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Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Warum die Herrmanns die Bäckerei aufgeben
08:07 07.04.2019
Von Jürgen Poestges
Bäcker Hans-Norbert Herrmann und seine Frau Heike vor ihrer Dorfbäckerei mit dem kleinen Laden an der Örtzestraße in Eversen. Zum 1. Oktober wird das Geschäft geschlossen
Eversen

Der Schritt ist ihnen schwer gefallen, das sieht man Heike und Hans-Norbert Herrmann an. „Anfang des Jahres haben wir uns zusammengesetzt und festgestellt, dass es keinen Sinn mehr macht, den Laden weiter zu führen“, erzählt Herrmann. Am 1. Oktober wird die Dorfbäckerei mit dem kleinen Laden geschlossen. Für die Dorfgemeinschaft ist das ein großer Verlust.

Immer wieder privates Geld investiert

„Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder privates Geld in das Geschäft gesteckt. Es muss aber ja auch für uns etwas übrig bleiben.“ Es seien schon ein paar Kunden in den Laden gekommen und hätten gesagt, sie seien ja selber schuld, weil sie so selten gekommen wären. „Eigentlich sollte ein Dorf von der Größe Eversens ein Bäckerei erhalten können“, sagt Heike Herrmanns. „Aber das Problem haben wir ja nicht alleine. Es sind ja schon viele Geschäfte in Dörfern geschlossen worden.“ Und seitdem es in Eversen keinen Geldautomaten mehr gibt, sei die Lage nicht einfacher geworden. „Jetzt steht der Geldautomat genau vor dem Markt in Sülze. Da gehen dann die Leute da auch gleich einkaufen.“

"Backen nach wie vor alles selber"

Seit 1990 führt das Ehepaar Bäckerei und Laden. „Und wir backen nach wie vor alles selber, machen unseren eigenen Natur-Sauerteig“, sagt der 61-Jährige nicht ohne Stolz. Damals arbeiteten vier Angestellte in der Backstube, heute unterstützt nur ein Geselle den Bäckermeister. Im Geschäft waren vier Verkäuferinnen tätig. Im Prinzip wie heute. „Nur arbeiten die Frauen jetzt im Wechsel, damit immer jemand an der Kasse ist.“

Die Herrmanns betreiben Bäckerei und Laden in der dritten Generation. 1926 hat der Großvater der heute 60-jährigen Heike Herrmanns das Geschäft eröffnet. Der Ofen wurde 1963 angeschafft. „Damals war das de Mercedes unter den Öfen“, sagt der Bäcker. „Ersatzteile gibt es immer noch.“ Den Wartungsvertrag mit er Münchner Firma hat er gekündigt. „Das wurde immer teurer. Da fielen dann schon mal 1500 Euro an, wenn zwei Wasserhähne gewechselt wurden. Das kann ich auch selber machen.“

„Sonntags um eins waren wir fertig“

Für das Selbermachen fallen dann auch schon mal Wochenenden aus. Da wird dann der Ofen auseinandergenommen, der Sohn kommt zum Schweißen, und alles wird wieder montiert. „Sonntags um eins waren wir fertig.“

Zukunft für die Herrmanns noch ungewiss

Wie es für die Herrmanns nach dem 1. Oktober weitergeht, wissen sie selber noch nicht. „Pläne haben wir noch keine gemacht. Was wir mit den Räumen machen, wissen wir auch noch nicht. Das sind 150 Quadratmeter. Vielleicht findet sich jemand, der Interesse hat“, so Herrmann. Und er glaubt, dass in den kommenden Jahren weitere Bäckereien, die noch selber backen, folgen werden. „Es gibt davon in Stadt und Landkreis noch 18. Und ich glaube, in den nächsten fünf Jahren werden viel weniger.“

Fotostrecke: Warum die Herrmanns die Bäckerei aufgeben

Dorfgemeinschaft sucht Lösung

Anna-Maria Cornils war hocherfreut. „Es war unser drittes Treffen. Und zum ersten Mal hatten wir vorher öffentlich eingeladen. Und dann waren gleich rund 50 Leute da.“ Was beweise, so stellt sie erfreut fest, dass den Eversern das Dorfleben sehr wohl am Herzen liegt. „Unser Dorf wird immer ärmer“, sagt Cornils. Ihr Ansatz: „Wenn wir jemanden finden würden, der einen Hofladen aufmacht oder einen Bäcker, der vielleicht in Eversen eine Zweigstelle aufmachen kann, wäre das für uns eine tolle Sache.“ Ihre erste Idee sei ein Dorfladen nach dem Beispiel Adelheidsdorf gewesen. „Aber das ist in der Kürze der Zeit nicht zu machen.“ Ideen gebe es viele, aber keine die in der relative kurze Zeit zu realisieren sei.

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