden immer mehr angefragt. Außerdem sind aufgrund der heutigen Lebensumstände von Familie und Freunden die Unterstützungsmöglichkeiten geringer geworden.

Hantzko: Ein wichtiger Punkt ist auch, dass die meisten älteren Menschen in Ein-Personen-Haushalten leben und entweder niemanden haben oder niemandem zur Last fallen wollen.

Treffen der Celler Seniorenservicebüros: Doris Pohland, Janine Dobson, Sabine Hantzko, Iris Mesenbrink, Simone Welzien, Silvia Nitsche, Katja Bloch und Hannelore Herrmuth (von links). Quelle: Ute Paulick

Welche Folgen hat zu viel Einsamkeit für Senioren?

Hantzko: Sie ziehen sich zurück oder sind traurig gestimmt. Einsame Menschen sind auch anfälliger für Depressionen oder Angstzustände. Im schlimmsten Fall besteht Suizidgefahr.

Welche Angebote gibt es bereits, um der Einsamkeit entgegenzuwirken?

Nitsche: Zum Beispiel wird monatlich ein Senioren-Erzählcafè in Celle in Kooperation zwischen Bürgerstiftung und Mehrgenerationenhaus angeboten. Im Seniorenkino werden ausgewählte Filme gezeigt. Einzelne Gemeinden im Landkreis bieten wiederum eigene Veranstaltungen an. In Bergen werden beispielsweise über das Seniorenservicebüro vor Ort Seniorenbegleiter vermittelt.

Hantzko: Ein neues Angebot ist das Speed-Dating, zu dem der Seniorenstützpunkt gerade zum dritten Mal einlädt. Dies ist speziell gegen Einsamkeit konzipiert worden und soll Kontakte vermitteln – es geht nicht um Partnersuche.

Welche Folgen hat der demografische Wandel für Ihre Arbeit?

Hantzko: Zunächst wird es demnächst immer mehr „Babyboomer“ geben, die in Rente gehen. Wir erhoffen uns dadurch, dass es weiterhin viele Ehrenamtliche gibt, die sich zu Seniorenbegleitern weiterbilden möchten. Gleichzeitig steigt nach und nach die Zahl der Pflegebedürftigen, der Einsamen und der Menschen mit anderem Unterstützungsbedarf. Hier ist Information und Aufklärung wichtig und ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich: weg vom Individualismus hin zu mehr Gemeinschaft.

Was tut sich hier bereits?

Hantzko: Es gibt immer mehr Pflege-WGs, Menschen informieren sich über gemeinschaftliches Wohnen. Die Arbeit von Seniorenservicebüros und des Seniorenstützpunktes wird mit der Zunahme an älteren Menschen immer mehr Bedeutung gewinnen.

Fotostrecke: Was Senioren gegen die Einsamkeit hilft

Was will die SPD hinsichtlich der Ökologie in Europa bewegen? Wo will sie ansetzen, was verhindern? EU-Parlamentarier Bernd Lange beantwortet Fragen.

13.05.2019

Die Celler Kirchen verlieren Mitglieder und müssen mit weniger Geld auskommen. Die Folgen dürften gravierend sein.

Simon Ziegler 11.05.2019

Spargel ist derzeit mal wieder in aller Munde. Vorher aber müssen die edlen Stangen geerntet werden. Die Suche nach Helfern gestaltet sich schwierig.

Carsten Richter 10.05.2019