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Aus dem Landkreis "Dann machen wir die Lichter aus"
Celler Land Aus dem Landkreis "Dann machen wir die Lichter aus"
06:24 24.04.2019
Von Simon Ziegler
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Celle

CELLE. Viele Landwirte haben Angst vor einem neuen Dürre-Sommer. Nachdem die Erträge im vergangenen Jahr wegen Hitze und fehlenden Regens schlecht ausgefallen waren, wachsen die Sorgen vor einer weiteren Hitzeperiode. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Kreislandwirt Jürgen Mente. Dabei ist es erst Ende April.

Dürfen Bauern nicht mehr so viel beregnen?

Jetzt droht ein weiteres Problem: Der Landkreis Celle prüft Beschränkungen bei der Beregnung aus Grundwasserbrunnen. „Im vergangenen Jahr wurde wegen der langen Trockenperiode in vielen Landkreisen sehr viel beregnet, wodurch die erlaubte Wassermenge auch in einigen Gebieten des Landkreises Celle überschritten wurde“, sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening. Deshalb müsse jetzt im Zuge eines Antragsverfahrens geprüft werden, welche Wassermengen aktuell noch zur Verfügung stehen, um auch dieses Jahr in den betroffenen Gebieten eine Beregnung zu ermöglichen.

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"Wir brauchen dringend Regen", sagt der Kreislandwirt. Quelle: Oliver Knoblich

Behörden überwachen Wassermengen

Die Anträge, wie viel Wasser entnommen werden darf, stellen die Oberberegnungsverbände. Die Mengen werden wiederum von den Wasserbehörden zugeteilt und überwacht. Derzeit dürfen im Kreis Celle 19 Millionen Kubikmeter Grundwasser für die Feldberegnung entnommen werden. Diese Gesamtmenge verteilt sich zu unterschiedlichen Teilen auf die einzelnen Beregnungsverbände. In manchen Jahren darf die Zahl auch überschritten werden, so lange im Lauf der Jahre wieder ein Ausgleich erzielt wird, heißt es beim Landkreis.

Grundwasserspiegel ist noch stabil

Der Grundwasserspiegel in Niedersachsen soll laut Experten noch nicht dramatisch zurückgegangen sein. Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung gibt es auch noch nicht, heißt es. Ein stabiler Grundwasserspiegel gilt aus Umweltschutzgründen aber als wichtig. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Landwirte. Vor allem in den sandigen Heidegebieten, wo der Boden kaum Wasser speichert, sind die Bauern auf künstliche Beregnung angewiesen. Im Kreis Celle gibt es 42.000 Hektar Ackerland, davon können 38.000 Hektar beregnet werden. „Wenn wir nicht mehr beregnen, können wir die Lichter ausmachen“, sagt Kreislandwirt Mente, „dann kann man keinen vernünftigen Ackerbau mehr betreiben“.

Die meisten Äcker im Kreis Celle können künstlich beregnet werden.

Regional könnte es Landwirte unterschiedlich treffen

Martin Albers, Geschäftsführer beim Oberverband Feldberegnung, sagt, dass sich die Grundwasserstände bisher langfristig immer erholt hätten. Man sei mit dem Landkreis im Dialog. Wie viel am Ende weniger beregnet werden darf, könnte regional sehr unterschiedlich ausfallen. Albers schätzt, dass es um 10 bis 40 Prozent weniger geht. „Die Landwirte bauen das an, was die Verbraucher haben wollen. Ohne Beregnung geht das nicht“, gibt er zu bedenken. Der Wasserverbrauch der einzelnen Landwirte wird nach seinen Angaben nicht kontrolliert. Es werde aber überprüft, ob die Beregnungsverbände ihre Mengen einhalten.

Weiteres Dürre-Jahr schwer zu verkraften

Klar ist, dass ein weiteres Dürre-Jahr die Landwirtschaft hart treffen würde. Nach dem Rekordsommer 2018 hatten 50 Landwirte aus dem Kreis Celle staatliche Dürre-Hilfen beantragt. Insgesamt wurden in Niedersachsen und Bremen wegen der Einbußen rund 4600 Anträge eingereicht. Im Hilfstopf liegen 35,6 Millionen Euro bereit.

In Niedersachsen war 2018 vom zweitheißesten Sommer seit 1881 die Rede. Die Erträge bei Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben waren deutlich zurückgegangen. Besonders stark betroffen waren Landwirte, die Futter für ihre Tiere benötigten, weil kaum Gras wuchs.

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