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Aus dem Landkreis Kameras spüren Waldbrände auf
Celler Land Aus dem Landkreis Kameras spüren Waldbrände auf
15:49 30.06.2010
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Landkreis Celle

„Es wäre gut, wenn wir die Daten schon hätten, aber jetzt ist es nicht so kritisch wie im August“, sagt Helmut Beuke vom Niedersächsischen Forstamt Oerrel. Spätestens Ende Juli sollen 15 von 17 Kameras des automatisierten Waldbrand-Früherkennungssystems (AWFS) ihre Bilder in digitaler Form nach Lüneburg liefern. Die Zeit der Feuerwachtürme, auf denen Forstbedienstete mit Ferngläsern nach Waldbränden suchen, ist dann vorbei.

Beuke ist Projektleiter des AWFS, das 2009 mit zwei Kameras im Landkreis Lüchow-Dannenberg an den Start ging. Die Gesamtkosten von 2,3 Millionen Euro trägt das Landwirtschaftsministerium in Hannover, das die Landesforsten mit der Umsetzung beauftragte. 320000 Hektar Wald sollen überwacht werden.

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Vier Kamerastandorte gibt es im Landkreis Celle, nächste Woche gehen sie in Betrieb. An der Spitze von Mobilfunkmasten an der Justizvollzugsanstalt Salinenmoor, in Wietze, bei Dalle und auf dem Rheinmetallgelände in Unterlüß sind die optischen Sensoren installiert. Die unscheinbaren Kästen drehen sich in Schritten von jeweils zehn Grad und fertigen Schwarzweiß-Aufnahmen an. Per Richtfunk werden die Daten nach Lüneburg geschickt und dort vom Computer ausgewertet. Stellt das System beim Vergleich der Grauwerte mit früheren Aufnahmen Abweichungen fest, schlägt es Alarm.

Dann kommen die Forstwirte zum Zug, die dort in drei Schichten vor Computer-Monitoren ihren Dienst tun. Sie können die Aufnahmen vergrößern und müssen dann entscheiden, ob die Kamera tatsächlich Rauch entdeckt hat, oder ob es sich um Staub von Erntefahrzeugen oder den Wasserschleier einer Feldberegnung handelt. Luftverwirbelungen durch Windkraftanlagen kann die Software ausblenden

Zwischen 100 und 150 Meldungen pro Tag spuckt das System aus. „Davon sind 99,9 Prozent falsch“, sagt Beuke. Die Sensorstandorte sind so gewählt, dass in 90 Prozent der Fälle Kreuzpeilungen möglich sind, also Bilder einer zweiten Kamera zur Entscheidung herangezogen werden können.

Erkennen können soll das System eine Rauchfahne von zehn mal zehn Metern über eine Entfernung von 15 Kilometern. „Wir rechnen sogar mit 20 Kilometern“, sagt Beuke. Die seit Juni 2009 im Landkreis Lüchow-Dannenberg eingesetzten Kameras meldeten den Brand eines Autos in Sachsen-Anhalt sogar über 30 Kilometer Entfernung. Und aus Brandenburg und Sachsen kennt Beuke Fälle, wo die automatische Branderkennung über 50 bis 60 Kilometer funktionierte.

Die laufenden Kosten des Systems hängen nach Beukes Kosten stark von der Witterung ab. Bei einem Sommer wie 2003 können im Jahr bis zu 180000 Euro auflaufen, wird es nicht so heiß, könnten 100000 Euro reichen. Das Personal stellen die Niedersächsischen Forstämter.

Allein die Pflege der Anlagen schlägt mit 50000 Euro zu Buche. „Das System muss ein Mal pro Jahr durchgecheckt werden“, sagt der Projektleiter. Die laufenden Kosten sollen auf die Waldbesitzer umgelegt werden. Das sind vor allem Land und Bund, aber auch große Privatwaldbesitzer werden zur Kasse gebeten.

Von Joachim Gries