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Aus dem Landkreis Darum ist Wasser in Deutschland nicht gefährdet
Celler Land Aus dem Landkreis Darum ist Wasser in Deutschland nicht gefährdet
18:10 21.03.2019
Roh- und Reinwasser kann man im Wasserwerk Eschede probieren. Quelle: Alina Meier
Eschede

Wer in Deutschland den Wasserhahn aufdreht, muss sich in der Regel keine Sorgen machen, was dort aus der Leitung kommt. Erst wenn man zum Beispiel eine große Urlaubsreise Richtung Süden plant, fängt man an, sich Gedanken über die Qualität des Leitungswassers zu machen. Wer dort nicht aufpasst, kann leicht seine Gesundheit gefährden. Warum können wir uns aber in Ländern wie Deutschland ohne Bedenken auf die hohe Trinkwasserqualität verlassen? Ein Blick hinter die Kulissen der Wasserwerke im Celler Landkreis gibt Aufschluss über den Weg des Wassers aus über 70 Meter tiefen Bodenschichten bis zu uns nach Hause.

Bei Wasserwerken gibt es Übergangsgebiete

Das Stadtgebiet Celle wird von den Stadtwerken (Kasten unten) durch das Wasserwerk in Garßen mit Wasser versorgt. Außerdem gibt es die Übergangsgebiete der Samtgemeinden Wathlingen und Flotwedel, die von den Stadtwerken zusammen mit der SVO Energie GmbH versorgt werden.

Christiane Poestges vor der Belüftungsanlage des Escheder Wasserwerks. Quelle: Alina Meier

Die SVO verfügt über sechs Wasserwerke

Die SVO ist Trinkwasserlieferant für den Landkreis Celle, mit insgesamt sechs Wasserwerken. Eines davon steht in Eschede und versorgt unter anderem die Einwohner von Lachendorf. Direkt auf dem Gelände stehen drei Brunnen, was nicht die Regel sei, erklärt Eschedes Wassermeister Thorsten Graeber. Zum Beispiel stehen die Brunnen in Unterlüß teils drei Kilometer weit vom Wasserwerk entfernt, eingezäunt im Wald. In Eschede ist immer nur ein Brunnen auf einmal aktiv, der sich nach Bedarf ein- und ausschaltet. „Bis so ein Brunnen gebaut werden kann, vergehen Jahre“, berichtet Graeber. Vorher müssen über einen längeren Zeitraum regelmäßig etliche Proben entnommen werden. Solche Proben werden dann auf gewisse Grenzwerte überprüft und nur wenn diese nicht überschritten werden, kann eine Brunnenbohrung genehmigt werden.

Rohwasser hat hohe Qualität

Die Brunnen in Eschede reichen wegen des tiefen Grundwasserspiegels bis zu 100 Meter in den Boden, was die hohe Qualität des Rohwassers sicherstellt und einen negativen Einfluss der Landwirtschaft ausschließt.

Wasser wird belüftet

Nachdem die auf 50 Meter Tiefe liegenden Pumpen das Grundwasser nach oben befördert haben, durchläuft es eine zweistufige Filterung. In der ersten Stufe werden Eisen und Mangan aus dem Rohwasser gefiltert. Zuvor wird das Wasser noch mit Sauerstoff belüftet, damit die Metallionen aufflocken und herausgefiltert werden können. Ein höherer Eisengehalt im Leitungswasser wäre nicht gesundheitsschädlich, betont Graeber. Allerdings würde die weiße Wäsche in der Waschmaschine irgendwann braun werden und es würden sich Ablagerungen, zum Beispiel in der Dusche, bilden. In der zweiten Filterstufe findet eine Entsäuerung statt, das heißt der PH-Wert des Wassers wird mit Hilfe von Kalkgestein angehoben.

Wassermeister Thorsten Graeber bei der Arbeit. Quelle: Alina Meier

Reinwasserbehälter speichern das Wasser

Danach läuft das Wasser in Reinwasserbehälter. Davon gibt es in Eschede zwei, mit jeweils 1000 Kubikmetern Speichervolumen. In einem Wasserwerk werden immer Reserven gebraucht, „zum Beispiel falls die Feuerwehr im Ernstfall auf einen Hydranten zugreifen muss“, sagt Graeber. „Solche Verbrauchsspitzen müssen immer abgedeckt werden können.“

Bei Fußballspielen geht Verbrauch hoch

Im Wasserwerk kann immer digital der aktuelle Stand abgelesen werden und auch wie hoch der Verbrauch in der Vergangenheit war. Dabei lassen sich dann meist schnell Zusammenhänge herstellen. „Wenn ein großes Fußballspiel im Fernsehen läuft, können wir hier genau an den Messungen ablesen, wann Halbzeit, Verlängerung und Spielende ist“, berichtet Christiane Poestges von der Unternehmenskommunikation der SVO. Dann werden so viele Toilettenspülungen gleichzeitig betätigt, dass der Graph auf dem Monitor im Wasserwerk einen deutlichen Sprung nach oben macht. „Was wir auch jeden Sonntag wieder beobachten können, ist der kurzzeitige Verbrauchsanstieg, wenn um viertel vor zehn der Tatort vorbei ist“, sagt Poestges schmunzelnd. „Wenn es mal wieder spannend war, will natürlich keiner mittendrin ins Badezimmer gehen. Da warten alle bis zum Schluss und machen sich dann erst fertig fürs Bett.“

Gefilterte Wasser wird permanent kontrolliert

Zu der Versorgung in Zukunft meint Poestges ganz klar: „Wir sehen keine Tendenz, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet ist, weder in Quantität noch in Qualität.“ Um die Qualität zu prüfen, wird das gefilterte Wasser je nach Netzabgaben ungefähr alle zwei Wochen vom Gesundheitsamt kontrolliert. „Wasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel“, bestätigt auch Wassermeister Graeber. Ein Beispiel dafür ist: Nachdem die Reinwasserbehälter jedes Jahr komplett gereinigt worden sind, muss direkt wieder eine Probe ausgewertet werden.

Wasser erhält die Lebensqualität

Obwohl es in Deutschland keine Probleme bei der Wasserversorgung gibt, ruft Poestges dazu auf, schonend mit dem essentiellen Gut umzugehen: „Wasser ist einfach Voraussetzung, um die Lebensqualität zu erhalten.“ In einem extremen Szenario, in dem jeder maßlos Wasser verschwenden würde, könnte im schlimmsten Fall der Grundwasserspiegel beeinflusst werden und somit der Wasserkreislauf aus dem Gleichgewicht geraten.

"Jeder Einzelne hat Einfluss"

Am Weltwassertag war es Poestges wichtig, dass die Bedeutung und der Umgang mit Wasser bewusster gemacht werden. Vielen sei nicht klar, dass auch sie mit ihrem persönlichen Wasserverbrauch einen Einfluss haben. „Aber wenn man sich die Verbrauchsspitzen nach dem Tatort anschaut, merkt man: Es hat doch jeder Einzelne Einfluss.“

Der Weltwassertag

Der Weltwassertag wird seit 1993 begangen und soll darauf aufmerksam machen, das Wasser das kostbarste Gut der Erde ist und Menschen in mehr als 30 Ländern der Erde unter Wassermangel leiden. So informiert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

80 Prozent aller Krankheiten in armen Ländern gehen auf verschmutztes Trinkwasser zurück, weshalb das Bundesentwicklungsministerium dazu beiträgt, die Situation in Entwicklungsländern zu verbessern.

Der Weltwassertag 2019 steht unter dem Leitthema „Niemand zurücklassen- Wasser und Sanitärversorgung für alle“.

In jedem Jahr wird auch ein „Gewässertyp des Jahres“ gewählt, in diesem Jahr ist es „Das große Nordseeästuar“. Ein Ästuar ist eine trichterförmige Flussmündung, von denen es in Deutschland drei gibt. Dabei handelt es sich um die Mündungsbereiche von Ems, Weser und Elbe in die Nordsee. „Die Wahl des Nordseeästuars zum Gewässertyp des Jahres verdeutlicht dessen ökologische Bedeutung und Schutzwürdigkeit“, betont Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg.

Stadtwerke sind für Celle zuständig

Ein 420 Kilometer langes Transport- und Weiterleitungsnetz versorgt die Bürger im Stadtgebiet Celle. Dass hier ein einwandfreies Qualitätsprodukt aus der Leitung kommt, kann Thomas Edathy, Geschäftsführer der Stadtwerke Celle, bestätigen. Schon das Grundwasser habe nahezu Trinkwasserqualität. „Im Bereich Wasser werden jedes Jahr mehrere Millionen Euro in Celle investiert, um zum Beispiel Wasserleitungen, Pumpen und Filter zu warten und zu modernisieren“, erläutert Edathy. Außerdem müssen ungefähr alle neun Jahre die Wasserzähler erneuert werden. Dass bedeutet, dass die Stadtwerke jedes Jahr bis zu 3000 Zähler ausgewechseln. Das
zuständige Wasserwerk steht in Garßen mit insgesamt 16 Brunnen, die ungefähr 70 Meter in die Tiefe reichen. Bis zu 1500 Kubikmeter Wasser können hier in einer Stunde aufbereitet werden. Dass in Zukunft das Grundwasser nicht knapper werden wird, kann Edathy bezeugen: „Wir haben jedes Jahr das 40-fache an Grundwasserneubildung von dem, was entnommen wird.“ Um einen Mangel im Grundwasservorrat zu bekommen, müsse es schon einige Jahrzehnte keinen Regen geben.

Von Marte Michaelis

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