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Bergen Ortsteile Bauernhof-Idyll in Becklingen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Bauernhof-Idyll in Becklingen
17:23 07.08.2018
Von Michael Ottinger
Quelle: Michael Ottinger
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Becklingen

Und: „Wo die Reifen stillstehen, da steht auch unser Bett, in dem wir schlafen“, sagt 62-jährige Niederländer mit einem Schmunzeln. Zusammen mit seiner Frau bereist er Norddeutschland und hat in Becklingen auf dem Rippenhof halt gemacht. „Sonst sind wir immer in den Süden gefahren“, erklärt er. Doch in diesem Jahr wollten die beiden Reisenden einmal etwas anderes sehen. „Ich kannte die Gegend hier noch von meiner Arbeit beim Militär“, sagt Jan Jacobs von den Hof. Und weil ihm die schöne Natur in guter Erinnerung geblieben ist, erkunden sie den Norden des Celler Lands bevor sie ihre Reise Richtung Nordsee fortsetzen. „Es gefällt uns noch immer sehr gut hier“, sagt der 62-Jährige. Dann machen er und seine Frau sich auf, mit ihren drei Hunden spazieren zu gehen.

Ihr Stellplatz auf dem Rippenhof wird von Wilhelm Habermann betrieben. Seine Familie ist bereits seit dem 16. Jahrhunderts im Besitz des Bauernhofs. „Bis in die 90er Jahre haben wir den Hof noch hauptberuflich betrieben“, sagt der 61-Jährige. Doch schon bald habe sich die Landwirtschaft nicht mehr rentiert. Mittlerweile arbeitet Habermann auf dem Truppenübungsplatz in Bergen als Ver- und Entsorger. Seine Frau Brigitte arbeitet bei der Volksbank. Den Rippenhof betreiben sie nur noch nebenbei, in dem sie Stellplätze zum Übernachten und Räume für Feste zur Verfügung stellen. „Außerdem ist es einfach eine Leidenschaft von mir“, sagt der 61-Jährige.

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Immerhin: 18 Kühe versorgt Habermann auf dem Hof, früher waren es mal 45. Ob es auch so viele bleiben, weiß er jedoch noch nicht. Denn die wenigen Niederschläge der vergangenen Monate fordern ihren Tribut. „Dieser ewig lange und heiße Sommer ist ganz schön trostlos“, sagt Habermann. Er müsse die Tiere mittlerweile mit Kraftfutter versorgen, da sie auf der Weide nicht mehr genügend zu fressen finden. „Spätestens im Winter werden wir das merken. Der ein oder andere Landwirt wird wahrscheinlich auch ein paar Tiere verkaufen. Wobei die Preise am Boden sind, das bringt also auch nicht viel“, sagt Habermann.

Sein Ziel ist es, dass der Hof zumindest so viel einbringt, wie er in der Haltung kostet. „Das klappt mal besser und mal schlechter“, sagt er. „Und wenn man eine Frau als Bankerin hat, dann sagt die einem schon ganz genau, was sich lohnt“, fügt er mit einem Lachen hinzu.

Trotz allem sieht man dem Hof an, dass die Habermanns mit Herzblut bei der Sache sind. Die Räume und Flächen wirken gepflegt und vermitteln den Besuchern einen Geschmack vom romantischen Landleben. Damit hat es der Rippenhof sogar schon ins Fernsehen geschafft, wie Habermann sagt: „Die haben bei uns für ‚Mein schönes Land‘ gedreht. 13 Stunden Filmmaterial und am Ende wurden etwa 25 Minuten ausgestrahlt“, sagt Habermann lächelnd. Die Dreharbeiten seien anstrengend gewesen. Dennoch denkt er gerne daran zurück. „Wir hatten damals viel Spaß hier.“

Neben ländlicher Idylle findet man auf dem Hof auch manches Stück Zeitgeschichte. So befindet sich ein alter Holzwagen dort, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat. „Damit ist eine Familie aus dem heutigen Polen 1945 hierhergekommen. Dass wir den hier noch erhalten haben, darauf sind wir stolz“, sagt Habermann.

Die 82-jährge Helga Weide kann sich noch erinnern, wie es war, als sie mit ihrer Familie nach dem Krieg von Pommern nach Becklingen geflohen ist. „Nie hat mich jemand fühlen lassen, dass ich nicht willkommen bin“, sagt sie. Unter anderem ist diese herzliche Dorfgemeinschaft ein Grund dafür, warum sie und ihr Mann Hermann gern in Becklingen leben. Und das bereits seit 63 Jahren.

Auch wenn ihre alten Freunde von damals mit der Zeit immer weniger wurden. „Es lebt kaum noch einer“, sagt sie. Doch es lässt sich gut alt werden in dem Ort. Ihr Mann Hermann ist mit 88 Jahren der zweitälteste Einwohner. „Es gibt einen, der ist noch zwei Jahre älter“, so Helga Weide.

Ob auch Detlef Gerken einmal so lange in Becklingen leben wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Doch er ist auf einem guten Weg dorthin. "Ich wurde hier in meinem Elternhaus geboren und lebe seitdem in Becklingen", sagt der 51-Jährige, der seinem Bruder dabei hilft, den familieneigenen Hof zu bewirtschaften. "Mir gefällt es sehr gut hier und ich will hier auch bleiben."

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