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Aus dem Landkreis Alarm in den Rathäusern
Celler Land Aus dem Landkreis Alarm in den Rathäusern
16:07 12.03.2019
Von Carsten Richter
Vor verschlossenen Türen: Die Verwaltungen im Landkreis Celle suchen händeringend nach Nachwuchs. Aber qualifiziertes Personal zu finden, ist kein einfaches Unterfangen.  Quelle: Christian Link
Celle

Wer dringend einen Handwerker braucht, ist lange Wartezeiten gewöhnt. Der Fachkräftemangel ist aber nicht nur ein weit verbreitetes Phänomen in der Wirtschaft. Auch in einem anderen Sektor wird dringend qualifiziertes Personal gesucht: In vielen Amtsstuben in Niedersachsen bleiben Stühle ebenfalls unbesetzt. Bei der Landkreisversammlung in Bad Lauterberg war der Fachkräftemangel in den Verwaltungen das Hauptthema. Und auch im Landkreis Celle schrillen in vielen Rathäusern die Alarmglocken.

"Lage ist sehr angespannt"

"Die Lage ist sehr angespannt. Fachpersonal im Verwaltungsbereich ist nur sehr schwer zu bekommen", bestätigt Jörg Warncke, Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten und Bürgermeister der Samtgemeinde Lachendorf, auf CZ-Anfrage. "Auf Ausschreibungen für Verwaltungsfachangestellte bewerben sich, wenn überhaupt, nur sehr wenig ausgebildete Personen", so Warncke. Noch schwieriger sei die Situation im Bereich der Laufbahngruppe 2.1 – das entspricht dem ehemaligen gehobenen Dienst, für den ein Bachelor-Abschluss erforderlich ist. "In früheren Zeiten war es so, dass der Landkreis für diesen Bereich über den Bedarf hinaus ausgebildet hat und damit dann auch Kräfte für die Gemeinden angeworben werden konnten", erläutert Warncke. Das sei aber seit vielen Jahren nicht mehr möglich, da der Landkreis selbst einen hohen Bedarf an Personal habe.

Ingenieure und Erzieher gesucht

Probleme gibt es auch in verschiedenen Fachbereichen in den Rathäusern, zum Beispiel auf dem technischen Gebiet. "Ingenieure stehen am Markt kaum zur Verfügung. Außerdem kann der öffentliche Dienst mit der Gehaltsstruktur der Privatwirtschaft nicht konkurrieren", sagt Warncke. Auch Fachpersonal für Kindertagesstätten und Erzieher seien nur schwer zu bekommen. "Hier nimmt die Situation extreme Züge an. Die Kräfte, die zum Sommer die Abschlüsse erwerben, sind praktisch schon vorher eingestellt", verdeutlicht der Lachendorfer Rathauschef. In der Samtgemeinde selbst hat sich auf eine ausgeschriebene Ingenieursstelle kein passender Bewerber gemeldet. "Daher wird die Stelle jetzt umgewandelt und wir suchen jetzt einen Bautechniker", so Warncke.

Oft fehlt nötige Qualifikation

In der benachbarten Samtgemeinde Flotwedel ist die Situation ähnlich angespannt. "Wir haben etliche Stellen ausgeschrieben. Viele Bewerber bringen aber nicht die nötige Qualifikation mit", sagt Hermann Schulz, stellvertretender Verwaltungschef im Wienhäuser Rathaus. Die Konsequenz des Fachkräftemangels: Der gleichbleibende Personalstamm muss immer mehr Aufgaben erledigen. Die Samtgemeinde-Verwaltung setzt auf jungen Nachwuchs: "In diesem Jahr stellen wir zum 1. August zwei statt nur einen Auszubildenden ein", sagt Schulz. Generell verfahre die Samtgemeinde gerne nach dem Motto "Haben ist besser als brauchen". Wer eine Initiativbewerbung an die Verwaltung schicke, habe derzeit recht gute Chancen, zügig eingestellt zu werden – wenn der Bewerber ausreichend qualifiziert sei, betont Schulz.

Homeoffice als Lösung?

Gutes Personal zu bekommen, ist ein Problem, es zu halten ist ein anderes. Die Samtgemeinde Flotwedel etwa bietet Fortbildungen an. Eine andere Möglichkeit: Homeoffice-Arbeitsplätze. "In den Bereichen, in denen Bürgerkontakt stattfindet, ist das praktisch ausgeschlossen", sagt Warncke. Ansonsten sei das "ein geeignetes Instrument, um auch Personen einzustellen, deren Wohnort weiter entfernt liegt", so der Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten. Kita- und Krippenplätze in Rathausnähe bereitstellen sei eine Option, die Bezahlung anzupassen eine andere – hier sei aber das Land am Zuge.

Was die Verwaltungen selbst leisten können, ist die Digitalisierung von Dienstleistungen. "Dadurch könnte Fachpersonal eingespart und somit eine Entlastung erreicht werden", erläutert Warncke.

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