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Aus dem Landkreis So viele Mitglieder verliert die Kirche jährlich
Celler Land Aus dem Landkreis So viele Mitglieder verliert die Kirche jährlich
15:00 11.05.2019
Von Simon Ziegler
Celle

Weniger Mitglieder, weniger Geld, weniger Mitarbeiter: Auf die Kirchen im Kreis Celle kommen gewaltige Veränderungen zu. „Wir verlieren jährlich in unseren 30 Kirchengemeinden 1200 Mitglieder“, sagt Kirchenkreis-Sprecher Uwe Schmidt-Seffers. Das sei das Ergebnis des demografischen Wandels, der Austritte und der rückläufigen Taufquote. Sein Befund: Jedes Jahr geht eine halbe Gemeinde verloren. Die evangelische Kirche in Celle hat noch 76.000 Mitglieder.

Mitgliederzahlen werden sich halbieren

Damit stehen die Celler Protestanten keineswegs alleine da. Die Mitgliederzahlen der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland werden sich bis 2060 gegenüber heute nahezu halbieren. Auch die Kirchensteuer-Einnahmen werden in 41 Jahren nur noch für die Hälfte der heutigen Ausgaben reichen. Das sind Ergebnisse einer von den Kirchen bei der Universität Freiburg in Auftrag gegebenen Studie.

"Unsere Kirche wird kleiner"

Man stelle sich seit Mitte der 90er Jahre darauf ein, dass „unsere Kirche kleiner wird“, wie Schmidt-Seffers sagt. Schon in der Vergangenheit gab es reduzierte Stellen für Pastoren. Pastorenehepaare haben sich in Gemeinden, in denen noch bis Anfang der 2000er Jahre zwei Pfarrstellen angesiedelt waren, reduzierte Stellen geteilt. „Viele Veränderungen hat unser Personal durch erhöhten Einsatz abgepuffert, das geht von den Pastoren über die Diakoninnen bis zur Pfarramtssekretärin“, so der Kirchenkreis-Sprecher. Und auch bei der Kirche gibt es Fachkräftemangel. Schon jetzt sei klar, dass es bald nicht mehr genügend junge Pastoren gebe. „Wir werden uns auf längere Vakanzen in den Gemeinden einstellen müssen.“ Er schlägt vor, dass es für Quereinsteiger leichter werden soll, den Pfarrberuf zu ergreifen.

Die Kirchen müssen den Gürtel enger schnallen. Quelle: Ulrich Frassl

Gemeinden schließen sich in Regionen zusammen

Wie die Kirche in Zukunft aussehen wird, ist völlig unklar. „Ich bin mir sicher, dass die Gemeinden als örtliche Gemeinschaften bestehen bleiben, man wird sich aber vielleicht mit der Nachbargemeinde einen Pastor teilen. Oder Gemeinden schließen sich in Regionen zusammen und schaffen Teampfarrämter, in denen zwei oder mehrere Theologen gemeinsam mehrere Gemeinden begleiten“, sagt Schmidt-Seffers. Die größten Probleme erwartet er auf dem Land. Es werde dort immer schwieriger, Pfarrstellen zu besetzen. „Wie in anderen Berufsfeldern sind die städtischen Regionen auch bei den Pastoren bevorzugt“, so Schmidt-Seffers. Aber: Der Mitgliederverlust betreffe alle Kirchengemeinden. „Auch dort, wo Kirchengemeinden moderne Gottesdienste feiern, offene Türe haben und so menschenfreundlich sind, wie man sich das wünscht, verlassen Menschen die Institution Kirche“, fasst der stellvertretende Superintendent die Lage zusammen.

Klar ist: Die Kirche muss sparen. Gegenwärtig ist in vielen Gemeinden das Gebäudemanagement großes Thema. Überschüssige Immobilien werden verkauft oder umgenutzt.

Ähnliche Probleme bei katholischer Kirche

„Die katholische Kirche im Kreis Celle wird ihren Anteil an den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen haben. Ich rechne mit sinkenden Zahlen bei Kirchenmitgliedschaft, Kirchenbesuch, aber auch Steuereinnahmen“, sagt Guido Busche, Dechant des katholischen Dekanats Celle. Doch Ziel von Kirche sei nicht zuerst, für möglichst viele Menschen da zu sein, sondern gut für die Menschen da zu sein. „Das wird weiterhin gewährleistet sein.“

Personalmangel ist großes Thema

Auch er hat das Thema Personalmangel im Blick: „Schwerwiegender noch als der Verlust von Mitgliedern und Steuereinnahmen wird sich der drastische Rückgang an hauptamtlichen Mitarbeitern auswirken – sowohl bei Priestern als auch bei Gemeindereferenten und anderen kirchlichen Berufen. Dies führt zu noch mehr Belastung der Ehrenamtlichen.“

14.000 Katholiken im Kreis Celle

Eine Zusammenlegung von Kirchengemeinden sei nicht geplant. Das Bistum Hildesheim habe kürzlich einen Personalschlüssel für die Zeit von 2025 bis 2030 veröffentlicht. Darin bleibe der jetzige Bestand an Kirchengemeinden und Kirchen im Kreis Celle erhalten, so Busche. Derzeit gehören 14.000 Katholiken zu den vier Kirchengemeinden im Kreis. „Die Kirchengemeinde St. Ludwig in der Innenstadt ist schon immer die größte katholische Gemeinde im Kreis Celle gewesen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Gemeinde in Hambühren profitiert vor allem von der Präsenz des katholischen Kindergartens. Am schwierigsten ist die Situation in Bergen/Hermannsburg, da diese Gemeinde seit zwei Jahren keinen eigenen Pfarrer oder Hauptamtlichen vor Ort hat“, so der Dechant.

Wie lassen sich Synergieeffekte erzielen?

Ein Weg für die katholische Kirche sei das Konzept des „Pfarreiübergreifenden Personaleinsatzes“. Ein Team von Priestern und Mitarbeitern kümmert sich gemeinsam um die Belange aller vier Kirchengemeinden. „Das lässt den Gemeinden ihre Eigenständigkeit und kann in vielen Bereichen Synergieeffekte erzeugen“, so Busche.

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