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Aus dem Landkreis Der lange Weg zum Grünen Abitur (mit Quiz)
Celler Land Aus dem Landkreis Der lange Weg zum Grünen Abitur (mit Quiz)
17:18 07.03.2019
Von Christopher Menge
Das Ziel im Visier: Wer die Jägerprüfung ablegen will, muss seine Fertigkeit an der Waffe unter Beweis stellen. Außerdem gibt es noch eine schriftliche und eine mündlich-praktische Prüfung. Quelle: David Borghoff
Celle

Mathis Niemann aus Kragen ist nicht nur mit der Landwirtschaft auf dem Hof seiner Eltern groß geworden, sondern auch mit der Jagd. „Ich bin schon seit meiner Kindheit dabei“, erzählt der 16-Jährige, der die seit August laufende Jägerausbildung im Landkreis Celle absolviert. Im Mai will er wie die weiteren 23 Kursteilnehmer sein Grünes Abitur ablegen. „Ich habe dann die Möglichkeit, der Jagd zu Hause nachzugehen.“

Schießübungen an den Wochenenden

Michael Fürst von der Jägerschaft Celle, der seit 2014 Obmann für die Jungjägerausbildung ist, freut sich, dass die Nachfrage immer weiter steigt. Und das obwohl der zeitliche Aufwand enorm ist. Seit August treffen sich die angehenden Jäger an jedem Montag und Dienstag im Kommunikationszentrum Scheuen zum Unterricht. An den Wochenende übten die Teilnehmer das Schießen, bis Ende November die Schießprüfung abgelegt wurde. Seitdem lädt Fürst die Teilnehmer an den Wochenenden zu Praxiseinheiten in der Natur ein. „Anders als bei den Jagdschulen fangen wir bei Null an“, sagt Fürst.

Jagdschein ist Voraussetzung

Grundsätzlich gilt: Wer in Deutschland die Jagd ausüben will, muss einen gültigen Jagdschein besitzen. Voraussetzung diesen bei der jeweiligen Unteren Jagdbehörde lösen zu können, ist das Bestehen der Jägerprüfung. Zur Prüfung wird zugelassen, wer spätestens sechs Monate vor der Prüfung das 15. Lebensjahr vollendet hat.

Fürst selber ist seit 1992 Jäger. „Ich komme vom Dorf und habe dadurch einen Bezug zur Natur“, erzählt der Obmann. Der 52-Jährige ist gelernter Berufsjäger und bringt den Teilnehmern mit anderen Jägern das nötige Wissen näher – von der Waffenkunde bis zum Pirschgang, von den Jagdsignalen bis zum Aufbruch und von Straucharten bis zu Tierkrankheiten.

Mit Hund ins Revier

„Ich bin immer viel draußen und interessiere mich für Tiere“, erzählt Sabrina Eichler. Die Hohnerin ist über den Hund zur Jägerausbildung gekommen. „Ich möchte ihn bei der Jagd führen können“, sagt sie. Zudem hat die Hege für die Teilnehmerin einen hohen Stellenwert. „Es war eine total gute Entscheidung, die Ausbildung zu machen“, sagt eine andere Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. „In der Gruppe gibt es einen richtigen Zusammenhalt.“

Jägerausbildung bedeutet viel Arbeit und viel Aufwand

Unterstützung kann auch jeder Teilnehmer gebrauchen, denn die Prüfung hat es in sich. Neben der Schießprüfung, wo die angehenden Jäger den sicheren Umgang sowie die Fertigkeit mit der Büchse und Flinte unter Beweis stellen müssen, werden schriftlich fünf Themenbereiche abgefragt. „Die schriftliche Prüfung dauert etwa vier Stunden“, sagt Fürst. „Außerdem gibt es dann noch eine mündlich-praktische Prüfung im Revier, die einen ganzen Tag dauert. Die Jägerausbildung bedeutet viel Arbeit und viel Aufwand.“

Hier geht's zu den Beispielfragen der Jägerausbildung

Immer mehr Jäger in Deutschland

Und doch ist das Grüne Abitur so beliebt wie lange nicht. Niedersachsen ist im Ländervergleich sogar Spitzenreiter bei der Jägerausbildung. Im vergangenen Jahr legten landesweit 5000 Frauen und Männer die Prüfung ab, das waren etwa ein Viertel der Prüflinge in ganz Deutschland, wie der Deutsche Jagdverband (DJV) mitteilte. Bundesweit machten 2018 fast doppelt so viele Menschen den Jagdschein wie ein Jahrzehnt zuvor. Ein Fünftel der Schüler hat die Prüfung nicht bestanden.

Quelle: Daniel Pracht

Frauenquote liegt bei etwa 25 Prozent

Einer DJV-Befragung zufolge interessieren sich Frauen zunehmend für die Jagd. In den Kursen liege die Frauenquote inzwischen bei knapp einem Viertel, erklärte der Jagdverband. Fürst bestätigt diese Zahlen auch für den Landkreis Celle. Das Durchschnittsalter der Prüfungsteilnehmerinnen liegt bei 35 Jahren, Männer sind 36 Jahre alt. Als Motivation für die Ausbildung gaben gut drei Viertel an, gern in der Natur zu sein. Mehr als die Hälfte sehen die Jagd als wichtigen Beitrag zum angewandten Naturschutz.

Fotostrecke: Der lange Weg zum Grünen Abitur (mit Quiz)

Der nächste Lehrgang

Die Jägerschaft des Landkreises Celle bietet zum Kursbeginn am 16. August die nächste Jungjägerausbildung zum Komplettpreis von 1500 Euro an. Schüler und Studenten bezahlen 1350 Euro. Die Ausbildung wird abends und am Wochenende durchgeführt, sodass auch Berufstätige teilnehmen können. In der Gebühr sind sämtliche Kosten für Unterricht, Lehrbücher, Revierausbildung, Waffenbenutzung, Schießstandmiete, Munition und Tontauben für bis zu zwölf Schießtermine enthalten. Hinzu kommen der Mitgliedsbeitrag für die Jägerschaft Celle, die Kosten für die Teilnahme an einem externen Fallenlehrgang, die Prüfungsgebühr des Landkreises Celle sowie Eintrittsgelder bei Exkursionen. Für weitere Fragen steht der Lehrgangsleiter Michael Fürst per E-Mail an jungjaeger@jscelle.de zur Verfügung. Anmeldungen sind unter www.jaegerschaft-
celle.de möglich.