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Aus dem Landkreis Was blüht uns dieses Jahr?
Celler Land Aus dem Landkreis Was blüht uns dieses Jahr?
06:00 17.04.2019
Von Carsten Richter
Gelb so weit das Auge reicht: Dieser Anblick wird immer seltener. Der Anbau von Rapspflanzen geht weiter zurück.  Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Celle

Leuchtend gelbe Rapsfelder und dazu ein makellos blauer Himmel – mehr Frühling geht nicht. In der Zeit von Ende April bis weit in den Mai hinein verwandelt der Raps für gewöhnlich die Landschaft in ein farbenfrohes Blütenmeer. Doch die Freude an der gelben Pracht wird in diesem Jahr getrübt. Der Rapsanbau ist stark rückläufig, so der allgemeine Trend. Auch im Landkreis Celle ist diese Entwicklung zu beobachten. Wer sich also schon auf blühende Landschaften gefreut hat, dürfte diesmal enttäuscht werden. Doch der Rückgang der Rapsblüte hat noch weitaus mehr Folgen – für die Anbauer, aber auch für die Imker.

"Stimmung ist miserabel"

Auch Hans-Gebhard von der Wense aus Eldingen muss sich etwas einfallen lassen. Seit 1984 hat die Familie jedes Jahr Raps angebaut, sein Vater hatte damit angefangen. Doch das ist nun vorbei. „Meine Stimmung ist miserabel, der Rapsanbau wird immer schwieriger“, sagt von der Wense auf CZ-Anfrage. In diesem Jahr wächst erstmals kein Raps auf seinen Feldern.

Neonikotinoide verboten

Dass es der Raps so schwer hat, hat mehrere Gründe. Genau genommen, ist es eine ganze Gemengelage. Eine Ursache: Mehrere sogenannte Neonikotinoide, die jahrelang zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurden, hat die Europäische Union zum Schutz von Bienen und anderen Nützlingen verboten. Schon eine niedrige Dosierung der hochwirksamen Insektiziden kann Experten zufolge Insekten lähmen oder sogar töten.

Wie hier bei Wohlde hat der Raps in den vergangenen Jahren das Celler Land im Frühjahr in ein gelbes Blütenmeer verwandelt.  Quelle: Peter Müller (Archiv)

Spritzmittel schon „unter Beschuss“

Problematisch ist jedoch, dass mehrere Käfer, darunter der Rapsglanzkäfer, den Blüten Schaden zufügen – und gegen diese Schädlinge gibt es kaum ein Mittel, das so wirksam ist wie die Beizmittel-Neonikotinoide. Bei den Bekämpfungsmitteln gibt es allerdings Unterschiede. „Nicht verboten sind die Spritzmittel-Neonikotinoide. Sie sind ungefährlich für Bienen, allerdings auch viel schwächer in der Wirkung“, erläutert Dieter Hübner, Berater in der Zweigstelle Steinhorst der Deutschen Saatveredelung. Die Spritzmittel stünden jedoch auch schon „unter Beschuss“, weiß der Experte. Seine Befürchtung: Sollten sie auch noch verboten werden, sähe es für den Rapsanbau künftig noch schlechter aus. Gegen Bodenschädlinge wie die Kohlfliegenlarve hätten ohnehin nur die inzwischen verbotenen Beizmittel geholfen. „Zu denen gibt es kaum Alternativen“, sagt Hübner.

Anbau rentiert sich nicht

Dabei ist das Verbot der Neonikotinoide noch nicht einmal der einzige Grund, der den Anbau der Pflanzen erschwert: „Raps passt nicht in die Fruchtfolge auf unseren Böden“, sagt von der Wense. Aufgrund von Bodenreaktionen schade er den Kartoffeln, die nach dem Raps angebaut würden. Außerdem sei er anfällig für Pilze, so der Landwirt. Hinzu kommt: Die geringere Nachfrage treibt die Preise für Raps in den Keller – auch wirtschaftlich rentiert sich der Anbau nicht.

Werden 1000 Hektar erreicht?

Dass folgerichtig immer weniger Raps im Kreis Celle blüht, kann Kreislandwirt Jürgen Mente mit Zahlen belegen: „In guten Jahren wurden landkreisweit 1600 Hektar Raps angebaut. Die Fläche ist in den vergangenen Jahren auf 1300 Hektar zurückgegangen“, so Mente. „Wir hoffen, in diesem Jahr auf mehr als 1000 Hektar zu kommen.“

Vor Jahren Streit um Plätze für Raps

Wo kein Raps blüht, gibt es auch keinen Rapshonig – somit sind auch die Imker von dem nachlassenden Anbau betroffen. „Für sie ist das sehr bedauerlich“, sagt Mente, der selbst auch Bienen hat. Nicht jeder hat das Glück, sich mit seinen Bienenvölkern einfach einen anderen Standort zu suchen. „Hier wurde sich um die Plätze für Rapsanbau gestritten, dem bin ich aus dem Weg gegangen“, erzählt Udo Kellner.

Weiter im Norden sieht's besser aus

Der Hobby-Imker aus Eldingen hält Bienen seit 62 Jahren, die Grundlagen für sein Hobby hat er am Celler Institut für Bienenkunde gelernt. Seit 25 Jahren fährt er mit seinen Bienen nach Fehmarn und lässt sie dort fliegen – aufgrund besserer Bodenverhältnisse ist der Anbau in Schleswig-Holstein noch konstant. „Dort passt der Raps zur Fruchtfolge“, sagt Kellner. Im Kreis Celle gebe es überwiegend Blühflächen für Sommerhonig. Standimker hätten es da deutlich schwerer als er, weiß der Eldinger.

Landwirt von der Wense hat unterdessen von Raps zum Anbau von Grassamen und Roggen gewechselt. „Die Pflanzen sind robuster und passen besser in unsere Gegend.“

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