Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Aus dem Landkreis Rettungsdienst Marquardt gibt auf
Celler Land Aus dem Landkreis Rettungsdienst Marquardt gibt auf
17:48 13.02.2019
Von Christopher Menge
Vor einem knappen Jahr präsentierten die Mitarbeiter von Marquardt Landrat Klaus Wiswe (Mitte) noch stolz ihren neuen Rettungswagen. Nun steht ein Arbeitgeberwechsel an. Die Johanniter, die ab 1. Juli, zuständig sind, müssen die Mitarbeiter übernehmen, wenn diese das wünschen. Quelle: Kimberly Hinrichs
Bergen

Die Johanniter retten künftig im Celler Nordkreis – das steht seit Mittwoch endgültig fest. Der Rettungsdienst Marquardt, der im Vergabeverfahren des Landkreises Celle unterlegen war, hat erklärt, keine weiteren juristischen Schritte zu unternehmen. Zuvor habe sich Marquardt "im juristischen kuriosen Kabinett" von der Vergabekammer Lüneburg bescheinigen lassen müssen, dass sich diese "nicht für zuständig hält, um ein vergaberechtliches Verfahren für den Rettungsdienst überhaupt nachprüfen zu können".

Seit 30 Jahren qualifizierter Rettungsdienstanbieter

"Diese Auffassung ist mit der voraussichtlichen Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofes nicht in Einklang zu bringen", kritisiert Geschäftsführerin Ivonne Marquardt-Hinrichs. "Vor diesem Hintergrund ist es ein örtlicher Zufall, dass es der Firma Marquardt verwehrt ist, die Richtigkeit des Zuschlagsbeschlusses des Landkreises gerichtlich nachprüfen zu lassen." Damit sei es im Ergebnis auch ein Zufall, dass ein qualifizierter Rettungsdienstanbieter, der seit über 30 Jahren im Nordkreis inklusive der Stadt Bergen seine Leistung einwandfrei erbracht hat, der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung stehe.

Europaweite Ausschreibung war nicht nötig

Kritik gibt es aber auch an der Kreisverwaltung. "Es bleibt festzuhalten, dass der Landkreis Celle nicht gezwungen war, den bodengebundenen Rettungsdienst europaweit auszuschreiben", so Marquardt-Hinrichs. Landkreis-Sprecher Tore Harmening hält allerdings dagegen: "Nach fachlicher Beratung durch eine darauf spezialisierte Kanzlei hat der Landkreis in seiner Aufgabe als Träger des Rettungsdienstes entschieden, dass dieses Verfahren die größtmögliche rechtliche Sicherheit bietet."

Johanniter müssen Mitarbeiter übernehmen

Von der Einstellung des Rettungsdienstes sind bei Marquardt 24 Mitarbeiter betroffen. "Die Firma Marquardt hat sich für einen Betriebsübergang entschieden, sodass der neue Auftragnehmer alle Mitarbeiter der Firma Marquardt übernehmen muss, sofern diese das möchten", sagt Harmening. Am Donnerstag will Marquardt-Hinrichs erste Gespräche mit dem Landkreis führen, wie die Übergabe vonstatten gehen soll.

Marquardt fährt weiter Taxi

Die Firma Marquardt wird in Zukunft nur noch mit dem Unternehmensbereich Taxi (sitzende Kranken-, Rollstuhl- und Taxifahrten) bestehen, der wie bisher an der Hermannsburger Straße in Bergen angesiedelt ist.

Beschwerde beim OLG Celle zu teuer

Gegen die Entscheidung der Vergabekammer, das Verfahren nicht zu prüfen, hätte Marquardt noch Beschwerde einlegen können. "Im Hinblick darauf, dass die Verfahrenskosten in der ersten Instanz bereits einen mittleren fünfstelligen Betrag erreicht haben und die Kosten eines Verfahrens vor dem Oberlandesgericht Celle zusätzlich einen sechsstelligen Betrag ausgemacht hätten, sah sich die Firma Marquardt außer Stande, gegen die Entscheidung gerichtlich vorzugehen", sagt Marquardt-Hinrichs.

Verträge mit Johannitern werden unterschrieben

So ist jetzt alles in trockenen Tüchern. In der kommenden Woche sollen die Verträge zwischen dem Landkreis Celle und den Johannitern unterschrieben werden. Ab 1. Juli ist der neue Rettungsdienst dann zuständig.

Die Miet-Höchstsätze für Hartz-IV-Empfänger wurden zum 1. Januar angepasst – nach unten. Grund: Die Mieten seien in vielen Gemeinden gesunken.

Simon Ziegler 13.02.2019

Die CDU will die Verschlechterung im Rettungsdienst nicht hinnehmen und hat einen neuen Vorschlag. Der Krankenwagen aus Beckedorf soll nach Bergen.

Christopher Menge 12.02.2019

Rheinmetall soll seine Waffenexporte in Krisengebiete einstellen: Das forderten die Grünen im Celler Kreistag. Ihre Resolution wurde jedoch abgelehnt.

Carsten Richter 12.02.2019