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Aus dem Landkreis Wolfsberater nehmen Minister Lies ins Visier
Celler Land Aus dem Landkreis Wolfsberater nehmen Minister Lies ins Visier
18:12 05.02.2019
Von Christopher Menge
Symbolbild: Wolf "GW717m" des Rodenwalder Rudels ist von Umweltminister Olaf Lies zum Abschuss freigegeben. Mehrere Wolfsberater haben sich nun mit offenen Frage an ihn gewandt. Es gibt unter den Wolfsberatern allerdings auch Befürworter der geplanten Tötung. Quelle: Swen Pförtner
Celle

Mit einem offenen Brief haben sich 14 Wolfsberater aus Niedersachsen an Umweltminister Olaf Lies gewandt – sie kritisieren, dass Wolf "GW717m" des Rodenwalder Rudels zum Abschuss freigegeben worden ist. Die Gruppe, zu der auch der Celler Wolfsberater Helge John gehört, hat konkrete Fragen formuliert. Eine Antwort ist das Umweltministerium aber auch auf CZ-Anfrage bisher schuldig geblieben. "Wir halten es für legitim, dass sich ein Teil der Wolfsberater mit Fragen an uns wendet, wollen der Antwort des Ministers aber nicht vorweggreifen", so Pressesprecherin Lotta Cordes.

Alle Mittel ausgeschöpft?

Die Berater verweisen in ihrem Brief auf das Wolfskonzept. Darin steht unter anderem, dass die Entnahme von Wölfen immer das letzte Mittel der Wahl sei und nur in Betracht gezogen werde, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden. "Wann und wo sind welche verbesserten, technischen Schutzmethoden zum Einsatz gekommen?", fragen die Wolfsberater um Helge John.

Wolf "GW717m" hat zwei Mal Rinder gerissen

Darüber hinaus interessiert sie, wie oft der Rüde „GW717m“ tatsächlich als alleiniger Verursacher der Risse per DNA nachgewiesen wurde. Cordes sagte dazu der CZ, dass "der Rüde nachweislich zwei Mal Rinder gerissen hat, die durch den Herdenverband als ausreichend geschützt gelten." In weiteren zwei Fällen im Territorium, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde, aber eine Individualisierung nicht möglich war, gelte "GW717m" als wahrscheinlicher Verursacher.

Wolf reißt Ponys und Alpaka

Insgesamt sei der Rüde nachweislich für etwa 40 getötete Nutztiere verantwortlich. Dabei handelte es sich nach Angaben des Ministeriums überwiegend um Schafe, die teilweise wolfsabweisend gezäunt waren. Betroffen waren aber auch Ponys sowie ein Alpaka. Hinzu kam eine Reihe weiterer verletzter Weidetiere. "Die Ausnahme ist zur Abwendung von Schäden in der Weidewirtschaft erforderlich", betont Cordes.

Die Verfasser des Briefes wollen es aber genauer wissen. "Wie können Sie die im Gesetz geforderten erheblichen Schäden nachweisen? Wie hoch ist der Schaden, wie wurde er bemessen? In welcher Höhe wurden oder werden Billigkeitsleistungen an die Nutztierhalter gezahlt?", fragen sie Minister Lies.

Ferner sei nicht auszuschließen, dass sich der Rüde bereits mit einer Fähe gepaart habe. "Im Falle der Tötung des Rüden wäre die Konsequenz, dass die Fähe die neue Generation Welpen allein aufziehen müsste", heißt es in dem Brief.

"Um Wolf zu schützen, ist es manchmal auch notwendig, einzelne Tiere zu töten"

Ob ein Rudel sein Verhalten ändert, wenn der Leitrüde getötet wird, weiß man auch im Umweltministerium nicht. "Zu der grundsätzlichen Fragestellung sind keine aussagekräftigen Studien mit Bezug auf Wölfe in Deutschland bekannt", sagt Cordes. Durch den Abschuss des auffälligen Wolfes gehe man aber von einem deutlich reduzierten Risiko künftiger Nutztierschäden aus. "Die größte Herausforderung beim Artenschutz für den Wolf besteht darin, die Akzeptanz in der Bevölkerung auch auf dem Lande auf Dauer zu sichern", sagt Cordes. "Das bedeutet unter Umständen auch, einzelne Tiere mit problematischem Verhalten zu entnehmen, bevor sie ihren Nachkommen beibringen, wie Rinder gerissen oder wolfsabweisende Zäune übersprungen werden." Um die Art Wolf zu schützen, sei es also manchmal auch notwendig, einzelne Tiere zu töten.

Kann einzelner Wolf aus Rudel entnommen werden?

Auch Volkhard Pohlmann, der wie John ebenfalls Wolfsberater im Landkreis Celle ist, hält den Abschuss für absolut notwendig. "Was soll noch mehr passieren?", fragt er sich, hält es aber wie seine Kollegen für fast unmöglich, dass ein einzelner Wolf eines Rudels abgeschossen wird. Eine Frage an Minister Lies lautet daher: "Welche optischen Merkmale zeichnen den Rüden aus, dass er zweifelsfrei erkannt werden kann?" Jetzt muss sich der Minister äußern.

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