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Aus dem Landkreis 600 Jahre Schulgeschichte
Celler Land Aus dem Landkreis 600 Jahre Schulgeschichte
12:32 09.04.2019
Geschichte zum Anfassen: Die Besucher waren begeistert von dem historisch gestalteten Klassenzimmer. Quelle: Barbara Niemann
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Hermannsburg

Friedel Renner hat sein erstes Zeugnis gefunden im Heimatmuseum Hermannsburg, aus dem Jahr 1946. „Die Vorderseite der Zeugnisse für die jüngeren Schüler wurde von älteren Jahrgängen individuell gestaltet“, erzählt der Hermannsburger. „Das Papier dafür stellte der Flughafen in Faßberg zur Verfügung. Denn in den ganzen Gegend war kein tintenfestes Papier zu finden.“

"Herr Lehrer, ich weiß es!"

Rund 600 Jahre regionale Schulgeschichte auf wenigen Quadratmetern anschaulich zu vermitteln: Dieses Kunststück ist dem Förderkreis Heimatmuseum mit seiner Sonderausstellung „Herr Lehrer, ich weiß es! – Von den Volksschulen bis zur Grundschule Hermannsburg“, die jetzt im gut besuchten Heimatmuseum Hermannsburg, Harmsstraße 3a, eröffnet wurde, eindrucksvoll gelungen.

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Von der Lateinschule bis heute

Von der Gründung erster Lateinschulen für Jungen im Jahr 1400 bis zur heutigen vielfältigen Schullandschaft Hermannsburgs zeigt die Ausstellung mit zahlreichen Exponaten und Zeitzeugenberichten den wechselhaften und spannenden Verlauf der Hermannsburger Schulgeschichte auf.

Zahlreiche historische Schreibhefte

Bis zur Gründung des ersten Lehrerseminars in Hannover im Jahr 1851, im Zuge dessen die Lehrer eine einheitliche Ausbildung erhielten, beschränkte sich der Unterricht auf der Grundlage von Bibel und Katechismus vor allem auf das Schreiben und Auswendiglernen. Zahlreiche historische Schreibhefte, unter anderem in Sütterlinschrift, belegen, welch großer Wert auf eine tadellose Kalligraphie gelegt wurde.

Ein Atlas aus dem Jahr 1901

Hans-Joachim Schilkowski ist Wahl-Hemannsburger. Nach seiner Flucht hat er im Jahr 1946 in dem Heidedorf eine neue Heimat gefunden. „Einige der Bücher, die wir damals retten konnten, begleiten mich bis heute“, sagt er und nimmt einen historischen Schul-Atlas aus dem Jahr 1901 in die Hand.

Der eindrucksvolle Kontrast zwischen damals und heute wird in einem eigens gestalteten Klassenzimmer mit historischer Ausstattung wie Schiefertafel und Tintenfass auf der einen und einem modernen Smartboard auf der anderen Seite besonders deutlich.

Original-Gehrock von Friedrich Fitschen

Hier befindet sich auch die Leihgabe von Margret Sandvoß: Der Original-Gehrock des in der Region sehr bekannten Lehrers Friedrich Fitschen, der ab 1908 in Hermannsburg unterrichtete. Nach ihm ist die ehemalige „Fitschenschule“ an der Celler Straße benannt. „Der Gehrock wurde meiner Schwiegermutter von den Nachfahren des Lehrers überlassen. Wir haben ihn all die Jahre aufbewahrt“, erzählt Sandvoß.

„Das Thema „Von Hand Schreiben“ liegt mir sehr am Herzen"

Karin Peters ist leidenschaftliche Sammlerin von Schreibgarnituren und Tintenfässern, die zum Teil aus England und Frankreich stammen. Sie hat vor einigen Jahren bereits eine eigene Ausstellung organisiert. „Das Thema „Von Hand schreiben“ liegt mir sehr am Herzen. Denn alles, was durch die Hand geht, geht anders in den Kopf“, erklärt sie ihre Leidenschaft.

Es lohnt sich, ein wenig mehr Zeit für die vielen interessanten Exponate mitzubringen, die dem Förderkreis von rund 60 Ausstellern zur Verfügung gestellt wurden. Umso mehr, als „ein Museum doch von jeher etwas mit Muße zu tun haben sollte“, wie der Vorsitzende des Förderkreises, Joachim Webel, bei seiner Eröffnungsrede augenzwinkernd anmerkte.

Mehrere Besuche empfehlenswert

Auch ein zweiter oder dritter Besuch ist empfehlenswert, da aus Platzgründen nicht alle Exponate auf einmal gezeigt werden können. Daher gibt es bei dieser „Ausstellung in Bewegung“ immer wieder Neues zu entdecken.

Die Ausstellung „Herr Lehrer, ich weiß es! – Von den Volksschulen bis zur Grundschule Hermannsburg“ im Heimatmuseum Hermannsburg, Harmsstraße 3a, ist für donnerstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie nach Absprache unter Telefon (05052) 1302 geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Barbara Niemann

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