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Aus dem Landkreis Liebestolle Rehe überqueren auch Straßen
Celler Land Aus dem Landkreis Liebestolle Rehe überqueren auch Straßen
16:51 21.07.2011
In der Paarungszeit hetzt der Rehbock die Ricke mitunter stundenlang - auch über Straßen. Quelle: Jürgen Borris
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Landkreis Celle

Knapp 215.000 Rehe starben in der vergangenen Jagdsaison auf Deutschlands Straßen, das war rund ein Fünftel der 1,15 Millionen Rehe, die nach der Jagdstatistik auf nicht natürliche Weise verendeten. Allein im Bereich des Hegerings Flotwedel gab es im vergangenen Jahr 145 Kollisionen mit Rehwild, im Jahr zuvor waren 107 gezählt worden. Vor allem jetzt in der Paarungszeit ist auch am Tage auf den Straßen mit Rehen und Rehböcken zu rechnen.

Die Paarungszeit, die bei anhaltendem heißen Wetter beginnt, bedeutet Gefahr für die Autofahrer, warnt der Deutsche Jagdschutzverband (DJV). Denn ist der Rehbock auf Brautschau, treibt er seine Verehrte auch tagsüber oft kilometerweit durch Wald, Flur und über Straßen. Eine schweißtreibende Angelegenheit zwar, doch lassen ihn die vom Menschen geschaffenen Verkehrsregeln kalt – die Unfallgefahr steigt.

Ihren Höhepunkt erreicht die Paarungszeit der Rehe nach Angaben des DJV im Juli und August. Der Verband rät daher, ab jetzt und in den kommenden Wochen auch tagsüber mit verstärktem Wildwechsel zu rechnen. Zudem appellieren die Jäger an das Verantwortungsbewusstsein der Autofahrer, insbesondere auf Landstraßen entlang der Wald-Feld-Grenzen mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Und nicht ohne Grund stehen an den Straßen auch im Landkreis Celle Schilder, die auf Wildwechsel hinweisen.

Auch die Niedersächsischen Landesforsten weisen auf die Paarungszeit des Rehwildes hin, die seit einigen Tagen läuft. Das sonst so scheue Reh sei in dieser Zeit sehr aktiv und könne auch am Tage besser von aufmerksamen Besuchern in den Feldern

und Wäldern beobachtet werden. Die von den Jägern so genannte Blattzeit ist noch bis Mitte August zu beobachten.

Das Paarungsverhalten des Rehwildes zeichnet sich durch ein stundenlanges Treiben der weiblichen Tiere durch den männlichen Rehbock aus, bis schließlich die Ricke oder das Schmalreh dem männlichen Charme erliegen. Das Treiben findet häufig in kreisförmigen Bahnen statt, hierdurch können im Getreide die bekannten „Hexenringe“ entstehen.

Das Rehwild, insbesondere die Rehböcke, verlieren im Zuge ihres hohen Hormonspiegels vielfach die sonst so typische Scheu und Vorsicht. „Die Niedersächsischen Landesforsten bitten deshalb die Autofahrerinnen und Autofahrer um besondere Rücksicht beim

Durchfahren von Waldbereichen. Hier gilt vor allem: Dem ersten Reh folgt sicher noch ein zweites!“ sagt Stefan Fenner, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten.

Die beschlagenen (begatteten) weiblichen Ricken und Schmalrehe zeigen eine besondere Art der Schwangerschaft, denn das befruchtete Ei unterliegt bis Dezember einer biologischen Ruhephase. Hierdurch stellt die Natur sicher, dass die jungen Kitze nicht im

Winter, sondern im warmen und nahrungsreichen Frühjahr gesetzt werden. In der Regel werden die meisten Kitze Ende Mai und Anfang Juni geboren.

Von Joachim Gries