Wie sich Kitas in Stadt und Kreis Celle auf Normalbetrieb vorbereiten
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Aus dem Landkreis Wie sich Kitas auf Neustart vorbereiten
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Wie sich Kitas in Stadt und Kreis Celle auf Normalbetrieb vorbereiten

10:45 12.06.2020
Von Simon Ziegler
Hygiene wird in den Kindergärten groß geschrieben. Mehrmals Händewaschen gehört zum Corona-Alltag, wie hier im Spatzennest in Wathlingen. Quelle: David Borghoff
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Celle

Die Kita Spatzennest in Wathlingen fühlt sich für den Neustart gerüstet. "Dieses Mal haben wir einen Vorlauf. Das ist machbar", sagt Kita-Leiterin Stefanie Neumann. "Wir freuen uns alle, dass die Kinder wiederkommen." Die Kitas haben rund eineinhalb Wochen Zeit, um den Quasi-Normalbetrieb vorzubereiten. Zuletzt war das ganz anders. Sehr kurzfristig wurden neue Verordnungen angekündigt, mit denen die Einrichtungen irgendwie klar kommen mussten.

Bei der Wathlinger Kita Spatzennest ist der Außenbereich getrennt, die Gruppen sollen unter sich bleiben. Quelle: David Borghoff

Die Erleichterung bei vielen Eltern ist riesengroß: Zwar gab es in den vergangenen Wochen diverse Lockerungen und immer mehr Kinder durften in die Kitas zurück. Aber immer noch waren in Stadt und Kreis Celle tausende Kinder zuhause, weil die Eltern keine Jobs haben, die als systemrelevant eingestuft sind. Oder weil ein Elternteil im Homeoffice arbeitet. Oder weil ein anderer Grund vorliegt. Im Zweifelsfall waren die Notgruppen einfach schon voll. Während die Nerven der Eltern überstrapaziert sind, leiden viele Kinder unter der sozialen Isolierung.

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Alle Kinder können zurück

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat die Notbetreuung zum 22. Juni für beendet erklärt. Das heißt im Klartext: Alle Kinder, die einen Betreuungsplatz haben, können dann in ihre Einrichtungen zurück.

Die Kita Kapellenberg in Celle während der Corona-Zeit. "Wir vermissen Euch", steht im Eingangsbereich. Quelle: Dagny Siebke

Stefanie Neumann in Wathlingen rechnet auch damit, dass die 105 Kinder, die im Spatzennest untergebracht sind, alle zurückkommen. Einschränkungen wird es aber weiterhin geben. So werden die fünf Gruppen ihres Hauses strikt voneinander getrennt. Im Außenbereich sind verschiedene Felder mit Flatterband markiert, damit die Gruppen auch auf dem Spielplatz unter sich bleiben. Eltern dürfen bis auf weiteres das Gebäude nicht betreten, sie geben ihre Kinder an der Tür ab. Zudem gibt es vorübergehend drei Eingänge, damit vor allem in den Hol- und Bringzeiten größere Zusammenkünfte vermieden werden.

Werden Zeiten eingeschränkt?

Auch bei den Betreuungszeiten kann sich etwas ändern. Möglicherweise muss die Kita Spatzennest an einem oder zwei Nachmittagen früher schließen, weil Personal fehlt. Hintergrund ist, dass die beiden kommunalen Kitas in Wathlingen beim Personal kooperieren. So kommen normalerweise Erzieher aus der Kita Gänseblümchen am Nachmittag ins Spatzennest. Den personellen Wechsel von einer Einrichtung zur anderen wird es während der Corona-Zeit nicht mehr geben.

Einblick in die Notbetreuung der Kita Kapellenberg. Quelle: Dagny Siebke

Dass die Kindergärten zwar in Richtung Normalbetrieb gehen, aber dennoch mit etlichen Problemen konfrontiert sind, zeigt ein anderes Beispiel. Eigentlich finden jetzt Gespräche mit Eltern statt, die ihr Kind im neuen Kita-Jahr im Spatzennest unterbringen wollen. Die Besichtigungen fallen aus, sagt Neumann, aber Gespräche über die Eingewöhnung soll es geben. Gute Nachrichten kommen in Sachen Personal. Meldungen, wonach bis zu 30 Prozent der Erzieher zu den Risikogruppen gehören und deshalb zahlreiche Mitarbeiter für den Neustart nicht zur Verfügung stehen, kann Neumann nicht bestätigen: "Selbst zwei Kolleginnen, die nächstes Jahr in Rente gehen, wollen da sein."

In Wietze sieht es beim Personal gut aus

In den kommunalen Einrichtungen in Wietze sieht es beim Personal genauso aus. "Wir müssen keinen Mitarbeiter freistellen, weil er zu einer Corona-Risikogruppe gehört", sagt Kjell Petersen, Kita-Fachbereichsleiter im Rathaus. In Wietze gibt es zwei Kindertagesstätten in der Hand der Gemeinde: die Villa Fliegenpilz mit 100 Kindern, das Kükennest mit 80 Kindern. "Im Moment ist es noch ein 50-Prozent-Betrieb", sagt Petersen, "wir arbeiten mit Volldampf daran, dass alle Kinder zurückkommen können".

Morgens Menschenmengen vermeiden

Auch in den zwei Wietzer Kindergärten geht es darum, den Betrieb zu entzerren. Kritisch ist es vor allem morgens zwischen 7 und 8 Uhr. "Wenn 100 Kinder von ihren Eltern gebracht werden, hat man schnell 200 Leute in der Einrichtung. Dazu kommen die Erzieher", umreißt Petersen das Problem. Eine Möglichkeit ist, den Eltern bestimmte Zeitfenster zuzuweisen, in denen sie ihre Kinder abholen sollen. Die Gemeinde will die Eltern nächste Woche informieren.

Optimismus in Celle

"Die Vorbereitungen werden rechtzeitig abgeschlossen sein", gibt sich Stadtsprecherin Myriam Meißner optimistisch, dass die kommunalen Kitas in der Stadt Celle dem Ansturm gewachsen sind. Jetzt kommt es darauf an, was genau im neuen Hygieneplan drinsteht. Auch Früh- und Spätdienste sollen angeboten werden, so lange es die personellen Kapazitäten zulassen. Klar ist: Es ist für alle Kitas ein langer Weg zurück in den Alltag.

Erfahrungsberichte betroffener Eltern

Und wie ist es Eltern, die für ihre Kinder keinen Platz in der Kita hatten, in den vergangenen Monaten ergangen? Lesen Sie dazu:

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