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Aus dem Landkreis Grippewelle: Ärzten geht Impfstoff aus
Celler Land Aus dem Landkreis Grippewelle: Ärzten geht Impfstoff aus
14:19 13.06.2010
Von Simon Ziegler
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Landkreis Celle

Wie viele Menschen im Kreis Celle den Schweinegrippe-Virus in sich tragen, kann exakt nicht mehr erfasst werden. Bei 90 positiven Fällen blieb gestern Nachmittag die offizielle Statistik des Gesundheitsamtes stehen. Amtsarzt Carsten Bauer sprach von einer „gewissen Untererfassung“. Heißt übersetzt: In Wirklichkeit liegt die Zahl der Infizierten deutlich darüber.

Der Mediziner Dr. Wolfgang Toeller, Sprecher der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Celle, glaubt, dass nur jeder sechste Fall in der Statistik auftaucht. In den meisten Fällen würden die Betroffenen entweder nicht zum Arzt gehen oder es würden entsprechende Abstriche nicht mehr durchgeführt werden. Sollte seine Hochrechnung zutreffen – Toeller beruft sich auf eine Fachtagung der Kinder- und Jugendärzte am Wochenende in Hannover – wären seit Ausbruch der Pandemie im Kreis Celle über 500 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt.

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●Engpässe: Toeller bestätigt, dass der Impfstoff in zahlreichen Arztpraxen nicht in der bestellten Menge vorliegt. Er selbst habe noch gar keine Dosen gegen die Schweinegrippe erhalten. Der Celler Allgemeinmediziner Dr. Jürgen Wolkewitz hat auch keinen Impfstoff mehr zur Verfügung. Er hat jeden Mittwoch einen Impftag eingerichtet. Ob der morgen stattfindet, weiß Wolkewitz selbst noch nicht. „Die Patienten werden gebeten, am Dienstag bei uns anzurufen.“ Eine CZ-Nachfrage in heimischen Arztpraxen ergab aber kein einheitliches Bild. So hatte der Winser Allgemeinmediziner Dr. Werner Lühring gestern noch keinen Engpass. Allerdings haben beide Apotheken, die in der Stadt Celle den Impfstoff von Großhändlern erhalten und an Hausärzte ausliefern, die Verknappung bestätigt.

In Niedersachsen steht die Lieferung einer neuen Tranche von 136000 Impfstoffdosen weiter aus, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover. Die Behörde beklagt bereits seit Ende vergangener Woche eine Verknappung der Impfstoffdosen wegen des plötzlichen „Runs“ Impfwilliger auf die Arztpraxen. Bislang sind von den für Niedersachsen vorgesehenen 4,85 Millionen Dosen erst 388000 eingetroffen.

●Keine Schulschließungen: Während in zahlreichen Kommunen in den vergangen Tagen von Schulschließungen berichtet wurde, geht in den heimischen Einrichtungen der Unterricht regulär weiter. Die Schließung von Klassen oder ganzen Schulen sei nur sinnvoll, wenn ein geordneter Unterricht nicht mehr möglich sei, sagte Amtsarzt Bauer. Dies sei nicht der Fall, wenn lediglich einzelne Schüler betroffen sind, hieß es.