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Bergen Ortsteile 75 Jahre Feuerwehr Hassel
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile 75 Jahre Feuerwehr Hassel
13:20 13.06.2010
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Hassel

Leistungswettkämpfe machen

fit für Einsätze im Ernstfall

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Eine ganz besondere Bedeutung für die Ortsfeuerwehr Hassel haben die Wettbewerbe auf Stadt- und Kreisebene. Dabei haben die Leistungsmärsche, zu denen vielerorts (von anderen Feuerwehrvereinen) eingeladen wird eher einen geselligen, spielerischen Charakter. Richtig trainiert wird dagegen für die ernstzunehmenden Leistungswettbewerbe der Feuerwehr. Die Hasseler wenden dafür eine Menge Zeit über die „normalen“ Dienstzeiten hinaus auf.

Bei den Leistungswettkämpfen geht es um das „Handwerk“ der Wehr, Rettungsübungen und Brandbekämpfung, integrierte Schnelligkeitsübungen sowie Sonderprüfungen für einzelne Spezialbereiche. Die Mannschaft tritt in Gruppenstärke (1/8) an und zeigt was sie kann.

Die Leistungswettbewerbe, so Wilfried Heins (auch stellvertretender Wettbewerbsleiter des Landkreises Celle), dienten weniger der Pflege von Kameradschaft mit anderen Vereinen, „sie sind eigentlich Teil der Feuerwehrausbildung, die jede Ortsfeuerwehr durchzuführen hat, Bestandteil der laufenden Truppmannausbildung. Nur ein eingespieltes Team kann im Ernstfall schnell und koordiniert agieren.“ Es sei deshalb zu bedauern, dass nicht mehr und häufiger an diesen Wettbewerben teilgenommen werde.

Der erste registrierte Wettkampf der Hasseler Wehr fand laut den Dienstbüchern 1973 in Eversen statt. Vor allem in den 90er Jahren hat die Ortsfeuerwehr zahlreiche Erfolge zu verzeichnen. Nachdem immer mehr auch Frauen zum aktiven Dienst kamen, ist man sogar verschiedentlich mit zwei Gruppen bei Wettkämpfen angetreten. Vier mal Stadtsieger, drei 2. Plätze auf Kreisebene und weitere Erfolge, die zur Teilnahme von Wettkämpfen auf Bezirksebene führten, beweisen die Motivation und das Engagement der Ortsfeuerwehr Hassel.

Die Chronik ...

Mitglieder werden Ordnungshütern

Aus Dorfschule wird Gerätehaus

Die Geschichte des Feuerwehrdienstes in Hassel lässt sich schon weit vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr am 6. November 1934 zurückverfolgen. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts galt die allgemeine Löschpflicht für alle männlichen Einwohner des Dorfes im Alter zwischen 17 und 55 Jahren. Eine spezielle Ausrüstung gab es nicht. Im Ernstfall kamen Eimer und Leitern zum Einsatz.

Im Dezember 1870 wurde auf einer Gemeindeversammlung über die Anschaffung einer Feuerwehrspritze diskutiert, aus Kostengründen und wegen mangelnder Löschwasserversorgung jedoch wieder fallen gelassen. 1902 beschloss man einen Notbrunnen im alten Dorf anzulegen – eine Spritze kam dennoch nicht in den Ort. 1905 schloss der Landkreis Celle die Ortschaften Hassel, Wolthausen und Wittbeck – auf Grund einer Polizeiverordnung – zu einem ersten Löschverband zusammen.

Die politische Machtübernahme der Nationalsozialisten brachten den verstärkten Ausbau der Feuerwehrschutzen sowie neue Verordnungen mit sich, die zur offiziellen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hassel führten. Hassel hatte damals 142 Einwohner und 28 Häuser. 19 Mann traten der ersten FFW bei. Revierförstern Emil Gröschel aus dem Waller Holz wurde zum kommissarischen ersten Gemeindebrandmeister ernannt. Bereits zwei Tage nach der Gründungsversammlung beschloss der Gemeinderat den Bau eines Spritzenhauses. Anfang 1935 erhielt die Feuerwehr Hassel eine Motorspritze mit dem dazugehörigen Tragkraftspritzenanhänger. Zusammen mit den Wehren aus Wolthausen und Hustedt entstand der Löschverband Wolthausen.

Erster Gemeindebrandmeister wurde im Mai 1935 Hermann Timme, ernannt vom Provinzialfeuerwehrführer Walter Schnell. Der Anzahl der Mitglieder und dem Umfang der Ausrüstung entsprechend war die neue „Freiwillige Feuerwehr Hassel e.V.“ in der Lage, einen sogenannten „Halblöschzug“ zu bilden. Mit der gesetzlichen Neuordnung des deutschen Feuerlöschwesens (November 1938) erhielten die Mitglieder den Status von Hilfspolizeitruppen und wurden damit auch zu Ordnungshütern.

Nach dem Krieg brach die alte Ordnung erst einmal zusammen. Mit der Verordnung der Militärregierung der britischen Zone wurde die Feuerwehr neu aufgestellt und hatte umgehend ihren Dienst wieder aufzunehmen. Im September 1945 traten dazu 18 Mann der „neuen“ Freiwilligen Feuerwehr Hassel an. Vieles von den Gerätschaften war zerstört oder abhanden gekommen, es galt zu improvisieren. Eine weitere Neuordnung erfolgte am 21. März 1049 mit Inkrafttreten des Niedersächsischen Feuerwehrschutzgesetztes. Die Hasseler Wehr wurde in den Feuerwehrunterkreis Beckedorf eingegliedert.

Ortsübergreifende Übungen und eine neue Ausrüstung folgten. Durch den Ausbau der Löschwasserbrunnen wurde die Wasserversorgung im Brandfall deutlich verbessert. 1970 bekam die Ortsfeuerwehr Hassel ihr erstes Feuerwehrfahrzeug: Ein Löschgruppen-Fahrzeug aus Bundeswehrbeständen. Nach Schließung der Dorfschule wurde das Gebäude teilweise zum neuen Feuerwehrgerätehaus umgebaut.

In Folge der Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 wurden die Feuerwehr-Unterkreise wieder aufgelöst. Hassel gehört politisch seither zur Gemeinde Bergen, Hermann Heins wurde vom Gemeinde- zum ersten Ortsbrandmeister.

Als kleinste Ortsfeuerwehr von Bergen

Fest verankert und doch nicht sicher

Natürlich wird gefeiert – 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr bieten schließlich einen würdiger Grund – „aber ein „Riesen Ding“ machen wir nicht daraus“, sagt Ortsbrandmeister Wilfried Heins. Geplant ist eine Festveranstaltung, in der Vergnügliches mit Amtlichem, wie die Ehrungen von Mitgliedern, verbunden wird. Neben den geladenen Gästen aus dem Ort und den Nachbarwehren werden Freunde aus Plodda erwartet. „Wir sind die kleinste Wehr im Stadtbereich, sicherlich eine der kleinsten im Landkreis. Wir tun unseren Dienst und sind ein tragendes Element im Dorfgeschehen. Das bleibt alles im Rahmen.“

Von Doris Hennies

24 Aktive, 19 Männer und 5 Frauen, verzeichnet die Ortsfeuerwehr Hassel aktuell, daneben 10 Senioren in der Altersabteilung und 35 Fördermitglieder. In Anbetracht der gesamten Einwohnerzahl von Hassel (217) ist das eine beachtliche Aufstellung. Trotzdem macht sich Wilfried Heins Gedanken über die weitere Entwicklung der Wehr. „Es fehlt ganz klar an Nachwuchs. Natürlich gab es immer wieder einmal Schwankungen , aber die Leute sind heute nicht mehr so motivierbar für gemeinnützige Vereinsarbeit, Übungen, Dienste und Einsätze.“ Die Einstellung der Jugendfeuerwehrabteilung zu Beginn des Jahres war eine dieser Konsequenzen.

Auch über andere Punkte im Bereich der Feuerwehrarbeit macht sich der Ortsbrandmeister Gedanken. Als kleine Ortsfeuerwehr verfügt Hassel über die normale Grundausstattung. Einsätze in Brandfällen sind –„Gott sei Dank“- ziemlich selten. Dafür macht die unmittelbare Lage des Dorfs an der B3 (zwischen Celle und Bergen) den Einsatz bei Verkehrsunfällen um so häufiger. „Da wäre es wünschenswert, auch über spezielleres Gerät zu verfügen“.

„Wir haben seit 1988 auch Frauen in der aktiven Wehr – meine, Monika, war die erste. Damals waren wir noch nicht verheiratet. Es wäre schön, wenn sich weiterhin auch Frauen angesprochen fühlten, in die Feuerwehr zu gehen. In Hassel gibt es außer dem Schützenverein kaum Möglichkeiten sich in Gruppen zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen und sich gemeinsam für etwas einzusetzen. Da ist die Wehr auch ein fester, tragender Teil im gesellschaftlichen Ortsgeschehen. In so fern könnten wir so etwas wie ein Familienangebot sein.“

Trotz allem steht die freiwillige Feuerwehr nicht allein. Sie pflegt regen, engen Kontakt zu den umliegenden Ortsfeuerwehren, macht gemeinsame Übungen, trifft sich aber auch zu gemeinsamen Festen und Veranstaltungen. So ist es auch zu verstehen, dass Hassel in diesem Jahr – trotz Jubiläum – keinen eigenen Wettkampf ausrichtet. „Wir haben kaum Luft, gehen zu so vielen Wettkämpfen, haben so viele Einladungen auf dem Tisch, die wir auch wahrnehmen möchten, dass wir selbst heuer ein abgespecktes Programm laufen haben.“

Zum großen Festball erwartet der Jubilar 40 Gäste der 1. Schalmeienkapelle Plodda e.V.. Der Spielmannszug hat sich aus den Reihen der FFW Plodda gebildet und ist heute eigenständig. Der Kontakt zwischen den Wehren aus Ost und West begann 1992 mit einem Wettkampf zu dem der Ort im Landkreis Bitterfeld-Anhalt eingeladen hatte. Angesprochen waren die Wehren der Stadt Bergen, Hassel hatte sich als Teilnehmer gemeldet. Seit dem gab es eine ganze Anzahl von Besuchen und Abordnungen beiderseits. „Heute ist es Freundschaft“.

Programm:

Am Samstag, 7. November, feiert die freiwillige Feuerwehr Hassel ihr 75jähriges Bestehen mit einem Festball, inklusive Kommers. Beginn ist um 18 Uhr, erwartet werden ausschließlich geladene Gäste.

Kontakt:

Freiwillige Feuerwehr Hassel

Ortsbrandmeister

Wilfried Heins

Hassel 62

29303 Bergen

Tel. 05054/ 279

Viele Bereiche

sich einzubringen

„Die Liebe hat mich hier her gebracht,“ sagt Monika Heins augenzwinkernd. „Ich hab etwas für mich gesucht, wo ich mich engagieren konnte. Auch zeitlich musste es passen, weil ich schon damals im Schichtdienst gearbeitet habe. Dann traf ich Wilfried und da lag die Feuerwehr nahe. Eigentlich waren wir einmal zu dritt, die eintreten wollten, aber die anderen sprangen ab. Aber ich steh zu meinem Wort und so bin ich aktive Feuerwehrfrau geworden – und hab es nie bereut. Hier gibt es so viele Möglichkeiten und Interessensbereiche. Man kann es sportlich nehmen, kann sich sozial einbringen, kann an der Planung und Organisation (bei Festen oder Veranstaltungen) mitarbeiten. Da ist für jeden was dabei.“

Von Abenteuerlust

Zur Pflichterfüllung

Harald Höpner war einer der ersten in der Anfang 1978 gegründeten Jugendfeuerwehr in Hassel. „Es gab ja sonst nicht viel, und hier konntest du Freunde finden und treffen, kamst mal raus. Hans-Jürgen Lach (stellvertretender Ortsbrandmeister und später Jugendwart) hat sich außerdem für die Gruppe stark gemacht. Er konnte wirklich überzeugen! Also bin dazu. Ich war damals schon 16 und deshalb nur relativ kurz dabei, aber es hat gelangt mich zu überzeugen, dass ich hier richtig bin. Mit 18 bin ich dann in die aktive Feuerwehr eingetreten. Ehrlich gesagt war früher auch ein Stück Abenteuerlust dabei. Heute sehe ich es eher als Notwendigkeit. Für das Wohl der Menschen sollte man einen eigenen Beitrag leisten.

Von Doris Hennies