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18:43 07.08.2009
Von Simon Ziegler
Mordfall Fischer: Averbeck erinnert sich Quelle: Simon Ziegler
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Hassel

Die Bilder wird er nie mehr los. Es war der Morgen des 24. September 1988, als Hans-Heinrich Averbeck mit seinem Opel von Hassel auf die B3 Richtung Celle abbog. Nach wenigen Metern drosselte er die Geschwindigkeit und schaute nach rechts in einen Waldweg, wie er es immer tat, „weil da oft Müll abgelagert wurde“. In rund 100 Metern Entfernung sah er etwas, vielleicht war es ein Reh oder Rotwild, dachte er. Averbeck, damals stellvertretender Kreisjägermeister, nahm sich vor, auf dem Rückweg „guckste rein“.

Doch auf dem Rückweg hatte die Polizei den Weg bereits abgesperrt. Denn im Hasseler Totenweg, wie der Pfad makabrerweise heißt, lag kein Wild, sondern die Leiche von Regina Fischer.

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Von dem Mordfall hat Hans-Heinrich Averbeck erst aus den Medien erfahren – und ihm wurde plötzlich klar, dass er in dieser Nacht nur 400 oder 500 Meter vom Tatort entfernt war, auf einem Hochsitz, Wildschweine jagend. Der heute 75-Jährige hat damals keine Schreie gehört und keine Lichter des Autos gesehen. „In einer anderen Nacht hätte ich etwas mitbekommen“, ist er sich sicher.

In dieser Nacht nicht. Denn – so schildern es alle, die sich erinnern können – es war ein regelrechtes Sauwetter, stürmisch und laut.

Seit fast 21 Jahren beschäftigt sich der heute 75-Jährige mit der Frage, was er gemacht hätte, wenn er etwas mitbekommen hätte? Hätte er der jungen Verkäuferin aus Wathlingen helfen können? Wäre er vielleicht selbst das zweite Opfer geworden?

Hätte. Wäre. Vielleicht. Es sind quälende Fragen im Konjunktiv, die nie vergehen. Ob Averbeck je Antworten darauf finden wird, selbst wenn der Mord noch aufgeklärt wird?

Der Hasseler denkt heute noch oft an die Tat, wenn er am Leichenfundort vorbeifährt, was mindestens einmal in der Woche der Fall ist. Oder wenn er auf dem Hochsitz zur Jagd geht. Er hat von dieser Stelle schon Unfälle auf der stark befahrenen Bundesstraße gehört. Einmal kam ein Kind ums Leben, als der Wagen des Vaters mit einem Wildschwein kollidierte.

„Meine Gedanken kreisen um die Frage, wer in das Auto eingestiegen ist“, sagt der Mann heute, der bis 2007 genau 15 Jahre an der Spitze der Jägerschaft stand und inzwischen Ehren-Kreisjägermeister ist. Natürlich tappt er genauso im Dunkeln wie die Ermittler. War es ein Tramper, den die Wathlingerin mitgenommen hat, obwohl sie das doch nie gemacht hatte? Wenn ja, wo ist der Mann eingestiegen? In Wathlingen, in Celle, in Wolthausen?

Er hofft, dass der Mord an der damals 20-jährigen Frau, die am 23. September 1988 ihren Freund in Munster abholen wollte, doch noch aufgeklärt wird. In Kürze wollen Polizei und Landeskriminalamt das endgültige Ergebnis von Speicheltests bekannt geben, die bei Männern aus Hassel, Walle und Wolthausen vorgenommen wur-den. Bislang sind mehr als die Hälfte der rund 150 Proben ausgewertet, ein Verdächtiger ist nicht dabei.

Averbeck wird mit den schrecklichen Bildern leben müssen, der Leiche im Wald, der englischen Militäreinheit, die bei der Suche nach der Tatwaffe half, den Erinnerungen auf dem Hochsitz, wenn es stürmt. Er weiß das – und setzt auf einen Ermittlungserfolg. „Wenn du so etwas siehst, dann geht dir das Messer auf.“

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