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Bergen Ortsteile Niedrigwasser auf Örtze bereitet Bootsverleihern und Fischereivereinen große Sorgen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Niedrigwasser auf Örtze bereitet Bootsverleihern und Fischereivereinen große Sorgen
18:15 07.08.2018
Von Christoph Zimmer
Quelle: Christoph Zimmer
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Eversen

Nur die Strecke von Baven bis Oldendorf ist im Moment laut Verordnung vom Landkreis Celle als Untere Naturschutzbehörde für den Bootsverkehr freigegeben. „In Eversen habe ich seit zwölf Wochen keine Kanus oder Kajaks ins Wasser lassen können“, klagt Volker Hubach. „In dieser Jahreszeit ist die Örtze sonst einen Meter tiefer.“ Er rechne, sagt der Bootsvermieter aus Winsen, mit „Umsatzeinbußen von 80 Prozent. Ich habe Unmengen an Nachfragen, die ich in den September legen muss.“ Vor allem viele bayerische Touristen, die sonst in die Heide kämen und Touren bei ihm buchten, blieben weg. An einem normalen Wochenende seien alle 50 Boote im Wasser, sagt Hubach, der auch seine Touren auch mit Grillen anbietet. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon mal so schlechte Zahlen hatten.“

Es gibt auch weniger Radtouristen. „Niemand fährt bei diesen Temperaturen gerne mit dem Fahrrad durch die Heide“, sagt Hubach, der auch das Gasthaus Niedersachsen in Eversen betreibt. „Man spürt die Folgen des Wetters schon recht deutlich“, stimmt Manfred Otte ihm zu. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia betreibt er das Gasthaus Zum Dorfkrug in Eversen. „Wir spüren die Auswirkungen des Wetters auch, was die Anzahl der Wanderer angeht.“ Hinzu kommen Absagen für gebuchte Übernachtungen.

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Timo Seiser bereitet die anhaltende Hitze ebenfalls Kopfzerbrechen. „So flach habe ich die Örtze noch nicht gesehen“, sagt der Vorsitzende des Fliegenfischerclubs Feuerschützenbostel. Wenn die Temperaturen im Wasser weiter steigen sollten, könnte es zu einem massiven hitzebedingten Fischsterben kommen. „So groß ist die Temperaturspanne nicht mehr.“ Einige der Nebenbäche, die als Aufwuchsgewässer für Jungfische genutzt werden und den sommerkalten Fluss normalerweise mit kaltem Wasser speisen, sind bereits trockengefallen. Dazu zählt der Erdbeerbahnbach bei Feuerschützenbostel, wo zahlreiche Koppen verendeten, die als Indikator für gutes Gewässer gelten und als Futterfische etwa für Forellen dienen.

Zuletzt stellten die Mitglieder der neun an der Örtze ansässigen Fischereivereine von Poitzen bis zur Mündung in die Aller in Winsen Wassertemperaturen von 18,8 bis 21,1 Grad fest. „Ein für diese Jahreszeit normaler Wert für die Örtze liegt bei maximal 15 Grad“, sagt Seiser. Je höher die Wassertemperatur, desto geringer ist der Sauerstoffgehalt. Bei einem niedrigen Pegel erwärmt sich das Wasser schneller. „Ab einer Temperatur von 20 Grad wird es besonders für die empfindliche Äsche gefährlich bis tödlich“, warnt Dieter Kreuziger, Vorsitzender der Anglersportgemeinschaft Müden. Die Vereine haben ihre Mitglieder bereits angewiesen, die Fischerei bis auf weiteres einzustellen, um den Bestand der Fische nicht zusätzlich zu gefährden.

Durch die „massive Überfrequentierung von Booten auf der Strecke von Baven bis Oldendorf“ würden sich die Wasserwerte weiter verschlechtern. „Dort, wo die Pegel grün sind, im tieferen Wasser, ziehen sich die Fische im Moment zurück“, sagen Seiser und Kreuziger. „Das in diesem Bereich vom Bootsverkehr durch Mobilisierung von Sand oder Schlamm zusätzlich mit Nährstoffen angereicherte Wasser durchströmt auch die restlichen Abschnitte der Örtze.“ Durch deren Zersetzung steige der Sauerstoffverbrauch weiter an.

Gemeinsam fordern Seiser, Kreuziger und Dieter Fischer vom Fischereiverein Eversen eine „behördlich angewiesene Aussetzung des Bootsverkehrs oder eine eigenverantwortliche Aussetzung der Bootsverleiher“, bis sich der Wasserstand und auch die Parameter wie der Sauerstoffgehalt erholt hätten. „Wir sind nicht gegen den Bootsverkehr. Aber die Fische auf dem Grund können sich nicht beklagen.“ Naturschutz höre nicht erst an der Wasseroberfläche auf.

Eine Änderung der Verordnung zur Befahrung der Örtze, nach der der Landkreis ein generelles Paddelverbot aussprechen könnte, wäre ein langwieriges Verfahren und müsste am Ende durch die politischen Gremien, also den Kreistag, beschlossen werden. „Ein kurzfristiges Verbot ist daher auf Grundlage der Verordnung nicht möglich“, sagt Landkreissprecher Tore Harmening.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat auf die Hitze reagiert und das Genehmigungsverfahren vereinfacht, um den Mitgliedern der Fischereivereine eine Bergung von Fischen und ein Umsetzen in die Hauptgewässer unkompliziert zu ermöglichen. „Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, sagen Seiser, Kreuziger und Rossmann, die das aktuelle schon vielfach angewendet haben.

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