Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Bergen Stadt 33-Jährige beginnt Umschulung / Arbeitsagentur Celle bügelt Fehler aus
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt 33-Jährige beginnt Umschulung / Arbeitsagentur Celle bügelt Fehler aus
18:18 27.07.2016
Von Christopher Menge
In Wietzenbruch und Scheuen arbeitete Melanie Sekulla im Flüchtlingslager. Nun will sie eine Umschulung zur Notfallsanitäterin machen.  Quelle: Benjamin Westhoff
Bergen Stadt

Sekulla hatte in der Entlassungswelle bei Baker Hughes im Herbst vergangenen Jahres ihren Job als Betriebswirtin verloren, hatte aber schon während ihrer Freistellungszeit hauptamtlich die Leitung der Flüchtlingseinrichtung in Wietzenbruch übernommen, wo sie sich zuvor schon ehrenamtlich engagiert hatte. Als das Lager geschlossen wurde, wechselte sie nach Scheuen, wo sie im Lager der Malteser die Leitung des Rettungsdienstes und die medizinische Leitung übernahm.

„Mir ist dabei klar geworden, dass ich nicht mehr im Büro sitzen, sondern in einer humanitären Einrichtung arbeiten möchte“, erzählt Sekulla, die sich bereits seit 20 Jahren ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) engagiert. Da das Ende ihrer Aufgabe in Scheuen aber abzusehen war, da keine Flüchtlinge mehr kamen, machte sich die Bergerin bei der Arbeitsagentur schlau, ob eine Umschulung zur Notfallsanitäterin möglich sei.

„Innerhalb von 24 Stunden habe ich die Rückmeldung bekommen, dass es klappt“, erzählt Sekulla. Als sie dann auch noch Ende April die Zusage vom DRK bekam, schien ihr Glück perfekt. Ein Schulplatz wurde besorgt, Praktika abgemacht und dafür sogar der geplante Urlaub im Herbst storniert. Doch die Probleme sollten erst beginnen. Die Agentur forderte eine Maßnahmennummer, die aber keine Schule ausstellen konnte. Schließlich stellte sich heraus, dass die Agentur die Nummer selbst vergibt.

Nächstes Hindernis: Eine geförderte Umschulung darf nur zwei Jahre dauern, die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist aber auf drei Jahre ausgelegt. „Ich habe nicht so viele Ersparnisse, dass ich ein Jahr lang ohne Einkommen leben kann“, sagt Sekulla. Das DRK kam zu Hilfe. „Ich habe schriftlich die Zusage bekommen, dass ich nach bestandener Umschulung in Vollzeit übernommen werde“, sagt Sekulla.

So schien nur noch ein Problem zu bleiben: Eine Umschulung bekommt nur, wer arbeitslos ist. Daher ließ sich Sekulla – nachdem sie die Papiere für die Umschulung zusammen hatte – von den Maltesern zum 30. Juni vorzeitig aus ihrem bis September befristeten Arbeitsverhältnis kündigen. Am 16. Juni wurde schließlich der Umschulungsvertrag von Arbeitsagentur, DRK und Sekulla unterschrieben. Glücklich fuhr Sekulla mit ihrer Familie in den Urlaub nach Ägypten.

Doch nach ihrer Rückkehr kam der Schock: „Eine Förderung durch die Arbeitsagentur ist nicht möglich, da es sich grundsätzlich um eine schulische Ausbildung handelt, die nicht auf 2/3 der Arbeitszeit verkürzt werden kann“, heißt es in dem Ablehnungsbescheid, gegen den Sekulla Widerspruch eingelegt hat.

Gestern Nachmittag kam dann die gute Nachricht, nachdem sich auch Uwe Ammoneit, Leiter des DRK-Rettungsdienstes, für Sekulla stark gemacht hatte. „Der Ablehnungsbescheid ist richtig“, sagte die Leiterin der Arbeitsagentur Celle Corinna Feltz-von Einem der CZ, „der Bildungsgutschein hätte gar nicht herausgegeben werden dürfen. Da es sich um einen menschlichen Fehler handelt, aus dem der Kundin kein Nachteil entstehen soll, wird der Bescheid in einer Einzelfallentscheidung zurückgenommen – Frau Sekulla kann die Umschulung am 1. August beginnen.“