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Aus dem Landkreis Hilfe, wir werden weniger!
Celler Land Aus dem Landkreis Hilfe, wir werden weniger!
17:45 14.02.2019
Von Simon Ziegler
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Celle

Im Landkreis Celle leben fast 2000 Menschen weniger als vor zehn Jahren. Zählte die offizielle Statistik am 30. Juni 2008 für alle Kommunen im Celler Land 180.646 Menschen, waren es zum Stichtag 30. Juni 2018 genau 178.767. Es wären noch weniger, wenn ab 2015 nicht etliche Flüchtlinge auch ins Celler Land gekommen wären.

Die Entwicklung in den Städten und Gemeinden verläuft sehr unterschiedlich. Es gibt Gewinner und Verlierer. Mehr Einwohner als vor zehn Jahren weist die Statistik für die Samtgemeinden Lachendorf und Wathlingen sowie für Winsen und Wietze aus. Auch Bergen hat heute trotz Britenabzug mehr Einwohner. Anders sieht es in Faßberg und Eschede aus. Die beiden Gemeinden sind nach den Zahlen deutlich geschrumpft.

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Landrat: Kreis steht nicht schlecht da

Landrat Klaus Wiswe betont, dass der Landkreis Celle insgesamt nicht schlecht dastehe. Andere Landkreise in Niedersachsen, zum Beispiel im Harz oder in Südniedersachsen, würden noch viel mehr Einwohner verlieren, sagt Wiswe. Trotzdem gilt auch fürs Celler Land: „Es gibt einen Sog in die Städte, außerdem spüren wir den demografischen Wandel“, so der Landrat. Es würden weniger Babys geboren als Menschen sterben, das sei durch Zuzug nur zum Teil aufzufangen. Allerdings ist eine erfreuliche Entwicklung eingetreten: In den vergangenen Jahren wurden wieder mehr Kinder geboren.

Nord-Süd-Gefälle im Landkreis

Im Kreis Celle sei ein Nord-Süd-Gefälle zu beobachten, führt Wiswe aus. Auf der einen Seite gibt es die bevölkerungsstarken Gemeinden Richtung Hannover, auf der anderen Seite die geringe Bevölkerungsdichte im nördlichen Landkreis. Das liege auch daran, dass größere Arbeitgeber, von Rheinmetall und der Bundeswehr abgesehen, fehlen. „Nicht alle junge Menschen werden im Nordkreis einen Arbeitgeber finden“, so der Landrat. Um die Schere zwischen Süden und Norden nicht weiter auseinanderklaffen zu lassen, nimmt der Landkreis Celle viel Geld in die Hand, um die Infrastruktur zu stärken. Beispiele sind der Celle-Tarif im Bahnverkehr oder der Breitband-Ausbau.

Gute Infrastruktur in Lachendorf

Als Gewinner darf sich Lachendorf fühlen. Die Gemeinde punktet mit ärztlicher Versorgung, schulischen Angeboten und begehrten Wohngebieten. „Der Ort ist für Neubürger sehr attraktiv. Die Infrastruktur ist gut und vor allem das Gymnasium zieht natürlich Bürger an“, sagt Samtgemeindebürgermeister Jörg Warncke. Der Zuzug in den Kernort Lachendorf gleiche den leichten Rückgang in den Mitgliedsgemeinden Ahnsbeck, Hohne, Eldingen und Beedenbostel mehr als aus. „Es ist derzeit auch davon auszugehen, dass der Zuzug noch steigen wird, weil in Lachendorf im Kernort eine Innenverdichtung stattfindet“, so Warncke.

Faßberg einer der Verlierer

Weniger erfreulich ist die Entwicklung in Faßberg. Nach den offiziellen Zahlen der Landesstatistiker hat die Gemeinde in zehn Jahren 841 Einwohner verloren – deutlich mehr als zehn Prozent. Bürgermeister Frank Bröhl verweist indes auf ein statistisches Problem. So seien nach der bundesweiten Census-Erhebung 2011 in vielen Städten und Gemeinden die Einwohnerzahlen korrigiert worden. So habe die Gemeinde Faßberg zuvor weniger Einwohner gehabt als angenommen. Was Bröhl sagen will: In Wahrheit sei der Bevölkerungsrückgang in der Gemeinde weniger dramatisch. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir stabile Zahlen“, so Bröhl.

Stadt Celle will mit Bauland punkten

Auch für die Stadt Celle sieht es nicht gut aus. Heute leben noch 69.518 Menschen in der Allerstadt. 2008 waren es 70.692, also 1174 mehr. „Celle bekommt natürlich den demografischen Wandel zu spüren. Die geburtenschwachen Jahrgänge machen sich bemerkbar“, sagt Oberbürgermeister Jörg Nigge. Aus seiner Sicht habe die Stadt in der Vergangenheit strategisch nicht genug unternommen, dem rechtzeitig entgegen zu wirken. „Jahrelang haben wir mit angesehen, wie junge Familien auch in die Gemeinden des Landkreises gezogen sind. Es fehlte an ausreichend Bauland, Wohnraum- und Betreuungskapazitäten. Das holen wir mittlerweile in kleinen, aber beharrlichen Schritten auf. Mit der Ausweisung neuer Baugebiete wie Im Tale in Groß Hehlen oder dem Blauen Land in Garßen sind wir auf dem richtigen Weg“, so Nigge. Außerdem stocke die Stadt die Kita-Plätze auf. Der OB gibt sich optimistisch: „Ich bin mir sicher, dass wir die Auswirkungen unserer Bemühungen künftig spüren werden – auch anhand steigender Einwohnerzahlen.“

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